Seit mehr als fünf Jahren sind Ulrike Folkerts und Katharina Schnitzler ein Paar. Zum ersten Mal sprechen die Schauspielerin und die Malerin gemeinsam über ihre Liebe - und über die Arbeit an ihrem Buch, das der Frage nachgeht: Was macht uns glücklich? Von Irmgard Hochreither

Blickkontakt: Auf Anhieb verliebte sich "Tatort"-Kommissarin Ulrike Folkerts, 47, in Katharina Schnitzler, 45© Andreas Mühe
Katharina Schnitzler: Wir sind uns bei einer meiner Ausstellungen begegnet.
Ulrike Folkerts: Ich habe sie lachen gesehen.
Folkerts: Ich bin wirklich nicht der Typ, der ganz schnell offensiv auf Menschen zugeht. Aber ich dachte, ich muss jetzt unbedingt in die Puschen kommen, wenn ich die Frau noch mal wiedersehen will. Nach zwei, drei Stunden Beobachtung war ich mir sicher, ich kann den Schritt wagen. Da hatte ich schon ein paar Signale von ihr, dass sie mich nicht abweisen würde.
Folkerts: Hallo, ich bin Ulrike, und wer
bist du? Wir haben zwei Stunden intensiv
gequatscht. Ich weiß heute nicht mehr,
worüber. Dann hatte ich die Telefonnummer,
und alles nahm seinen Lauf.
Schnitzler: Es ist doch fast immer so,
wenn man sich verliebt. Irgendetwas zieht
einen magisch an, auch wenn man gar
nicht genau weiß, warum. Es ist ein großes
Glück, wenn man sich so gut versteht wie
wir beide. Ich empfinde es auch als Bereicherung,
dass jede von uns ihren eigenen
Kopf hat.
Folkerts: Bei uns gibt es schon einen großen Bereich an Gemeinsamkeiten. Auch wenn es um ganz banales Zeug geht. Ich zum Beispiel bin gerne pünktlich. Wenn ich mit jemandem zusammenlebe, der immer alles auf den letzten Drücker macht, ist das ein Desaster für die Beziehung. Wir beide sind grundsätzlich eine halbe Stunde zu früh am Bahnsteig. Immer. Dann gucken wir uns an und lachen uns tot, dass wir uns wieder mal die Beine in den Bauch stehen. Eine kleine Facette, aber es ist so angenehm, diese täglichen Stressmomente zu minimieren.
Folkerts: Jetzt kommt eine Lobhudelei.
Katharina ist eine wunderschöne Frau mit
einer wahnsinnig positiven Ausstrahlung. Sie kann jeden sofort mitreißen und
begeistern, ist sehr tolerant, fürsorglich
und geht supergut mit meinem Job um.
Meine Bekanntheit geht ihr zum Glück am
Arsch vorbei. Wir vergessen sie beide. Ich
habe wirklich einen Glückstreffer gelandet.
Katharina ist ein Geschenk.
Schnitzler: Da knüpfe ich gleich an.
Ulrike ist Ulrike. Ich kenne diese berühmte
Schauspielerin, aber sie sitzt nie bei mir am
Küchentisch. Das finde ich genial. Sie ist
sehr menschlich, hilfsbereit, kreativ, superkomisch
- und einfach liebenswert.
Schnitzler: Als wir uns kennenlernten, besaß ich gar keinen Fernseher. Ich wusste, dass sie wohl irgendwie bekannt sein muss, aber dass sie die berühmte "Tatort"-Kommissarin ist, war mir nicht klar.
Folkerts: Eigentlich nicht. Es ging uns
darum, die Glücksmomente im Alltag einzufangen.
Der Frage nachzugehen: Was
macht uns glücklich? Und warum? Für
mich ist Glück ein Mosaik, das sich aus
vielen Steinchen zusammensetzt. Musik
hören, kreative Arbeit, ein Abend im Kreis
enger Freunde oder das Erlebnis, mitten
im Meer plötzlich auf eine riesige Delfinschule
zu treffen und mit den Tieren zu
schwimmen. Andere finden ihr Glück
vielleicht bei der Antifaltenbehandlung.
Oder beim Kauf einer neuen Handtasche.
Das Buch ist das Ergebnis von drei Jahren
Arbeit.
Schnitzler: Natürlich hat es sehr viel
mit uns zu tun. Wir wollten kein Besserwisserbuch
schreiben, sondern uns an die
Wurzeln der Glücksgefühle herantasten.
Es sollte vor allem ehrlich sein, wir wollten
antastbar bleiben. Deshalb
gibt es auch zwei düstere
Kapitel, weil es uns ebenfalls
wichtig war, die Abwesenheit
von Glück anzuschauen.
Ulrike hat geschrieben,
und ich habe
die Fotos und Zeichnungen
gemacht.
Folkerts: Katharina ist die Urheberin.
Bei mir hat die Idee nicht gleich gezündet,
ich brauchte eine Weile, um zu verstehen,
was sie meint. Doch schließlich hat mich
ihre Begeisterung mitgerissen.
Schnitzler: Die Idee zu dem Buch kam
mir in einer Situation, als ich mich völlig
ausgelaugt fühlte. Ich hatte plötzlich das
Gefühl, mir sei das Glück abhandengekommen.
Ulrike war beim Drehen. Ich
habe mich mit einem Glas Wein auf unseren
Balkon gesetzt und schaute zu, wie
die Farbe des Himmels sich langsam veränderte,
von Blau über Dunkelblau bis zu
einem fast schwarzen Nachtblau. Es sah
wunderschön aus. Ich habe meine Kamera
geholt und Bilder gemacht. Plötzlich kam
mir der Satz in den Sinn: Vor Glück mit
den nackten Füßen durch den blauen
Himmel laufen. So wie man am Strand
langläuft, nur eben andersrum. Die Welt
aus dem Kopfüber-Blickwinkel anschauen.
Das war die Urzelle der Idee.
Folkerts: Das Bild habe ich dann per
E-Mail bekommen. Die Silhouette ihrer
Füße vor dem nachtblauen Himmel.
Folkerts: Weil ich glaube, dass es ein magischer Moment ist, wenn man in einem Stadion vor 70.000 Leuten auftritt.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 40/2008
Das Buch "Glück gefunden" von Ulrike Folkerts (Texte) und Katharina Schnitzler (Bilder und Fotografien), Edition Braus, 234 S., 24,90 Euro