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3. Mai 2002, 14:12 Uhr

Der Schein-Werfer

Rauer Trinker, Penner, ewiger Melancholiker: An dem Image hat Tom Waits jahrzehntelang gebastelt. Und lebt glücklich und vergnügt daran vorbei.

Tom Waits in seiner Blütezeit

Ob man das mit den Kakerlaken schon gehört habe, will er gleich zu Beginn wissen. Kakerlaken, sagt er, ohne die Antwort abzuwarten, können mehrere Tage weiterleben, wenn man ihnen den Kopf abgerissen hat. Man kennt diese Geschichte natürlich, er erzählt sie Journalisten wieder und wieder. Letztes Mal waren es nicht »mehrere Tage«, da waren es gleich Wochen.

Er mag diese Spielchen. Geschichten erzählen, die er sammelt wie andere Leute Briefmarken oder Münzen. Etwa die, dass Beethoven sich vor dem Komponieren jedes Mal einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf gegossen habe, und dann stimmt er laut die Fünfte an - »Da-Da-Da-Daaaaa« - und spielt mit den Fingern auf dem Tisch Klavier. Kaum jemand wirft so charmant Nebelkerzen wie Tom Waits. Denn natürlich hat er einfach keine Lust, über sich selbst zu reden.

Und so steht er tausendmal auf, schlurft zur Kaffeemaschine, aus der er heißes Wasser auf seinen Teebeutel laufen lässt - »grüner, ist gesund« -, kommt an den Tisch zurück, lächelt und sagt: »Wo waren wir stehen geblieben?« Mag sein, dass das Teil einer Selbstinszenierung ist, die lautet: Schau, was für ein irres Genie ich bin. Doch Waits ist nicht der Schrat, für den er vielleicht gehalten werden will. Er würde jetzt einfach lieber bei seiner Frau und seinen Kindern sein und seine Ruhe haben.

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