Rammstein meets Wagner

17. Februar 2004, 11:32 Uhr

Ein ungewöhnliches Crossoverprojekt aus Rock und Klassik begeistert die USA: Auf "Mein Herz brennt" interpretiert Bariton René Pape zusammen mit Schauspielerin Katharina Thalbach Texte der Metal-Band Rammstein.

Immer ein feuriges Spektakel: Rammstein-Sänger Till Lindemann während eines Auftritts in Hollywood 1998©

Rammstein kennt in den USA jeder. Wagner-Opern auch. Die Metamorphose der beiden erfolgreichen Kultur-Exporte aus Deutschland ist in den USA unwiderstehlich. Das ungewöhnliche Crossover-Projekt von Rock und Klassik "Mein Herz brennt" als Liederzyklus mit den Texten der Industrie-Metal-Band Rammstein, interpretiert vom Bariton René Pape und Schauspielerin Katharina Thalbach, begleitet von den Dresdner Sinfonikern, kam nun auch in den USA auf den Markt. Die ersten Reaktionen sind sehr positiv. "Die Musik ist fantastisch und außerdem sehr bildlich, voller Leidenschaft. Die Amerikaner werden es lieben, Amerikaner sind sehr leidenschaftliche Menschen", sagt Hollywood-Komponist John Corigliano ("Die Rote Violine") der dpa in New York.

Umjubelte Rammstein-CD

Als "Mein Herz brennt" Ende Oktober in Deutschland erschien, wurde die CD von deutschen Feuilletons gefeiert - und landete mit bereits mehr als 5000 verkauften Exemplaren auf der Bestseller-Liste des "Spiegel". Dies überrascht auch den Initiator des Projekts und Gründer der Dresdner Sinfoniker, Sven Helbig: "Normalerweise erntet man beim Crossover ja nur Schmach, Häme und Zynismus im Feuilleton. Aber die Elfenbeintürme haben uns nicht abgeschossen, sondern mögen das Projekt, das hat den Erfolg befördert", sagte er in New York.

USA begeistert von Papes "heroischen Bariton"

Das große Interesse in den USA wird außer dem Bekanntheitsgrad von Rammstein auch der wachsenden Popularität des 39-jährigen deutschen Baritons Pape zu verdanken sein. "Papes heroischer Bariton segelt über die dichte Orchestrierung wie der Fliegende Holländer über das sturmgepeitschte Meer", schreibt die Stadtzeitung "Time Out New York" und widmet dem Projekt gleich eine ganze Seite. "Bei Pape passt einfach alles zusammen: ein imposanter Sänger mit einem profundem Talent für Dramatik. Seine Stimme ist (...) im höchsten Maße kultiviert und gleichzeitig unglaublich ursprünglich", preist ihn das Magazin "Vanity Fair". Die "New York Times" lobt den "tiefen, edlen Klang seiner Stimme, die die Aufmerksamkeit augenblicklich fesselt".

"Es reizt, mich von einer anderen Seite zu zeigen"

Bariton Pape, der mit dem Komponisten des Liederzyklus, Thomas Rasch, als Junge im Dresdner Kreuzchor gesungen hat, wollte früher eigentlich lieber Rockstar werden. Mit "Mein Herz brennt" ist er zumindest nicht mehr auf Opern- und Konzertsäle festgelegt: Gerade hat er ein Video zu dem Titelsong gedreht - ganz im Stil von MTV im New Yorker Hotel 17, in dem auch schon David Bowie-Videos entstanden. "Die Leute kennen mich alle als klassischen deutschen Wagner-Sänger und es reizt mich natürlich, mich von einer anderen Seite zu zeigen", sagt Pape. Von den Rammstein-Texten und der musikalischen Transformierung war er von Anfang an begeistert und genießt es, sie zu singen: "Ich fühle mich sehr melancholisch dabei, aggressiv, sentimental."

Wieder ganz klassisch zeigt sich Bariton Pape demnächst: Am 1. März ist Premiere für eine neue Produktion von Mozarts «Don Giovanni» an der Metropolitan Oper, in der er den Leporello singt. Aber auch das Rammstein-Projekt würde er gerne noch einmal in den USA live aufführen - wenn sich eine Finanzierung dafür findet.

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