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27. Mai 2010, 18:42 Uhr

Ist "Sex and the City 2" das Kinoticket wert?

Pro und Contra

Sie stöckeln wieder durch den Großstadtdschungel und diesmal auch durch Wüstensand. Die nimmersatten Frauen von "Sex and the City 2". Aber muss man diesen Film über Sex, Ehe und Abu Dhabi nun sehen oder nicht?

Endlich! Carrie und Co sind wieder da und verschönern mit ihren Fashion-Orgien und den Luxustripps die Alltagstristesse. Immer noch taugen sie bestens als Identifikationsfiguren für die Normalfrau.

Es ist eine der schönsten Szenen des Films: Carrie (Sarah Jessica Parker) macht Charlotte (Kristin Davis) darauf aufmerksam, dass sie vor lauter Konzentration auf ihr iPhone nicht wahrnimmt, was um sie geschieht: wie die Araberin in schwarzem Gewand jedes Mal ihren Schleier vor dem Gesicht lüften muss, um eine Pommes in ihren Mund zu schieben. Von jeher dreht es sich in "Sex and the City" darum, in der atemlosen Hetze nach Job, Beziehung und der Erfüllung aller Träume nicht den Augenblick des Innehaltens zu verpassen. Einfach mal zu genießen und sich nicht zu quälen: mit Entscheidungen - Karriere oder Kinder, Distanz oder Nähe, Ehe oder Freiheit , der Frage wie schnell Eierstöcke altern oder dem Warten auf den Anruf des Wunschpartners.

Zelluloidgewordener feuchter Mädchentraum

Seit fast zehn Jahren konnten wir in insgesamt 4230 Fernsehminuten und einem zweieinhalbstündigen Kinofilm das Leben von vier New Yorker Ladys verfolgen. Daraus ist eine Beziehung entstanden. Und wie bei den meisten Beziehungen hat man sich aneinander gewöhnt. Man respektiert die Schrullen des Partners, in diesem Fall sind es gleich vier, man liebt ihn, egal, welche Fehler er macht. Auch wenn man ihn an die Wand klatschen könnte, weil er einen nervt. So wie Carrie, wenn sie wieder rumzickt und Big die Hölle heiß macht, nur weil er im Schlafzimmer fernsieht. Professionelle Distanz: Fehlanzeige. Denn "Sex and the City" ist ja kein "normaler" Kinofilm, den man rezensieren kann wie das neueste Werk von David Cronenberg oder Tom Tykwer. Sondern ein Fan-Film. Fragen Sie doch mal einen Trekkie, Anhänger der Star-Trek-Fangemeinde. Niemals wird der ihnen irgendetwas Schlechtes über seine Kultserie erzählen. So abgedroschen es klingt, so einfach ist das Wesen des Fantums : Man geht durch dick und dünn . Die Liebe ist bedingungslos, die Treue ewig. Die "Sex and the City"-Filme sind das rosa Pendant zu "Iron Man", "Transformers" und "Prince of Persia", die weibliche Version des Actionknallers, der zelluloidgewordene feuchte Mädchentraum: Luxus pur, Mode-Schlaraffenland (Carrie wechselt 41 Mal ihr Outfit!!), der eigene Butler, der einem jeden Wunsch von den Augen abliest, durchtrainierte Kerle im Pool, Urlaub in einem Märchenpalast aus 1001 Nacht. Gut, statt dem Prinzen auf dem weißen Pferd sind es Kamele, und der tolle Hecht in Gestalt eines dänischen Innenarchitekten kommt im Jeep durch die Wüste.

Verfilmte Bibliothek sämtlicher Ratgeberhandbücher

Das ist Klamauk pur in pompöser Verpackung: erst modern mit der Schwulen-Traumhochzeit ganz in Silber, dann der Goldkäfig im Orient, wo ganz nebenbei das Paradox der dort herrschenden Moralvorstellungen gezeigt wird. Doch "Sex and the City" wäre nicht "Sex and the City", wenn diese perfekte Kulisse nicht nur Staffage wäre als launiges Amüsement gegen Alltagstristesse, auf der die Bruchstellen der Charaktere besonders klar zu sehen sind. In knackig-intelligenten Dialogen werden mit wenigen Worten Lebensszenarien analysiert und zerpflückt. Spätestens dann, wenn der Film schon fast zur Groteske mutiert, als die arabischen Frauen im Souk ihre Kutten lüften und sich darunter die neueste Frühjahrskollektion von Prada, Gucci & Co verbirgt, wird die ironische Brechung unübersehbar. Trotzdem funktioniert "SatC" immer noch wie eine verfilmte Bibliothek sämtlicher Ratgeberhandbücher: Ob Menopause, Kinderfrage, Rabenmütter-Debatte, Jobwechsel oder der Fernseher im Schlafzimmer - Ausdruck einer Zweisamkeitsödnis in einem kükenlosen Nest von Designerwohnung, wo die Küche kalt bleibt - diverse Probleme werden angerissen und ausdiskutiert. Als Identifikationsfigur der zwischen Selbstverwirklichung und Paar-Romantik hin- und hergerissenen Normalfrau taugen Carrie & Co immer noch. "Sex and the City 2" ist ein glitzernder Diamant, der in vielen Farben schillert. Love it or leave it.

KOMMENTARE (10 von 13)
 
DolphinandDragon (28.05.2010, 23:22 Uhr)
Manolo Blahnik und Anti-Age-Pillen...
Verehrte Frau Albers, von Herzen Dank für Ihr erfrischendes Contra! Manchmal möchte ich nur noch fassungslos fragen... Hallo, Welt, merkst Du es noch? Wie wir manipuliert werden von selbsternannten Style-Neurotikern á la Klum, perfiden Werbestrategen und anderweitigen Heilsbotschaftern?

Ja, ich habe mir die "Ladies-First -Night" von "SatC" mit meiner Tochter im Kino gegönnt und einen sehr interessanten Abend mit ihr verbracht - hinterher, in der Diskussion. Immer auf mein persönliches No-Go-Wort "Manolo Blahnik" wartend (kannte den eigentlich schon einer vor SatC?), mußte ich meine vorgefaßte Meinung revidieren und mich auf das Sponsoring einer Anti-Age-"Gururin" umstellen.

Meine Befürchtung bei all diesen Hypes, wie sie eben diese vier NY-Mädels oder eine Lena M-etc verkörpern., die mit ihren eher spastisch wirkenden Verrenkungen morgen die Eurovisions-Ehre unserer Nation retten soll,..., sie alle verkaufen uns eine rein profitorientierte "Wahrheit". Für Menschen, vor allem für junge Menschen, die nicht über ein gesundes Selbstbewußtsein verfügen, kann diese - zugegeben - genial gemachte Manipulation fatale Folgen haben. "So zu sein wie Carrie" ist garantiert nicht erstrebenswert, schon gar nicht in ihren orangen und blauen Plissee-Hängerchen und 41 verschiedene Outfits in einem 2,5-Stunden-Film sind auch nicht wirklich eine Leistung. Das Hochhalten von Freundschaft und die Bekanntschaft mit anderen Kulturen dagegen sind die positiven Botschaften dieses Films; Freundinnen wie Samantha ließe man im wahren Leben aber besser zuhause, wenn man der fremden Kultur mit dem ihr gebührenden Respekt begegnen wollte.
_Chrischi_ (28.05.2010, 20:59 Uhr)
Der Film
Ich finde der letzte Satz des Beitrags beschreibt es am Besten.. Love it or leave it.
Richtig, ich seh es genauso. Und die Beschreibung von Fans ist auch sehr gut. Wenn man vielleicht nicht ein Sex and the City Fan ist, dann vielleicht eine andere Serie und trotzdem hackt keiner darauf rum.
Ich gebe ,,Shik " vollkommen Recht, mich soll ein Film auch unterhalten und muss nicht immer was mit Bildung zutun haben, und wenn man es so sieht, gebildet werden wir, danach kennen wir alle neue Kollektionen der berühmtesten Designer ;)
Suschi (28.05.2010, 15:58 Uhr)
Nehmt doch nicht alles so schrecklich ernst!
Eine Welt ohne Märchen, Träume und Spinnerei wäre ja furchtbar traurig.
WotanderWilde (28.05.2010, 11:35 Uhr)
Kultur?
Soll amn jetzt lachen oder weinen das der Artikel in der Rubrik KULTUR auftaucht?!
logon (28.05.2010, 09:21 Uhr)
ein Film
mit lauter Hautverschwendungen sind doch reine Zeitverschwendung
Shik (28.05.2010, 08:49 Uhr)
Wie schlimm..
Oh man... JA, der Film ist einfach gestrickt und JA er vermittelt möglicherweise auch die ein oder andere Botschaft die unseren Vertretern der Feministinin Fraktion auch nicht sonderlich gut gefallen werden.

Aber mal ganz ehrlich... muss ein Film denn wirklich immer ein hochtrabendes Niveau und Bildungsanspruch haben?

Also ich will jetzt wirklich nicht von mir auf Sie schließen, aber mir dient ein Film vorwiegend dazu mich zu Unterhalten und dazu muss er die oben genannten Kriterien weiß Gott nicht erfüllen.
tannebaum (28.05.2010, 08:49 Uhr)
ich habe zwei folgen der serie...
...sehen müssen, da in einem gemütlichen reigen plötzlich frauen riefen: fernseh an!!!

albern und dumm, ein bis zwei politich unkorrekte bemerkungen und einige "sextipps" der mottenkiste. gut, dachte ich, für das prüde amerika wohl wichtig.

umso erstaunter war ich, dass danach geredet wurde, ob es wirklich stimulierend ist, wenn man mit den fingern (rest lasse ich jetzt mal aus...).

in dieser pornogesellschaft, wo selbst der tatort schon ana...verkehr um 20.15uhr zeigt, hochglanzmagazine nichts, aber auch nichts verbergen - wird sich gefragt, was stimuliert?

keinen die denn ihren körper ncht? wissen sie nicht, was lust bereitet?
vögeln die nach vorbild porno und wundern sich dann, weil nix passiert?

okay, dann ist diese serie auch hier für einige oder viele wichtig. ich halte mich da aber lieber raus....
endbenutzer (28.05.2010, 08:11 Uhr)
Diese Serie ist meiner Ansicht nach...
...völlig überbewertet. Und die Filme sind nicht besser.

Worum gehts? eine Gruppe Frauen sind den ganzen Tag damit beschäftigt zu shoppen, benehmen sich ständig daneben und reden den ganzen Tag vom vögeln. Das so etwas im puritanischen Amerika ein Erfolg ist, kann ich schon verstehen. Den Hype hierzulande eher nicht...
Dewerth (28.05.2010, 07:51 Uhr)
Die Reihe muss unbedingt ...
... fortgeschrieben werden. Ich freue mich schon jetzt auf 2030 und den Flim ?Sex in the Pflegeheim"
susi_sonicht (28.05.2010, 06:02 Uhr)
Meine Güte
warum denn nicht? Wem es gefällt um ein paar Stunden von der Realität abzulenken ist es allemal gut genug. Nicht jede will ständig Anna Karenina anschauen. Ich gucke gerne Trekkie-Filme - wen störts? Es muss erlaubt sein sich ab und an zurückzulehnen, schönen Schund anzuschauen oder zu lesen um wieder Kraft zu sammeln für die Realität. Ganz einfach! Und wer nicht will der wird ja nicht gezwungen ins Kino zu gehen, niht wahr!?
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