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Missverstandene Songs "Bella ciao" und andere Hits, deren Hintergründe kaum jemand kennt

Netflix-Serie "Haus des Geldes"
Das alte italienische Partisanenlied "Bella Ciao" wurde durch die Netflix-Serie "Haus des Geldes" zum Hit
© Netflix
So mancher Hit, der auf Partys rauf und runter läuft, hat in Wirklichkeit eine eher verstörende Bedeutung. Andere Lieder stehen heute in einem ganz anderen Kontext als ursprünglich gedacht. 

Fast jeder kennt sie, fast jeder hat schon mal zu ihnen getanzt und ein paar Zeilen mitgegrölt – doch bei vielen Hits ist kaum bekannt, worum es darin inhaltlich wirklich geht. Die Geschichten hinter den Songs sind manchmal verblüffend, mitunter sogar verstörend.

Wir haben zehn bekannte Songs gesammelt, die oft falsch oder sogar gar nicht verstanden werden. Bei der nächsten Party werdet ihr diese Stücke garantiert mit anderen Ohren hören. Mehr falsch verstandene Hits findet ihr hier und hier.

1. Papaoutai (Stromae)

Im Song wird aus dem Titel der französische Satz "Papa, oú tes?", auf Deutsch: "Papa, wo bist du?" Der Titel "Papaoutai" soll wohl diese Frage in Kindersprache darstellen. In dem Song versetzt sich Stromae in seine Kindheit zurück, in der er ohne Vater aufwuchs. Sein Vater verließ die Familie früh und kehrte in seine Heimat Ruanda zurück, wo er 1994 – als Stromae neun Jahre alt war – dem Völkermord an den Tutsi zum Opfer fiel.

2. Bella Ciao (Hugel Remix)

Zum Ohrwurm wurde das Lied durch die Netflix-Serie "Haus des Geldes", der Remix des französischen DJs Florent Hugel stürmte im Sommer 2018 die Charts und lief auf Partys rauf und runter. Die Feierversion hat allerdings nur noch sehr wenig mit dem Ursprung von "Bella Ciao" zu tun. Der liegt nämlich im Zweiten Weltkrieg, das Lied wurde zur Hymne der Widerstandskämpfer in Italien. Ein ernster, politischer Hintergrund also, und auch der Text regt nicht gerade zum Tanzen an: Ein Partisan verabschiedet sich im Angesicht des Todes von seiner Liebsten. Tom Waits und Marc Ribot haben "Bella Ciao" übrigens in einer englischen Version seine Melancholie zurückgegeben.

3. Deutschland (Rammstein)

Für Aufregung sorgte vor allem das Video: Darin stellen sich die Bandmitglieder in einer Szene als KZ-Häftlinge dar. Durch den Song, vor allem den Titel, sahen sich einige in dem Vorurteil bestätigt, bei Rammstein handele es sich um eine latent rechte Band. In Wirklichkeit drückt das Lied eine Hassliebe zum eigenen Land aus und spielt im Text geschickt mit deutschen Machtfantasien aus der Geschichte: So reimt Till Lindemann die Zeile "Deutschland, Deutschland über allen" auf "Wer hoch fliegt, der wird tief fallen".

4. In The Air Tonight (Phil Collins)

Das Schlagzeug-Solo von Phil Collins machte diesen Song zur Legende. Der Text ist eher düster gehalten – und um ihn ranken sich ebenso einige Legenden. Die Zeile "Well if you told me you were drowning, I would not lend a hand" führte zu der Interpretation, dass Collins eine Szene beschreibt, in der er beobachtete, wie ein Mann einem Ertrinkenden die Hilfe verweigerte. Bei Jimmy Kimmel räumte Phil Collins 2017 damit auf: Er habe den Song über die Scheidung von seiner Ehefrau geschrieben.

5. S & M (Rihanna)

Ja, in dem Song geht es um genau das, was der Titel vermuten lässt: Sado-Maso-Sexpraktiken. Rihanna beklagte in einem Interview allerdings, dass der Text oft zu wörtlich ausgelegt würde. "Es ist eigentlich ein sehr metaphorischer Song. Es geht um die Hassliebe zu den Medien und darum, dass der Schmerz manchmal auch befriedigend sein kann. Wir ernähren uns davon – ich zumindest", erklärte sie.

6. Gangnam Style (Psy)

Wer erinnert sich noch an den Song und das dazugehörige Video des südkoreanischen Rappers Psy? 2012 tanzte die ganze Welt dazu, bis Juli 2017 war "Gangnam Style" das meistgesehenste Video auf Youtube. Und worum geht's? Gangnam ist ein angesagter Bezirk der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Die bekannte Textzeile "Oppan Gangnam Style" bedeutet auf deutsch so viel wie: "Der große Bruder hat den Gangnam Style". Song und Video kommen hingegen eher trashig rüber und sind als Parodie auf den hippen Lebensstil in diesem Viertel gedacht.

7. Losing My Religion (R.E.M.)

Wer glaubt, in dem R.E.M.-Hit gehe es um Religion, ist einem der typischen "falschen Freunde" aus dem Englisch-Unterricht aufgesessen. Die Redewendung "Losing my religion" bedeutet im Süden der USA nämlich so viel wie "die Schnauze voll haben". Dem US-Portal "Today" erzählte R.E.M.-Sänger Michael Stipe, "Losing My Religion" sei sein erster Lovesong gewesen, ein Lied, das von unerwiderter Liebe handele. Auch die Zeile "That's me in the spotlight" hat nichts mit dem Lampenfieber des Sängers zu tun, sondern soll lediglich einen sehr schüchternen Menschen beschreiben.

8. Macarena (Los Del Rio)

Die Arme ausstrecken, drehen, auf die Schultern legen, dann hinter den Kopf und auf die Hüften – "Macarena" hat sogar seine eigenen Tanzmoves. Doch kaum jemand weiß, worum sich der Sommerhit inhaltlich dreht. In dem Song tanzt eine junge Frau mit verschiedenen Männern und brüstet sich am Ende damit, ihren Freund, der gerade nicht in der Stadt ist, mit zwei seiner Freunde zu betrügen. 

9. Who Let The Dogs Out (Baha Men)

Noch so ein Ohrwurm aus der Zeit um die Jahrtausendwende! Viel wurde darüber gerätselt, wer denn nun die Hunde rausgelassen hat – und oft wurde spekuliert, die "Hunde" seien in dem Song ein von Männern benutztes, abwertendes Wort für unattraktive Frauen. Anslem Douglas, von dem die Originalversion stammt, hat in der "Huffington Post" allerdings erklärt, dass es sich genau umgekehrt verhält. Ein Cousin von ihm habe den Satz oft benutzt, wenn seine Freunde sich schlecht benommen hatten.

10. Strange Fruit (Billie Holiday)

Billie Holiday beschreibt in dem 1939 veröffentlichten Lied einen Baum, der "eine seltsame Frucht" trägt. Es handelt sich um einen aufgehängten Schwarzen, einen Lynchmord in den Südstaaten der USA: "Black body swinging in the Southern breeze / Strange fruit hanging from the poplar trees." 

Das Stück verbindet die ländliche Idylle des Südens mit dem brutalen Rassismus jener Zeit – und wurde damit zu einem der wichtigsten Symbole der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten.


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