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Die junge Halle Berry

Sie sieht aus wie eine junge Halle Berry. Im Thriller "Déjà vu" spielt sie ihre erste Hollywood-Hauptrolle. Paula Patton erzählt im stern.de-Interview wie es ist, mit Stars wie Denzel Washington zu arbeiten und welche Rolle Magie in ihrem Leben spielt.

Frau Patton, die Rolle der Claire Kuchever in "Déjà Vu" ist ihre erste große Filmrolle. Wie war es, mit jemandem wie Denzel Washington zu arbeiten?

Sehr aufregend, ich hätte mir das nicht in meinen kühnsten Träumen vorstellen können, neben Denzel Washington zu spielen. Vor lauter Aufregung hatte ich am Anfang Schmetterlinge im Bauch. Es war ein einzigartiges Erlebnis, denn er ist einer der besten Schauspieler unserer Zeit. Man lernt so viel von ihm. Er hat mir Tipps gegeben. Zum Beispiel, dass man den Charakter, den man spielt, in und auswendig kennen muss. Wenn man dann in eine Szene hineingeht, muss man keine Entscheidungen treffen, sondern hört einfach auf sein Bauchgefühl, das sagt einem, was zu tun ist.

Wie haben Sie reagiert, als Sie erfuhren, dass Sie die Rolle bekommen?

Ich habe alle meine Freunde angerufen, zuerst meine Mutter. Ich weinte, schrie, ich konnte es nicht glaube und hatte gleichzeitig Angst, dass sie mir jemand wegnehmen könnte. Es war ein sehr langer Castingprozess, denn er begann schon vor dem Hurrikan "Katrina". Danach wurde das Projekt erstmal auf Eis gelegt. Als der Regisseur entschied, den Film doch zu machen, musste ich noch mal vorsprechen, bis ich endlich die Zusage bekam.

Der Thriller war der erste Film, der nach "Katrina" wieder in New Orleans gedreht wurde. Wie war das für Sie?

Es war herzzerreißend. Ich war so glücklich, die Rolle zu haben, und dann komme ich an einen Ort, wo es den Menschen so schlecht geht. Das hat meine Sicht der Dinge ziemlich verändert. Wir machen unser Wohlbefinden viel zu sehr abhängig von unserem materiellen Besitz, unserem Haus, unserem Auto, aber auch von dem Job, den wir haben. Als ich in New Orleans war, habe ich verstanden, wie zerbrechlich das alles ist. Am Ende bleiben einem nur noch Seele, Herz und der innere Antrieb. Die Leute dort haben mir beigebracht, dass man dafür dankbar sein muss. Schließlich gehören sie zu den Glücklichen, die überlebt haben und daran arbeiten können, wieder ein normales Leben zu führen.

Der von Denzel Washington gespielte Agent fährt in "Déjà Vu" in die Vergangenheit mit Hilfe einer komplizierten Computertechnologie. Haben Sie die Technik dahinter verstanden?

Ich bin durchaus aufgeschlossen gegenüber der Vorstellung von Zeitreise und Quantenphysik. Ich habe die Dokumentation gesehen "What the Bleep do we know?" Darin wurde unser Wissen über Realität hinterfragt. Wir sollten uns keine Grenzen in unserem Denken setzen, alles ist möglich. Früher wurde angenommen, die Erde sei flach, jeder glaubte das für eine bestimmte Zeit. Dann stellte sich heraus, sie ist rund. Warum also sollten wir nicht in die Vergangenheit reisen können? Aber ob ich die Technologie verstehe, die in dem Film dahinter steckt? Nein.

Wenn Sie zurück reisen könnten, zu einem Zeitpunkt Ihrer Vergangenheit, wo würden Sie Station machen?

Ich würde zu dem Punkt zurückgehen, als zwölf Jahre alt war. Damals hatte ich vor allem Angst, war überhaupt nicht selbstbewusst, sondern unsicher und schüchtern. Ich würde mir sagen, glaub an dich, alles wird gut.

Wie sind Sie selbstsicherer geworden?

Durch das Älterwerden, tatsächlich. Und Yoga. Mit Mitte 20 habe ich damit angefangen. Ich hatte einen tollen Lehrer, der mir beigebracht hat, positive Energie durch meinen Körper fließen zu lassen und die negative auszublenden. Das hat wirklich geholfen.

Bei "Déjà Vu" geht es auch um das gleichnamige psychologische Phänomen, dass man das Gefühl hat, eine völlige neue Situation so schon erlebt zu haben. Ist Ihnen das auch passiert?

Oh ja, lange nicht, aber gestern ist es mir tatsächlich passiert. Ich hatte einen Interview-Termin und als der Journalist den Raum betrat, hatte ich sofort das Gefühl, den kenne ich. Ich sagte zu ihm, dass wir uns schon mal getroffen hätten, er meinte nein, aber ich war mir so sicher. Ich konnte mich gar nicht mehr auf die Fragen konzentrieren, musste ständig überlegen, woher ich ihn kenne.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Es gibt viele Erklärungen. Wir benutzen nur zehn Prozent unserer Gehirnmasse, vielleicht öffnen sich für einen kurzen Moment die anderen 90 Prozent, spucken ein paar Informationen aus, und machen wieder dicht. Das Schöne ist, dass durch so etwas wie Déjà Vus ein Rest Magie bleibt in dieser doch sehr rationalen Welt, in der wir leben.

Wie ist Ihre Karriere verlaufen? Sie haben ja erst hinter der Kamera gearbeitet?

Schon als kleines Mädchen habe ich es geliebt, Theater zu spielen. Ich habe mit mir selbst gesprochen, verrückt. Ich war aber zu schüchtern, um vor der Kamera zu stehen und habe erst Regie studiert, etliche Kurzfilme gedreht und dann für eine Produktionsfirma, die Dokumentarfilme macht, gearbeitet. Als das Projekt auslief, habe ich erst mal etliche Wochen tagsüber vor der Glotze verbracht. Dann bin ich in mich gegangen und habe mir überlegt, was wirklich meine Leidenschaft ist, für was ich brenne. Schauspielen eben. Und habe Unterricht genommen.

Als Sie diese Entscheidung getroffen hatten, ging es unglaublich schnell.

Oh ja, ich war 27, als ich Schauspielunterricht nahm, jetzt bin ich 31. Ich hatte unglaubliches Glück und dafür bin ich sehr dankbar.

Sie sind noch nicht so lange in Hollywood, wie ist die Situation für Afro-Amerikaner mittlerweile?

Meine Mutter ist weiß, mein Vater ist schwarz. Wir befinden uns immer noch in einem Stadium, in dem die Rasse eine Rolle spielt. Beim Casting wird in Hollywood auf die Hautfarbe geachtet. Aber es gibt Menschen wie der Regisseur Tony Scott oder Produzent Jerry Bruckheimer, die darüber hinweg sehen, die nicht in Schubladen denken, sondern interessante Geschichten erzählen wollen - egal, ob es um Deutsche, Franzosen oder Mexikaner geht.

Verändert arbeiten in Hollywood die Persönlichkeit?

Man muss vorsichtig sein. Ich bin ganz froh, dass ich erst später angefangen habe. Wenn man ganz jung beginnt, erfolgreich ist und von allen hofiert wird, kann man sich schnell zu wichtig nehmen. Klar, genieße ich die Annehmlichkeiten. Über diesen Promotrip nach Europa habe ich mich riesig gefreut, alles Erster Klasse und umsonst, Hotel, Flug, Essen. Aber wenn ich heimkomme, kümmere ich mich um wieder um meine dreckige Wäsche.

Sie sind seit eineinhalb Jahren verheiratet. Was sagt Ihr Mann dazu, dass Sie Denzel Washington küssen?

Das Küssen ist nicht das Problem, das war harmlos. In dem vorherigen Film "Idlewild" hatte ich eine ziemlich intensive Liebesszene, da ging es schon mehr zur Sache. Da ist es schwer für ihn, zuzusehen. Aber er unterstützt mich sehr. Als ich mich doch entschlossen hatte, Schauspielerin zu werden, hat er mir den Unterricht gezahlt und mehr an mich geglaubt als ich selbst. Dafür trete ich in seinem Video auf für den Song, den er über unsere Beziehung geschrieben hat. Er ist Musiker und tourt gerade durch Europa im Vorprogramm von John Legend. Nach diesem Interview werde ich ihm hinterher reisen und ihn quasi als "Groupie" verfolgen.

Interview: Kathrin Buchner

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