. .
Bücher - Rezensionen und Neuheiten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
4. März 2009, 18:30 Uhr

Unter Trümmern verborgene Schätze

Der Versicherungswert der im eingestürzten Kölner Stadtarchiv gelagerten Objekte beträgt 400 Millionen Euro. Doch was besagt schon der materielle Wert? Das Archiv beherbergte unschätzbare Dokumente aus mehr als 1000 Jahren Geschichte. Eine Bestandsaufnahme. Von Carsten Heidböhmer

Köln, Stadtarchiv, historisches, Severinstraße, Einsturz, Südstadt

Das Kölner Stadtarchiv: Hier schlummerten unermessliche Schätze, die Auskunft über die Geschichte der letzten 1000 Jahre geben© Picture-Alliance

"So entstand im Laufe der Jahrhunderte für die schriftliche Hinterlassenschaft Kölns das größte deutsche Stadtarchiv, das von allen Katastrophen verschont blieb". Diese Worte des Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma aus einer 2004 gehaltenen Rede haben seit gestern Nachmittag nicht mehr Bestand. Denn der Super-Gau ist eingetreten: Das Kölner Stadtarchiv stürzte aus bislang noch ungeklärten Ursachen ein und begrub unter sich Dokumente von unschätzbarem Wert.

Nach Aussage des Kölner Kulturdezernenten Professor Georg Quander handelt es sich um das größte und vollständigste kommunale Archiv nördlich der Alpen. Allein den Versicherungswert der Archivalien beziffert er auf 400 Millionen Euro. Der ideelle Wert sei jedoch noch höher anzusetzen, sagte Quander auf einer Pressekonferenz in Köln. "Es handelt sich um das Gedächtnis des gesamten Rheinlandes und weit darüber hinaus."

Mehr als 1000 Jahre Geschichte

Die Objekte in dem Bau an der Severinstraße reichen bis ins Hochmittelalter zurück, mehr als 1000 Jahre umfasst das kulturelle Gedächtnis der Sammelstelle. Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 922. Kaiserliche Bullen aus dem 10. und 11. Jahrhundert, die in der damaligen Zeit den Rang eines Reichsgesetzes hatten, künden von der deutschen Geschichte und dem Heiligen Römischen Reich.

Stadtgeschichtlich von höchster Bedeutung ist der Verbundbrief aus dem Jahr 1396, der die städtische Verfassung bildete. Ein einzigartiges Dokument, das die Machtübernahme der sogenannten Gaffeln besiegelte, einem Zusammenschluss von Genossenschaften der Kaufleute und Handwerkerzünften. Diese Verfassung bildete rund 400 Jahre lang das Fundament des Lebens in der Domstadt, bis die französische Besetzung des Rheinlandes 1794 der Freien Reichsstadt ein jähes Ende bereitete.

Einzigartig sind auch die lückenlosen Ratsprotokolle, die vom 13. bis ins 19. Jahrhundert reichen. Die zahlreichen Dokumente zur Geschichte der Hanse, zu deren frühesten Mitgliedern die Stadt Köln gehörte, sind darüber hinaus für den gesamten nordeuropäischen Raum von Belang.

Wertvoller Kommentar von Albertus Magnus

Allein der Kommentar des mittelalterlichen Gelehrten Albertus Magnus zum Matthäusevangelium besitzt einen Versicherungswert von vier Millionen Euro. Überhaupt schlummern zahlreiche kirchlich bedeutsame Unterlagen in den eingestürzten Räumen des Stadtarchivs, die Geschichte des Kölner Doms und des Erzbistums betreffend.

  zurück
1 2
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Katastrophe von Köln Retter arbeiten sich zügig durch Trümmer

Bergungsarbeiten unter Lebensgefahr: Rund 150 Helfern ist es in der Nacht gelungen, die Überreste eines Nachbarhauses des eingestürzten Kölner Stadtarchivs wegzuräumen. Die Suche nach den zwei Vermissten kann wohl noch am Abend beginnen - ihre Überlebenschancen sind allerdings äußerst gering. mehr...

Einsturz des Stadtarchivs Köln sucht nach Opfern und Ursachen

Noch will es niemand offen aussprechen, doch die Hinweise verdichten sich, dass der nahegelegene Bau einer U-Bahn den Einsturz des Kölner Stadtarchivs verursacht hat. Ein Baustopp kommt für die Verkehrsbetriebe dennoch nicht in Frage: Es bestehe keine Gefahr. Zwei Anwohner werden immer noch vermisst. mehr...

Das Unglück von Köln Retter kämpfen sich durch die Trümmer

Noch zwei Vermisste: Am Tag nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs versuchen Rettungskräfte weiter, mögliche Verschüttete zu finden. Doch die Bergungsarbeiten sind riskant, da die Unglücksstelle einsturzgefährdet ist. Immerhin: Einige der unersetzlichen Dokumente wurden gerettet. mehr...

Häuserkollaps in Köln "Was hätte alles passieren können"

Noch immer werden Menschen vermisst, Historiker machen sich große Sorgen um die wertvollen Dokumente, doch am Abend eines Schreckenstages in der Kölner Südstadt wird deutlich: Die ganz große Katastrophe ist beim Einsturz des Historischen Stadtarchivs ausgeblieben. Immer mehr deutet darauf hin, dass der nahe U-Bahn-Bau das Unglück ausgelöst hat. mehr...

Das Unglück von Köln "Gedächtnis der Stadt" ausgelöscht

Nach dem schweren Unglück in Köln gibt es harte Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung: Der Einsturz des Stadtarchivs sei absehbar gewesen, sagt ein Mitarbeiter. Die Unglücksstelle gleicht einer Trümmerwüste, drei Personen werden derzeit noch vermisst. Unschätzbare Kulturschätze dürften für immer verloren sein. mehr...

 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (8/2012)
Whitney Houston