30. August 2012, 07:23 Uhr

Gezeichneter Jazz aus Spanien

Beschwingte, herzergreifende Animation für Erwachsene: Fernando Trueba erzählt die Liebesgeschichte von Chico, dem jungen Jazzpianisten und Rita, einer hochbegabten Sängerin.

Chico & Rita, Jazzpianistin, Animationsmusical, Spanien

Die wunderbar altmodische Liebesgeschichte und der eingängige Jazz bescherte "Chico & Rita" eine Oscar-Nominierung©

Dass Animation im Kino auch abseits von computergenerierten Bildspektakeln und teils fragwürdigen 3D-Gimmicks funktioniert, unterstreicht jetzt ein so bewegender wie einfacher Film: Der Neunzigminüter "Chico & Rita" ist das Gemeinschaftswerk des spanischen Regisseurs Fernando Trueba ("Belle Époque - Saison der Liebe"), des spanischen Zeichners und Designers Javier Mariscal sowie der kubanischen Jazzgröße Bebo Valdés. Der 93-jährige Pianist hat mit seinem Leben nicht nur die Story von "Chico & Rita" inspiriert, von Valdés stammt auch ein Gutteil der Filmmusik. Nach Castros Revolution verließ der in Havanna geborene Künstler seine Heimat, um drei Jahrzehnte später von Trueba in einem Stockholmer Lokal wiederentdeckt zu werden.

Havanna 1948, die kubanische Revolution ist nicht mehr weit: Mit zwei US-Girls ist Chico nachts unterwegs, in einem Club aber lässt sich der junge Pianist von einer Landsfrau und ihrer wunderbaren Stimme verzaubern. Sie lernen sich kennen und lieben, zusammen gewinnen sie einen Musikwettbewerb, und kommen doch nicht recht zueinander. Das Schicksal meint es nicht gut mit Rita und Chico. Sie geht nach New York, wo die große Karriere lockt; und Chico muss ihr nachfolgen, sein Herz lässt ihm keine Ruhe. Das Auf und Ab einer großen, einer unglücklichen Liebe zwischen Havanna, New York und Las Vegas. Dass die Erzählung nie schwermütig wird, liegt an den wunderbaren Bildern und dem kongenialen Jazz, der das Geschehen fast ohne Unterlass begleitet.

"Chico & Rita" ist ein angenehm altmodischer Film: von der einfachen, sehr klassischen und dabei stets ergreifenden Love-Story über die großartigen von heutigen Musikern eingespielten Jazz-Melodien Cole Porters oder Dizzy Gillespies, bis hin zum lässigen Erzähltempo und der ungewöhnlichen Anmutung. Den Bildern des Films sieht man an, dass sie nicht direkt aus dem Computer, sondern wie einst vom Zeichentisch kommen - kein Strich zu viel, liebevolle und charmante Entwürfe voller Esprit. Völlig zu Recht gab es dafür Auszeichnungen, etwa beim Europäischen Filmpreis (Bester Animationsfilm). Vor all den dreidimensionalen Animationsschlagern Made in USA jedenfalls brauchen sich "Chico & Rita" nicht zu verstecken.

Von Matthias von Viereck, DPA
 
 
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