Der beste Bond aller Zeiten

31. Oktober 2012, 19:30 Uhr

Er fällt verdammt tief. Das ist James Bond schon häufiger passiert in den vergangenen 50 Jahren. Doch "Skyfall" feiert die Auferstehung besonders fulminant. Bond hat endlich seinen Bond gefunden. Von Sophie "Moneypenny" Albers

Was ein Lächeln nicht alles auslösen kann! Nach zwei Filmen, in denen Daniel Craigs Bond mit dem Bösen in der Welt, vor allem aber mit sich selbst gerungen hat, scheint er angekommen: bei sich, bei der Geschichte, im Bond-Universum. Letzeres hat bei "Casino Royale" und "Ein Quantum Trost" noch nicht so diamantenklar gefunkelt wie in diesem 23. Bond-Abenteuer "Skyfall", sondern zuweilen sogar ein bisschen vernebelt gewirkt.

Doch nun ist die Sicht klar. Nach der Phase des Zweifelns am grundsätzlichen Konzept der ultimativen Spionage-Kinogeschichte scheint der Weg nun gerade und deutlich vor unserem liebsten Agenten zu liegen. Den Rest schießt er sich eben frei.

Die hübsche Schlägervisage von Daniel Craig

Um keine der Wendungen und glanzvollen Auftritte zu verraten, damit der Kinobesuch so intensiv wie möglich genossen werden kann, nur so viel: M (wieder gnadenlos gut: Judi Dench) wird angegriffen. Cyberterroristen nehmen dafür die Geheimdienste der ganzen Welt ins Visier, und Bond (hart und gut: Craig) feiert Auferstehung, um das Schlimmste zu verhindern. Um die Vergangenheit der Chefin zu klären, stellt er sich sogar der eigenen. Aber das sieht diesmal ein bisschen anders aus als sonst.

Man sieht Craigs Bond - im Rahmen seiner trockenen Möglichkeiten - allen Ernstes entspannt lächeln und Witze reißen. Der Ton von "Skyfall" ist so frisch und verspielt, dass man ganz genau hinhört und zuweilen kaum glauben mag, wie hübsch die zerknirschte Schlägervisage eigentlich aussehen kann. Statt Leiden hat Regisseur Sam Mendes seinem 007 Genießen verordnet. Was nicht heißt, dass der nicht trotzdem angeschossen, verprügelt oder sonstwie in die Mangel genommen wird. Aber er steckt es anders weg. Dieser Schuss Sean Connery tut dem Ganzen sehr gut. Und es gibt noch mehr.

Diesmal ist es persönlich

Mendes, der sich bisher als Regisseur von Independent-Dramen wie "American Beauty" und "Zeiten des Aufruhrs" einen Namen gemacht hat, verleiht dem traditionell ultimativen Jump-and-Run-Action-Kinoerlebnis eine ganz neue Tiefe, die er jedoch in Sekundenschnelle wieder austrocknet, sobald es der Geschichte dient. Hier treffen geniale Charakterrolle und schreiendes Klischee aufeinander, diffuse Andeutung und Facebook-Party, größtes Drama und Schenkelklopfer, düstere Realität und glitzerndes Märchen. Entweder-Oder war gestern. Wie unser reales Leben hat "Skyfall" alles zu bieten.

Wir haben nach 9/11 verstanden, dass Bond an der Welt leiden musste, schließlich haben uns alle Superhelden unserer Kindheit abgrundtief enttäuscht, als sie genau dann ausblieben, als die Türme einstürzten. Aber wir haben mittlerweile auch keine Lust mehr, an der Welt zu verzweifeln, die uns wie ein Blitzkrieg jeden Tag aufs Neue mit grausamen Höhepunkten versorgt. Angst ist keine Antwort. Ruhig bleiben und weitermachen, heißt die ur-britische Devise. Das hat jetzt auch Bond verstanden und den großen Kreis geschlossen. Zurück auf Anfang, in neuer Hoffnung. Der beste Bond aller Zeiten? Nummer 23 geht auf jeden Fall unter die Haut.

P.S. Wenn möglich, sollte man "Skyfall" im Original sehen. Die deutsche Version hat an Atmosphäre eingebüßt.

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