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28. November 2008, 11:03 Uhr

Elke Heidenreich liest im Internet

Lange wurde gerätselt, wo sie wohl bleiben wird, heute gibt sie es bekannt: Elke Heidenreich, kürzlich vom ZDF gefeuerte Moderatorin der Buchsendung "Lesen!", wird demnächst ihre Literaturempfehlungen im Internet veröffentlichen. Von Kathrin Buchner

 
Elke Heidenreich,

Jetzt hat sie ein neues Zuhause: Nicht mehr im Fernsehen, sondern im Internet wird Elke Heidenreich jetzt ihre Sendung "Lesen!" machen© Katja Lenz/DDP

Sie hat es tatsächlich getan - dem konventionellen Fernsehen kehrt sie den Rücken, ihre neue Heimat ist im Internet: Elke Heidenreich, die im Oktober vom ZDF gefeuert wurde, ist mit ihrer Literatursendung "Lesen!" ab sofort auf der Onlineplattform "litcolony.de" zu sehen. Diese Seite ist ein neues Literaturportal, das aus dem Literaturfestival "lit.Cologne" hervorgegangen ist. Das Festival findet seit 2000 in Köln statt.

"Wir haben ein besonderes Verhältnis zu Elke Heidenreich. Sie gehörte zu den ersten, denen wir im Jahre 2000 von unserem Literaturfestival erzählen haben. Sie ist Patin der ersten Stunde und hat wesentlich dazu beigetragen, dass die 'lit.Cologne' das größte Festival in Europa wurde", sagt Rainer Osnowski, Geschäftsführer von "lit.Cologne". Schon bevor das ZDF die Zusammenarbeit mit Heidenreich beendete, hätte "lit.Cologne" ihr einen Platz auf deren neuer Homepage "litcolony" angeboten. "Wir waren nicht nur die ersten, sondern auch die mit Vertrauensvorschuss", erklärt Osnowski die Entscheidung Heidenreichs.

Campino ist erster Studiogast des Web-Formats

Bis 2009 sind mindestens 14 Sendungen geplant. Das Konzept bleibt bestehen. Allerdings hat sich der Ort verändert. Nicht im Sendestudio, sondern in Heidenreichs Kölner Lieblingskneipe, dem "Backes - Zentrum fürs Wesentliche" wurde aufgezeichnet. Erster Studiogast ist Campino, Sänger der Toten Hosen. "Ich habe jede Sendung im ZDF verfolgt - Elke Heidenreich war noch nie so locker wie hier, als ob sie von Fesseln befreit wäre. Sie hat sich die Zeit genommen, die sie brauchte", so Osnowski. Genau 28 Minuten lang ist das erste Webformat von "Lesen!" geworden - obwohl es keine Formatvorgaben gab, entspricht die Länge dem Umfang der im ZDF ausgestrahlten Sendungen.

Obwohl es wohl das prominenteste Format auf "litcolony.de" ist, soll es nur eins von mehreren sein. Denn die privaten Betreiber haben 500.000 Euro investiert, um die bisher lediglich als Service für den Kartenverkauf dienende Seite in ein umfassendes Literaturportal im Netz umzugestalten. Kein kommerzielles Interesse stünde dahinter, sondern sie seien alle Überzeugungstäter "mit Leidenschaft und Begeisterung". Fürs Frühjahr sei auch noch eine Community geplant. "Wir wollen den Erfolg der 'litcologne' ins Netz verlängern", so Osnowski. Die Strategie wird Autor Roger Willemsen erklären, einer der Paten des neuen Web-Auftritts. Es wird weitere TV-Formate geben, "Warum Bücherlesen gefährlich ist" mit Cordula Stratmann. Unter dem Titel "Durchlesene Nächte" gibt es Gespräche mit bekannten Literaten und Publizisten wie Sven Regener, Frank Schätzing, Karen Duve oder Dieter Moor.

Nach Schauspieler Christian Ulmen, der eine Weiterführung des auf ProSieben gekippten Sendeformats "Mein neuer Freund" auf seinem eigenen Seite "ulmen.tv" veröffentlicht, ist Heidenreich eine weitere prominente TV-Persönlichkeit, das dem konventionellen Fernsehen den Rücken kehrt. Ein Nachfolger für Heidenreich beim ZDF ist bisher noch nicht gefunden.

Von Kathrin Buchner
 
 
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