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Lexikon der Pflanzenmedizin: Heilkräuter und Fachbegriffe

Was ist Kava-Kava? Und wofür ist Aloe Vera gut? Das Lexikon verschafft einen Überblick über die wichtigsten Heilkräuter und Fachbegriffe aus der Pflanzenmedizin.

Aloe vera

Die Lieblingspflanze der Marketingexperten. Geht es nach ihnen, soll das Liliengewächs vitalisieren, verjüngen, gegen Krebs, Strahlenschäden und Neurodermitis helfen. Nichts davon ist durch seriöse Studien belegt. Sicher wirkt Aloeextrakt nur als Abführmittel; vermutlich hat es als Gel wundheilende Effekte etwa bei Sonnenbrand oder Insektenstichen - aber noch keine Arzneimittelzulassung.

Bach-Blütentherapie

Keine Phytotherapie im eigentlichen Sinn. Für den englischen Arzt Edward Bach (1886-1936) war Krankheit die Folge von Charakterschwäche, genauer: von 38 negativen Seelenzuständen wie etwa Hass oder Stolz. Diesen wies er in rätselhafter Weise 38 Pflanzen zu, deren Blütenpräparate per Energieübertragung heilen sollen. Bach-Blütenzubereitungen gibt es in kleinen Flakons zu großen Preisen; in Studien wirkten sie exakt so gut wie Plazebos. Unbeirrbare Fans behandeln jedoch sogar ihre Hunde damit.

Droge

Pharmazeutischer Begriff für getrocknete Arzneipflanzen oder Pflanzenteile. Unterschieden werden Bulbus (Zwiebel), Cortex (Rinde), Flores (Blüten), Folia (Blatt), Fructus (Früchte), Herba (Kraut: Blatt, Blüte und Stängel), Lichen (Flechten), Lignum (Holz), Radix (Wurzel), Rhizoma (Wurzelstock), Semen (Samen). Nicht zu verwechseln mit dem umgangssprachlichen Wort für Rauschmittel.

Drogen-Extrakt-Verhältnis (DEV)

Wichtige Kenngröße für die Qualität standardisierter pflanzlicher Arzneimittel. Das DEV gibt an, wie viel Droge zur Herstellung des Extraktes benötigt wurde. Beispiel Baldrianpräparat: "1 Dragee enthält 100 mg Extr. Valerianae e rad. spir. siccs (3-6:1), Auszugsmittel 70% Ethanol." Das bedeutet, dass ein Dragee 100 mg Baldrianwurzel-Trockenextrakt enthält, der mit 70-prozentigem Ethanol hergestellt worden ist und bei dem ein Teil Extrakt drei bis sechs Teilen Droge entspricht (100 mg Extrakt entsprechen damit 300 bis 600 mg Droge). Ein normiertes Präparat fügt hinzu, wie viel Gramm des Hauptwirkungsstoffes gewährleistet wird. Arzneimittel ohne DEV-Angabe sind wenig verlässlich.

Extrakt

Basis der meisten rationalen Phythopharmaka sind Extrakte: konzentrierte Pflanzenauszüge, die durch Lösungsmittel wie Aceton, Methanol oder Ethanol gewonnen werden. Flüssigextrakte nennt man auch Fluide oder Tinkturen, aus Trockenextrakten (Siccum) werden Tabletten hergestellt.

Hildegard-Medizin

Um es mit den Worten Schwester Scholasticas von der Abtei der Heiligen Hildegard bei Rüdesheim zu sagen: Es gibt keine Hildegard-von-Bingen-Medizin. Zwar beschrieb die Benediktiner-Äbtissin (1098-1179) in ihrer "Physica" das volksmedizinische Wissen des Mittelalters, ihre Empfehlungen sind jedoch stark mystisch-religiös geprägt ("Spitzwegerich befreit von angezauberter Liebe") und zum Teil gefährlich (hochgiftiger Schwarzer Nieswurz gegen Gicht). 100 Prozent wirksam ist nur ihr Name als Werbeträger für allerlei traditionelle Kräutermittel.

Kamille

Die Blüten der Echten Kamille (Matricaria chamomilla) gelten seit dem 16. Jahrhundert als eine der wichtigsten Arzneidrogen Europas. Ihre ätherischen Öle und Flavonoide wirken nachweislich wundheilend bei Hautverletzungen (am besten als Fluidextrakt), krampflösend bei Magen-Darm-Beschwerden (Tee-Aufguss: 4-mal täglich eine Tasse siedendes Wasser auf einen Esslöffel Blüten, 10 Minuten ziehen lassen) sowie entzündungshemmend bei Atemwegserkrankungen wie Schnupfen (Gurgeln, Dampfbad oder Inhalation mit alkoholisch-wässrigem Extrakt in Wasser gelöst.

Kava-Kava

Extrakte des Kava-Kava-Wurzelstocks wurden jahrzehntelang erfolgreich gegen Angststörungen eingesetzt. Im Juni 2002 zog das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nach einzelnen Todesfällen wegen Leberversagens die Zulassung zurück. Eine überzogene Reaktion, meinen viele Ärzte und Patienten, die auf verschreibungspflichtige chemisch-synthetische Mittel mit stärkeren Nebenwirkungen ausweichen mussten. Nicht nachvollziehbar ist für sie, warum für Kava-Kava nicht auch eine ärztliche Verschreibungspflicht eingeführt wurde.

Knoblauch

Das Zwiebelgewächs, Allium sativum, enthält den Wirkstoff Alliin. Schon die ägyptischen Pyramiden-Erbauer sollen Knoblauch gegessen haben, um sich vor Krankheiten zu schützen - vermutlich wegen der antibakteriellen Wirkung frischer Zwiebeln. Täglich 4 Gramm frischer Zehen oder Tabletten aus 900 Milligramm gefriergetrocknetem Pulver können den Cholesterinspiegel mäßig senken und wirken so womöglich präventiv gegen Gefäßveränderung (Arteriosklerose).

Misteln

Mistelkraut kann keinen Krebs heilen. In Deutschland sind zahlreiche Mistelpräparate als ergänzende Behandlung bei bestimmten Tumoren zugelassen. Studien geben Hinweise, Mistel-Lektine könnten das Allgemeinbefinden verbessern, Appetit, Gewicht, physische und psychische Form steigern sowie Schmerzen und Infektanfälligkeit verringern. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist zumindest problematisch, die Nebenwirkungen sind signifikant. Bei Leukämie und primären Hirn- und Rückenmarkstumoren könnten Mistelextrakte sogar kontraproduktiv wirken. Grundsätzlich fehlt es bislang an hochwertigen Untersuchungen. Zu unterscheiden ist zudem die phytochemische von der anthroposophischen Misteltherapie, die ideologisch begründet ist.

Pflanzliches Kombinationspräparat

Arzneimittel aus mehreren pflanzlichen Wirkstoffen oder Pflanzenextrakten, die gemeinsam besser wirken als die Summe der Einzelnen. Bekanntes Beispiel: Das Sinusitis-Medikament Sinupret enthält Enzianwurzel, Primel- und Holunderblüten, Gartensauerampfer- und Eisenkraut.

Pflanzliches Monopräparat

Arzneimittel mit dem Wirkstoff einer Pflanze oder eines Pflanzenextraktes. Träger- oder Farbstoffe zählen nicht als Wirkstoffe. Bekanntes Beispiel: Der Ginkgo-Spezialextrakt Tebonin hilft gegen altersbedingte Gehirnleistungsstörungen wie Gedächtnisausfall.

Rationale Phytopharmaka

Pflanzliche Arzneimittel, die in klinischen Studien bewiesen haben, dass sie spezielle Krankheiten lindern oder heilen, nennt man rational ( Wirksamkeitsnachweise). Extrakte ( Extrakte) aus folgenden Heilpflanzen sind in Apotheken erhältlich (eine Auswahl): Baldrianwurzel (Valeriana officinalis) - bei Nervosität, Schlaflosigkeit, Efeu (Hedera helix) - gegen Katarre der Luftwege, Ginkgo (Ginkgo biloba) - bei Demenz, Tinnitus, Goldrute (Solidago virgaurea) - bei Harnwegsinfektionen, Johanniskraut (Hypericum perforatum) - gegen Depressionen, Kamille (Matricaria chamomilla) - gegen Hautentzündungen, Magen-Darm-Erkrankungen, Kampfer (Cinnamomum camphora) - bei Kreislaufstörungen, Keuschlamm (Vitex agnus castus) - bei Menstruationsbeschwerden, Pfefferminze (Mentha x piperita) - bei Bauchschmerzen bzw. Öl gegen Kopfschmerz, Primelkombinationen (Primula veris) - gegen Sinusitis, Rosskastanie (Aesculus hippocastum) - bei Venenleiden, Sägepalme (Sabal serrulata) - bei gutartiger Prostatavergrößerung, Thymian (Thymus sp.) - Bronchitis, Traubensilberkerzenwurzel (Cimicifuga racemosa) - gegen Wechseljahresbeschwerden, Weidenrinde (Salix sp.) - gegen Fieber, Schmerzen, Weißdornblätter (Crataegus sp.) - bei Herzschwäche. Seit dem 1. Januar 2004 tragen gesetzliche Krankenkassen die Kosten für nicht verschreibungspflichtige rationale Phytos nur noch in Ausnahmefällen.

Salbei

Salvia officinalis kam mit den Römern nach Mitteleuropa. Gurgelwasser aus dem Tee seiner Blätter oder als verwässerter Extrakt lindern Entzündungen von Zahnfleisch, Rachen und Hals. Wer nachts übermäßig schwitzt: zwei Stunden vor dem Zubettgehen eine Tasse Tee trinken (3 Teelöffel Droge auf eine Tasse siedendes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen). Alkoholische Extrakte sind für Schwangere nicht geeignet und sollten generell nicht länger als vier Wochen eingenommen werden.

Teebaumöl

Das ätherische Öl des Melaleuca-alternifolia-Baumes ist in Deutschland bislang nur als Kosmetikum und nicht als Arzneimittel zugelassen. Dermatologen empfehlen es zur Therapie von Hautkrankheiten wie Akne, Warzen, Herpes oder bei Muskelzerrungen - allerdings nur in hochwertiger Apothekenqualität (Australischer Standard 2782-1985 oder Internationaler Standard ISO 4730). Vorsicht vor Fälschungen (z. B. Öl aus anderen Melaleuca-Unterarten); Allergiker sollten das Öl behutsam testen.

Thymian

Auch beim Thymus vulgaris sind die ätherischen Öle die heilenden Inhaltsstoffe. Als Tee, Sirup oder Fluidextrakt für Dämpfe hemmt Thymiankraut bei Katarren der oberen Atemwege und Husten die krankheitserregenden Keime und fördert gleichzeitig den Schleimabtransport. In der Volksmedizin regt Thymiantee den Appetit an, medizinisches Thymianbade- und Massageöl lindert es rheumatische Beschwerden.

Wirksamkeitsnachweis

Nur Arzneimittel, die bei klinischen Studien mit Patienten besser abschneiden als ein Placebo, gelten als medizinisch wirksam. Vorher werden sie pharmazeutisch auf ihre Qualität und Sicherheit geprüft, dann erfolgt ein Toxizitäts-Test am Tier und als vorletzte Hürde eine Verträglichkeitsstudie mit gesunden Personen.

Zitronenmelisse

Ihr ätherisches Öl wirkt beruhigend bei Bauch- und Unterleibsschmerzen und Einschlafstörungen - vor allem als alkoholischer Extrakt in Wasser oder als Arzneitee. Kombinationen mit anderen beruhigenden Drogen wie Baldrianwurzel oder Passionsblumenkraut können sinnvoll sein. Fertigarzneimittel aus dem Melissen-Inhaltsstoff Rosmarinsäure heilen Herpesbläschen.

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