Der Mann mit dem Palast Orchester

1. Dezember 2005, 15:22 Uhr

Seine knarrende Stimme, die Pomade im Haar und das perfekte Outfit der Goldenen Zwanziger zählen zu seinen Markenzeichen. Max Raabe begeistert mit seinem zwölfköpfigen Palastorchester seit Ende der 80er Jahre seine Zuhörer.

Immer schick gestylt: Max Raabe©

Selten einmütig ist die Kritik fast ausschließlich positiv. "Wir nehmen uns selbst nicht allzu wichtig, aber die Musik dafür umso mehr", erklärt der Sänger sein Erfolgsrezept. Nicht ganz unwichtig ist sicher auch, dass alle der dreizehn Musiker klassisch ausgebildet sind. "Unsere Kompositionen haben eine sehr hohe Qualität. Wir behandeln die Stücke nicht anders als Schubert-Lieder", so Raabe.

Wie so viele Musiker hierzulande hat auch Raabe seine ersten musikalischen Erfahrungen im Kirchenkinderchor seiner Heimatgemeinde Lünen in Westfalen gemacht. Dort wurde er am 12. Dezember 1962 als Sohn eines Landwirts geboren, von dort zog er mit 21 Jahren nach Berlin. Während seine Altersgenossen mit gerade mal drei Akkorden im Fahrwasser der Neuen Deutschen Wellen die Hitparaden stürmten, studierte Raabe die Musik von der Picke auf: Er wurde an der Hochschule der Künste aufgenommen, wo er 1995 als staatlich geprüfter Opernsänger im Fach Bariton seinen Abschluss gemacht hat.

Alle passen nicht aufs Bild: ein Teil des Palast Orchesters mit Max Raabe©

Aber da gab es das Palast Orchester schon längst, das hatte er schon 1986 mit zwölf Kommilitonen gegründet. Und Raabe war bereits einigermaßen berühmt. 1992 schaffte er den Durchbruch mit dem selbst gedichteten und komponierten Hit "Kein Schwein ruft mich an". Zusammen mit seinem Orchester trat er 1994 in Sönke Wortmanns Kinokomödie "Der bewegte Mann" auf. Später war er dann auch in Produktionen wie "Charleys Tante" und "Invincible" zu sehen

Schellackplatten prägten seinen Musikstil

Er sang als Solist seines Orchesters nicht nur die Hits aus der Zeit der Weimarer Republik, sondern kleidete auch zeitgenössische Texte - oft mit viel Ironie - in das alte musikalische Gewand, wie "Sex Bomb" von Tom Jones. Denn er liebt diese Musik seit er als Kind eine Schellakplatte im Plattenschrank seiner Eltern fand. Außerhalb der Musik gibt er nichts, rein gar nichts Privates über sich preis. Auf Nachfragen räumt er lediglich ein, dass er liiert sei.

Sein Erfolgsrezept

Aber schließlich spielt die Musik die Hauptrolle in Raabes Leben. Zumindest in der Öffentlichkeit. Ob in Samstagabend-Fernsehshows oder bei Live-Konzerten, in Deutschland hat sich Raabe mit seinem Orchester einen festen Platz in der Musikszene erarbeitet. Warum er so erfolgreich ist? Seine Band habe natürlich einen ganz eigenen Stil, was Benehmen, Aussehen und Musik betreffe. Es seit etwas, womit keiner auf der Welt rechne: "Diese leise Ironie und dieser tatsächlich etwas verschrobene Humor", so Raabe. Kombiniert mit dem klassischen Auftritt scheint das auch bei den Amerikanern ein Erfolgsrezept zu sein. "Wir bedienen das Klischee, das man von so einem Orchester hat, das die Musik der Weimarer Republik wieder spiegelt". Typisch Deutsch eben.

Nachdem Raabe mit demPalast Orchester jetzt schon seinen vorläufigen Karrierehöhepunkt in den USA erlebt hat, und auch schon erfolgreiche Auftritte sowohl in der Schweiz, in den Niederlanden, Österreich, Italien und auch Moskau absolvierte, fehlt jetzt eigentlich nur noch der Durchbruch in Asien.

Nach Swing kommt Rumba

Aber vielleicht bereisen die 13 glorreichen Musikern demnächst lieber Mittel- und Südamerika. Schließlich haben sie gerade eine Rumbaplatte aufgenommen. Kubanische, englischsprachige, auch einige deutsche Rumbas werden auf der Platte sein. Und als Gäste sind Peter Lohmeyer und Heino Ferch dabei, die sogar selbst singen. Die CD soll im März erscheinen.

Kultur


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