Gespräch bei Republica
Mann 160.000, Frau 15.000 Euro: Diese Aussagen sorgen für Irritationen

Mareice Kaiser und Hanno Sauer auf der Konferenz Republica in Berlin
Die Autoren Mareice Kaiser und Hanno Sauer mit Moderatorin Geraldine de Bastion (Mitte) auf der Konferenz Republica in Berlin
© www.youtube.com/@republica

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In Deutschland gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: Über Geld spricht man nicht. Zwei Autoren taten es auf der Medienkonferenz Republica dennoch – und entfachten eine wilde Debatte.

„Unsichtbare Ordnung? Was Klasse heute bedeutet“ lautete der Titel einer Podiumsdiskussion, die am Montag auf der Medienkonferenz Republica in Berlin abgehalten wurde. Eingeladen waren die Journalistin und Autorin Mareice Kaiser sowie der Philosoph Hanno Sauer, der an der Universität Utrecht Ethik lehrt. Beide haben Bücher über Klassismus und Ungleichheit geschrieben – blicken auf das Thema allerdings aus ganz verschiedenen Richtungen, wie gleich bei der ersten Frage deutlich wurde.

Moderatorin Geraldine de Bastion wollte von den beiden wissen, was sie dazu motiviert hat, ihre Bücher zu verfassen. „Weil ich es kann. Und weil ich Geld brauche“, antwortete Kaiser zunächst, schränkte dann aber ein, das sei jedoch nicht die beste Ertragsquelle. Es sei immer sein Lebenstraum gewesen, ein Buch zu schreiben, bekannte Philosoph Sauer, der seiner Vorrednerin in einem Punkt zustimmte: „Du hast richtig gesagt: Besonders lukrativ ist es in der Regel nicht.“ 

Das brachte Mareice Kaiser zu dem Vorschlag, doch einmal die Vorschüsse zu vergleichen, die beide für ihre Bücher bekommen haben. Ein kühnes Manöver – über Geld spricht man in Deutschland bekanntlich nur ungern, schon gar nicht in der Verlagsbranche. Damit hatte sie Sauer auf dem falschen Fuß erwischt. Der fragte unsicher: „Sollen wir?“ Und gleich noch einmal hinterher: „Sollen wir?“
„Dafür bin ich hier“, insistierte Kaiser. 

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Also machte Sauer den Anfang und nannte die Summe: 160.000 Euro. Schon da stockte vielen im Saal der Atem. 160.000 Euro – das soll nicht „lukrativ“ sein? Sie selbst habe 15.000 Euro bekommen, erwiderte Kaiser. „Ich habe noch nie in meinem ganzen Leben 160.000 Euro für irgendwas bekommen“, bekannte die Autorin. „Noch nie in meinem ganzen Leben.“ Für Sauer schien diese Summe kein großes Ding zu sein, er habe schon „des Öfteren“ so viel Geld kassiert, wie er betonte.

„Schnöselhaftes Arschlochgehabe als performative Selbstkritik“

Mareice Kaiser schien diese Haltung zu verärgern. Überhaupt habe sie ein Problem mit vermögenden Menschen, wie sie durchblicken ließ. Sie wolle nicht mehr zu dieser Gruppe gehören, sagte sie. Das einzusehen, habe allerdings etwas gedauert, „so lange, bis ich reiche Menschen kennengelernt habe“. Dieser feindlichen Grundhaltung entsprechend arbeitete sie sich nun an Hanno Sauer ab und hielt ihm seine in einem früheren Podcast getätigte Aussage vor, er habe über Klasse von oben schreiben wollen. Es sei eine literarische Pose, „das schnöselhafte Arschlochgehabe als performative Selbstkritik vorzuführen“, erklärte der Philosoph seine Herangehensweise. Und fügte hinzu: „Hat gut funktioniert.“ 

Es fühle sich nicht ganz so „gagig“ an, wenn man das von unten hört, wandte Kaiser ein und versuchte nun, das Publikum aufzuwiegeln. Mehrfach forderte sie die Zuschauer auf, für ihre Wortbeiträge zu klatschen. 

Spätestens an dieser Stelle wurde klar, dass ein konstruktives Gespräch nicht möglich sein würde. Der Nachhall des Podiums war dafür umso größer. Insbesondere der große Unterschied bei den Vorschüssen sorgt für Irritationen in den sozialen Medien.

Mareice Kaiser unterstellte zu Beginn der Debatte, dass man als „weißer Mann“ automatisch mehr Geld bekomme. Doch diese ungleichen Vorschüsse sind kein Beispiel für den viel zitierten Gender-Pay-Gap. Denn Sauer ist ein erfolgreicher Autor, sein Buch „Klasse. Die Entstehung von Oben und Unten“ ein Bestseller. Und auch wenn Mareice Kaisers 15.000 Euro im Vergleich dazu gering erscheinen – viele Autoren in Deutschland wären glücklich, wenn sie so viel Geld für ein Buch bekämen. 

Hanno Sauer erläutert Republica-Aussage

Auf X präzisierte Hanno Sauer am Mittwoch noch einmal seine Angaben. Den Vorschuss von 160.000 Euro habe er für seine ersten beiden Bücher zusammen bekommen, 110.000 Euro für sein erstes Buch „Moral. Die Erfindung von Gut und Böse“, das 2023 erschienen ist und 50.000 Euro für ein zum damaligen Zeitpunkt noch nicht benanntes zweites Buch, das dann „Klasse. Die Entstehung von Oben und Unten“ werden sollte. Laut Sauer hat der Verlag damit „eine sehr gute Entscheidung getroffen“, denn vor allem mit den Auslandsverkäufen seien die Vorschüsse „längst eingespielt“.

Am Donnerstag kündigte Sauer dann auf X an: „Mein nächstes Buch handelt von Israel/Palästina, ich bin diese Kontroversen einfach leid.“ Bei allen Anfeindungen der vergangenen Tage: Seinen Humor hat er offenbar nicht verloren.