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KOMMUNEN: Porsche, Daimler und der Fiskus

Wann zahlen Unternehmen Steuern? Eine Diskussion, die seit langem die Stammtische beschäftigt, ist in den vergangenen Tagen neu entflammt.

Verantwortlich dafür sind Hilferufe der Kommunen, die nach der neuesten Steuerschätzung mit weiter sinkenden Einnahmen rechnen. Die zuständigen Verbände werfen mit Fachbegriffen um sich, die zwar das komplizierte deutsche Steuerrecht widerspiegeln, aber kaum Aufklärung darüber schaffen, warum manche Firmen gute Kunden des Fiskus' sind, andere aber nicht.

Kapitalgesellschaften zahlen Gewerbesteuern

Eine Kapitalgesellschaft, also zum Beispiel eine Aktiengesellschaft oder GmbH, zahlt auf ihre Gewinne 25 Prozent Körperschaftssteuer, die dem Bund und dem jeweiligen Land zufließen, und etwa 13 Prozent Gewerbesteuer, die für die Kommunen bestimmt ist. Allerdings dürfen die Städte und Gemeinden einen Teil davon, die so genannte Gewerbesteuerumlage, nicht behalten.

Personengesellschaften dagegen kaum

Etwas anders sieht es für Personengesellschaften aus, einer Rechtsform, die vor allem kleine Unternehmen wählen. Dort zahlen die Eigentümer auf ihren Gewinn Einkommensteuer, von der aber nur ein kleiner Teil für die Kommunen bestimmt ist. Anders als die Körperschaftsteuer ist die Einkommensteuer gestaffelt - bis zum Spitzensteuersatz von 48,5 Prozent. Damit diese Firmen nicht verhältnismäßig mehr Steuern zahlen, können sie ihre Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer anrechnen lassen. Oder sie nutzen Freibeträge und zahlen gar keine Gewerbesteuer.

Verluste können verrechnet werden

Große Unternehmen haben andere Möglichkeiten, um Gewerbesteuer zu sparen. Zum einen können sie Verluste aus früheren Geschäftsjahren mit späteren Gewinnen verrechnen. Zum anderen können Gewinne und Verluste innerhalb eines Unternehmensverbunds mit verschiedenen Töchtern, einer so genannten Organschaft, sich gegenseitig aufheben. Diese Regelung ist durch die letzte Steuerreform erleichtert worden. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall zahlt daher an ihrem Unternehmenssitz erstmal keine Gewerbesteuer mehr. Ihre Gewinne werden steuerlich durch Verluste anderer Firmen im genossenschaftlichen Finanzverbund ausgeglichen.

Nur ein Fünftel der Betriebe zahlt

Insgesamt zahlt nach Schätzungen der Industrie- und Handelskammern (IHK) nur ein Fünftel der Betriebe Gewerbesteuer. Wer das ist, sollte eigentlich geheim sein. »Es gibt aber Unternehmen, die dies aktiv als Marketing-Instrument einsetzen«, sagt Susanne Herre, Steuerexpertin bei der IHK Region Stuttgart. Ein Beispiel ist der Sportwagen- Hersteller Porsche: Vorstandschef Wendelin Wiedeking posaunt gern heraus, dass sein erfolgsverwöhntes Unternehmen in Stuttgart die meisten Gewerbesteuern zahlt.

Liste machte die Runde

Eine Liste mit Steuervorauszahlungen für 2001, die vor kurzem aus der Finanzabteilung der Stadt an die Öffentlichkeit gelangte, gibt ihm Recht. Das größte deutsche Unternehmen DaimlerChrysler - ebenfalls mit Sitz in Stuttgart - taucht dort hingegen nicht auf. Mit einer ungewöhnlichen Ausnahme: Der DaimlerChrysler Holding (Austria) GmbH, einer deutschen Dachgesellschaft für Aktivitäten in Österreich, auf Platz 27. Sie gehört nicht zur Organschaft des Autokonzerns und zahlt daher eigene Gewerbesteuern.

Übergangsregeln nicht mehr durchschaubar

Sowohl die sinkenden Gewinne der Unternehmen während der Wirtschaftskrise als auch die diversen Schlupflöcher können also eine Rolle spielen, wenn die Steuereinnahmen von Städten und Gemeinden zurückgehen. Und jede Änderung der Paragrafen, die keine radikale Reform des Steuersystems mit sich bringt, macht alles noch komplizierter: »Die Übergangsregelungen sind fast nicht mehr überschaubar«, meint Joachim Dieterlen, Steuerberater beim Wirtschaftsprüfer Ernst & Young.