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"Die Boss" Stardirigentin Simone Young: "Nennt mich nicht Maestra!"

Simone Young wird die neue Chefdirigentin des Sydney Symphony Orchestra
2022 wird Simone Young die neue Chefdirigentin des Sydney Symphony Orchestra
© Klaus Lefebvre
Sie ist eine der wenigen Dirigentinnen von Weltrang: Simone Young erzählt im stern-Podcast, dass sie sich auch in Deutschland manchmal so exotisch gefühlt habe wie ein "sprechender Hund" – und warum das nun anders ist.

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Als sie anfing zu dirigieren, durften in manchen Orchestern Frauen nicht einmal mitspielen: Simone Young ist eine von immer noch wenigen Frauen in diesem Spitzenjob der Musikwelt. Doch es verändere sich enorm viel, sagt sie im stern-Podcast "Die Boss": "Die Zeiten der alten Autokraten, Männer mit langen weißen Haaren, schlecht gelaunt, die alle kritisiert und alles schlecht gefunden haben, die Zeiten sind eigentlich vorbei." 

Young, 59, dirigiert seit Jahrzehnten an den führenden Opernhäusern weltweit, etwa an der Wiener Staatsoper und der Metropolitan Opera in New York. Ihre internationale Karriere begann, als sie mit Mitte 20 nach Deutschland kam und Assistentin des Dirigenten Daniel Barenboim wurde. Zehn Jahre lang war sie bis 2015 Intendantin der Staatsoper Hamburg und Generalmusikdirektorin des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. 2022 wird sie Chefdirigentin des Sydney Symphony Orchestra – und leitet dieses Jahr schon einige Konzerte.

Young war genervt, oft die erste Frau zu sein

In ihrer australischen Heimat sei es schon am Anfang ihrer Karriere nicht so relevant gewesen, dass sie eine Frau war. Sie sei genervt und überrascht gewesen, dass sie in Deutschland und anderen Länder so oft "die Erste" war und darüber sprechen sollte. Es sei ein bisschen gewesen "wie mit einem Hund, der spricht", sagt sie, aber das sei uninteressant. "Interessant ist nur, was man sagt." Für sie zähle nur die Leistung, und dieser Gedanke setze sich auch in der Musik immer mehr durch. Dennoch werden derzeit nur eine Handvoll der 129 deutschen Berufsorchester von einer Frau geleitet.

Internationale Dirigentin Simone Young
Young war bereits in vielen internationalen Opernhäusern und Orchestern tätig
© Nic Walker

Während des Gesprächs mit dem stern saß Young gerade in einem Hotel in Sydney in der obligatorischen Corona-Quarantäne nach ihrer Einreise aus Europa – wenige Tage später feierte sie dank der sehr niedrigen Infektionszahlen in Australien ihre Premiere als designierte Chefin vor mehr als 1000 Menschen. Es war das erste Live-Konzert des Orchesters nach elf Monaten Corona-Pause. Die Tageszeitung "Sydney Morning Herald" titelte "Tears and joy", Tränen und Freude. Im März standen eigentlich auch Opern in München und Berlin auf ihrem Plan, aufgrund der Corona-Pandemie wurde jedoch alles abgesagt.

Karrierestart mit Papierklavier

Young ist Synästhesistin – sie hört Töne nicht nur, sondern sieht sie auch. Bestimmte Tonarten lösen in ihrem Kopf automatisch verschiedene Farben aus. "Es war für mich ein Schock, als ich ein Kind war, zu erfahren, dass nicht die ganze Welt so läuft", sagt sie der Podcast-Gastgeberin Simone Menne. Youngs Weg in die Musik war keineswegs vorgezeichnet, als Tochter in einer irisch-kroatischen Einwandererfamilie habe sie mangels Geld erst einmal auf einer Papiertastatur Klavier geübt. Den Trend, auch in der Musik viele Begriffe zu gendern, sieht sie kritisch – und würde deswegen den Titel ihrer Biografie "Nennt mich nicht Maestra!" nennen. 

In "Die Boss – Macht ist weiblich" sprechen Spitzenfrauen unter sich: Gastgeberin und Multi-Aufsichtsrätin Simone Menne (unter anderem BMW, Deutsche Post DHL, Henkel) trifft  Chefinnen aus allen Gesellschaftsbereichen, um mit ihnen über ihr Leben und ihre Karriere zu reden. "Die Boss" erscheint vierzehntäglich immer mittwochs auf stern.de und dem Youtube-Kanal des stern  sowie auf Audio Now und allen gängigen Podcast-Plattformen.     


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