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Interview

Als der "humorlose" de Niro einmal Dustin Hoffman spielen sollte

Zum dritten Mal leiht Dustin Hoffman dem Kung-Fu-Meister Shifu in "Kung Fu Panda" seine Stimme. Lustig sei das allerdings nicht, sagt der Hollywood-Gott. Und dann war da noch so ein Jungschauspieler namens Robert de Niro.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Dustin Hoffman freut sich

Dustin Hoffman und "Kung Fu Panda": "Ich dachte, ich bin im falschen Beruf!"

Dustin Hoffman ist auch am Telefon ein Ereignis: "Sie wollen die Wahrheit? Ich gebe Ihnen die Wahrheit! Als ich Schauspieler werden wollte, habe ich gekellnert und alle möglichen schlimmen Jobs gemacht. Zehn Jahre lang. Und dann kam dieses Vorsprechen für einen Film namens 'Die Reifeprüfung', und ich habe den Part bekommen. Warum? Weil sie sich schon eineinhalb Jahre lang Schauspieler angeguckt haben. Sie mochten mich nicht besonders, aber ihnen war klar, dass da kein anderer mehr kommt. Also dachten sie sich: Ok, nehmen wir den. Die haben das offen zugegeben hinterher." Hoffman kichert glücklicherweise ein bisschen.

Kann er auch, denn nach dieser "Notlösung" wurde der mittlerweile 78-Jährige einer der bedeutendsten Hollywoodstars des 20. Jahrhunderts: "Midnight Cowboy", "Little Big Man", "Straw Dogs", "Papillon", "Die Unbestechlichen", "Der Marathon-Mann", "Kramer gegen Kramer", "Tootsie", "Rain Man", "Wag the Dog"... Jede Figur eine Offenbarung. Jeder Charakter eine Neuentdeckung. Doch als die Rolle eines kleinen roten Pandas um die Ecke kam, ging Hoffman fast in die Knie.

Zum dritten Mal leiht der Ausnahmeschauspieler Meister Shifu in der " Kung Fu Panda"-Reihe seine Stimme, und die Arbeit als Synchronsprecher für Animationen fände er "gar nicht lustig", sagt Hoffman. "Das ist der härteste Job, den ich je hatte. Nach dem ersten Tag bin ich nach Hause gekommen und habe meiner Frau erzählt, wie schlimm es sich angefühlt hat, allein mit einem Mikrofon, ohne andere Schauspieler, nur mit dem Skript und Regisseuren, die sagen: 'Mach' es noch mal, und betone diesmal das und das'. Ich habe mich gefühlt wie in meinem ersten Jahr an der Schauspielschule. Ehrlich! Ich dachte, ich wäre im falschen Beruf!"

Dustin Hoffmans Geheimnis

Normalerweise finde er in seine Rolle, indem er alles weglasse, was nicht der Charakter ist. "Du probierst verschiedene Dinge aus, bis es passt - einen Rhythmus, einen Gang, und wenn es sich nicht richtig anfühlt, dann lässt du es einfach weg, und versuchst etwas anderes." Und woher weiß man, was falsch und was richtig ist? "Bauchgefühl", sagt Hoffman. "Wir analysieren die ganze Zeit unser Leben und uns selbst. In der Kunst sollte man nicht intellektuell entziffern, warum man sich für das eine oder andere entscheidet. Man sollte einfach auf seinen Bauch hören." Und dann gäbe es noch den Popcorn-Test? Den was? "Ich versuche immer, so zu spielen, wie es vorher noch nicht gemacht wurde. Denn ich will nicht, dass im Publikum jemand zu seinem Nachbarn sagt: "Willst du Popcorn?".

Und es gibt noch eine Grundregel: "Tu' nichts, wovon du nicht glaubst dass es authentisch ist! Auch wenn der Regisseur will, dass du es tust!" Ein bekanntes Beispiel für Hoffmans Dickkopf ist das Ende des brutalen Thrillers "Der Marathon-Mann" (1976). Hoffman hatte sich verweigert, als seine Filmfigur Babe einen Nazi-Zahnarzt (Laurence Olivier), der im New York der 70er Jahre seine Holocaust-Beute abholen will, kaltblütig zu erschießen. "Ich wollte mehr sein als das", sagt er. "Ich glaube, der Drehbuchautor hat mir das nie verziehen."

"Robert de Niro hat mich gespielt"

Warum gibt es eigentlich noch keinen Film über das Leben von Dustin Hoffman? Gibt es, sagt er. Naja, fast. "Als Neil Simon, ein erfolgreicher US-Dramatiker, damals gehört hat, unter welchen Umständen ich die Rolle in 'Die Reifeprüfung' bekommen habe, wollte er daraus ein Drehbuch machen. Und das hat er getan. "Bogart slept here" hieß das, und Mike Nichols, der auch 'Die Reifeprüfung' gedreht hat, führte Regie. Für die Hauptrolle haben sie einen unbekannten, jungen Schauspieler engagiert. Der hieß Robert de Niro. Robert de Niro hat mich gespielt!" Hoffman kichert begeistert.

"Nach drei Wochen Dreh rief Nichols mich an und sagte: 'Dieser de Niro hat überhaupt keinen Humor. Spiel' du das bitte.' Aber ich wollte natürlich nicht dafür verantwortlich sein, dass jemand gefeuert wird. Ich habe gesagt 'Ich kann das Drehbuch gern mal lesen.' Danach habe ich zu Nichols gesagt: 'Ich glaube nicht, dass es an de Niro liegt, die Rolle ist einfach nicht lustig.'" Und was ist dann passiert? "Sie haben den Film abgebrochen, und Neil Simon hat das ganze Ding umgeschrieben. Aus der Hauptfigur wurde übrigens eine Frau, und der Titel war "The Good Bye Girl". Es gab einen Oscar dafür."


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