Mit viel Schmalz zum Sieg

29. April 2012, 08:26 Uhr

Endlich vorbei: die neunte Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ ist beendet – mit einer sich dahin schleppenden Final-Show und einem aalglatten Sieger. Von Sophie Lübbert

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Bravo Boy: Luca Hänni (l.) hat sich im Finale der diesjährigen Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" gegen Bad Boy Daniele Negroni durchgesetzt.©

Ungefähr drei Minuten lang taucht die Vergangenheit auf und das ist kein schöner Anblick. Sie trägt eine Jeans, dazu Sweatshirt und Käppi im selben Farbton und hört auf den Namen Pietro Lombardi. Lombardi ist der Vorjahres-Sieger von "Deutschland sucht den Superstar". Deshalb muss er auch 2012 im Publikum sitzen, das Finale beobachten, interessiert wirken und irgendetwas sagen.

"Am wichtigsten is' das Siegertitel", sagt Pietro. Er hat ein paar Probleme mit der Grammatik, der Satz macht wenig Sinn, aber das ist egal, die Kamera schwenkt schon weg von ihm. Pietro verschwindet in der Masse.

Ein Jahr nach seinem Sieg macht er nur noch Schlagzeilen, weil er sich mit seiner Freundin auf einem Spielplatz streitet und die Konzertkarten sich so schlecht verkaufen. Pietros Zeit im Rampenlicht ist lange vorbei – sie hörte in dem Moment auf, als er "DSDS" gewann.

Mehr als 35.000 Bewerber

Denn das Finale der Casting-Show war und ist niemals der Start einer großen Sänger-Karriere, sondern bereits deren Ende. Natürlich weiß RTL das – und dieses Jahr geben sie sich auch keine Mühe mehr, es zu verbergen. Das DSDS-Finale 2012 ist kein musikalisches Show-Spektakel, sondern eine langweilige Nullnummer.

Zwei Jungs treten an, beide unter 18, beide gleich groß, beide höchstens durchschnittliche Sänger. Der eine färbt sich die Haare, trägt glitzernde Gürtelschnalle und Irokesen-Frisur und geht gerne feiern. Der andere kommt aus der Schweiz, hat ein weiches Gesicht, die Haare ordentlich frisiert und ein schmachtendes Lächeln. Bad Boy gegen Bravo Boy heißt das Duell und es ist so vorhersehbar, wie es sich anhört.

Bravo Boy Luca schmalzt sich durch seine zwei Solo-Nummern ("Allein, allein" von Polarkreis 18, "The A-Team" von Ed Sheeran), greift sich dabei ab und zu dramatisch an die Brust. Bad Boy Daniele versucht sein Bestes, wie ein harter Rocker herüber zu kommen, hat dafür "Forgive Forget" von Caligola und "Dance with Somebody" von Mando Diao gewählt, wirkt aber eher wie ein Kind, das jemand zufällig in einer viel zu großen Lederjacke auf der Bühne ausgesetzt hat.

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