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14. Dezember 2009, 11:41 Uhr

"Klar tickt man manchmal aus"

Das kommt davon, wenn man Talent, Schönheit und jede Menge Ehrgeiz mischt. Ob "Zweiohrküken" oder "Walküre", Matthias Schweighöfer ist mit dabei. Im Interview verrät der 28-Jährige, wie man Karriere mit Familie vereint, was ihm Angst macht, und warum er stolz auf Deutschland ist. Von Sophie Albers

Matthias Schweighöfer, Zwölf Meter ohne Kopf, Zweiohrküken, Friendship, Sophie Albers

Matthias Schweighöfer, 28, über Ehrgeiz, Einsamkeit und den perfekten Schauspieler© Michael Gottschalk/DDP

Herr Schweighöfer, kaum jemand hat in Ihrem Alter schon so viel deutsche Geschichte gespielt: die Störtebeker-Legende, Schiller, der Rote Baron, Operation Walküre, Rainer Langhans, Marcel Reich-Ranicki, Mauerfall. Haben Sie dabei etwas über das Deutschsein gelernt?
Das klingt vielleicht komisch, aber ich finde Filme, die mit Geschichte zu tun haben, haben eine gute Bühne.

Gute Bühne?
14. Jahrhundert, 1782, 1943. Geschichten, die heutzutage spielen, sind auch toll, aber die haben auch viel mit dem eigenen Leben zu tun. Es ist interessant, in eine Zeit zu gehen, die man überhaupt nicht kennt. Wann spielt man in seinem Leben schon mal im 14. Jahrhundert wie in "Zwölf Meter ohne Kopf"? Oder wann hast du schon mal die Chance, eine rote Fokker zu fliegen wie in "Der Rote Baron"?

Und was hat das alles mit dem Deutschsein zu tun?
Die Deutschen haben grobe Fehler gemacht. Doch manchmal habe ich gedacht: Diese kleine Nation aus der Mitte Europas hat so viel Scheiße gebaut, schafft aber auch so viel Gutes und spricht so viel mit in der Welt. Das ist auch eine Leistung. Da kann man eigentlich stolz drauf sein. Ich glaube, die Deutschen sind sehr strebsam und ehrgeizig.

Ist es eigentlich anstrengend, Matthias Schweighöfer zu sein?
Darüber habe ich gerade mit meiner Physiotherapeutin geredet ... Ich hatte mal einen Autounfall, und seitdem renke ich mir immer den Halswirbel aus ...

Was für ein Unfall?
Vor sechs Jahren ungefähr. Ich stand an der Ampel, und mir ist einer mit 60 reingefahren. Ich bin also bei dieser tollen Physiotherapeutin, wir reden, und da habe ich gesagt: "Eigentlich habe ich keine Probleme, aber es ist schon schwieriger geworden. Wo andere sich ganz normal bewegen können, kann ich es nicht mehr. Ich komme vom Arzt, da steht ein Paparazzo auf der Straße, knipst mich und meine Tochter, und dann steht das in der 'Bild'". Aber eigentlich ist es nicht anstrengend, Matthias Schweighöfer zu sein.

Sie haben mal gesagt: "Ich würde für die künstlerische Freiheit alles tun", gilt dieser unbedingte Anspruch noch immer?
Den braucht man in dem Beruf. Das unbedingte Wollen darf nie aufhören, ich brauche den Drang, die Energie, die Kraft, um so unbedingt zu erzählen. Wenn es irgendwann aufhört, ist man an einem ganz langweiligen Punkt in seinem Leben angekommen.

Und merkt es wahrscheinlich nicht einmal.
Dann geht es nur noch um Äußerlichkeiten, ums Geld. Aber das kann irgendwann alles kippen. Deshalb ist die Energie wichtig: nach vorne, nach vorne, nach vorne.

Vor der Kamera In drei Filmen ist Matthias Schweighöfer dieser Tage zu sehen: neben Til Schweiger in "Zweiohrküken", als Pirat in "Zwölf Meter ohne Kopf" und ab Januar in dem Mauerfall-Roadmovie "Friendship". Seit 14 Jahren gehört Matthias Schweighöfer in die erste Reihe der deutschen Kino- und TV-Welt. Er hat mit Tom Cruise "Walküre" gedreht und Marcel Reich-Ranicki gespielt. Einordnen lässt sich der 28-Jährige nicht. Dazu hat er noch zu viel vor. Schweighöfer lebt mit Freundin und Kind in Berlin.

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