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Ratgeber Kinderkrankheiten

Die Wald-und-Wiesen-Apotheke

Kräuter sind die Mütter aller Arzneien: Die Pflanzenheilkunde ist so alt wie die Menschheit. Viele Inhaltstoffe von Blüten, Blättern, Wurzeln und Rinden helfen gegen Krankheiten. Aber Vorsicht - was wirkt, kann auch Nebenwirkungen haben.

Pflanzenmedizin

Bärlauch, Brunnenkresse, Brennnessel: Heilkraft aus der Natur© Andrea Jungwirth/Chromorange/Picture-Alliance

Heute gehören Tees, Essenzen, Extrakte, Dampfbäder, Salben und Öle aus Pflanzen zu den gebräuchlichsten Mitteln der Alternativmedizin. Sie sind für Kinder ebenso geeignet wie für Erwachsene. Gerade bei leichten Krankheiten lohnt sich ein Versuch allemal, bevor Sie zur Chemie-Keule greifen. Allerdings haben sich viele Pflanzenarzneien in Tests als schwach oder überhaupt nicht wirksam entpuppt.

Trotzdem gilt: Bestimmte Heilkräuter können bei bestimmten Beschwerden sehr gut helfen. Bei Erkältungen verhindert roter Sonnenhut, auch Echinacea genannt, womöglich das Schlimmste. Der Extrakt stärkt die Immunabwehr und hemmt Entzündungen. Bei Bronchitis hat sich Kapland-Pelargonie bewährt, eine Pflanze aus Südafrika. Gegen Pilzinfektionen kann Teebaumöl helfen, wenn Sie es einreiben. Ingwer lindert Übelkeit. Und Johanniskraut lindert depressive Verstimmungen. Manche Kräuterkur kann allerdings starke Nebenwirkungen haben. So lösen Inhaltsstoffe pflanzlicher Arzneien manchmal Allergien aus, in schweren Fällen kommt es sogar zu Nieren- und Leberschäden.

Therapieren Sie deshalb nicht einfach drauflos, ohne vorher wenigstens einmal mit dem Arzt oder der Apothekerin gesprochen zu haben. Vor allem, wenn Sie oder Ihre Kinder zu den Heilkräutern noch andere Medikamente einnehmen müssen. Mitunter kommt es nämlich zu Wechselwirkungen. Achten Sie auch auf die Dosierung. So sollten Schulkinder beispielsweise bei Tees nur die Hälfte der für Erwachsene angegebenen Portion bekommen. Ist Ihr Nachwuchs noch jünger, reicht ein Viertel der Erwachsenen-Dosis. Falls Sie selbst Kräuter sammeln und nicht über eine Ahninnenreihe weiser Frauen verfügen, die Ihnen ihr gesamtes Wissen vermacht hat: Unbedingt prüfen lassen, ob Sie nicht versehentlich giftige Doppelgänger gepflückt haben!

Das steckt dahinter:

Bereits in der Steinzeit nutzten Menschen Pflanzen, um Krankheiten zu kurieren. In allen Kulturen spielt das Wissen um die Heilkraft der Natur eine große Rolle. Viele Inhaltsstoffe von Pflanzen werden auch heute noch in der modernen Medizin verwendet: zum Beispiel einjähriger Beifuß gegen Malaria oder Fingerhut bei Herzproblemen.

So wirkt's:

Nicht alle Kräuterarzneien halten einer kritischen Prüfung stand. So hat zum Beispiel die als Allheilmittel geschätzte Kamille nur eine äußerst geringe Wirkung. Von Lavendelöl als Mittel gegen Stress oder Schlaflosigkeit raten Ärzte sogar ab: Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Übelkeit können den Nutzen überwiegen. Dennoch gilt: Im Bereich der Kräuterheilkunde findet man die überzeugendsten Wirksamkeitsnachweise, die es in der alternativen Medizin gibt.

Das sagt der Experte:

Edzard Ernst leitet die Abteilung für Komplementärmedizin an der britischen Universität Exeter. Er beschäftigt sich seit langem mit der Wirksamkeit alternativer Heilmethoden und hat viele Verfahren getestet.
Sein Urteil: Pflanzenextrakte enthalten pharmakologisch aktive Substanzen, die sowohl helfen als auch schaden können. Die Wirksamkeit einiger Extrakte ist unbestritten. Zudem steht fest, dass die Pflanzenheilkunde, auch Phytotherapie genannt, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit synthetisch hergestellten Arzneimitteln haben kann.

Rüdiger Braun

 
 
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