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25. Februar 2007, 14:57 Uhr

Der Prophet aus Tötensen

Wieder einmal saßen Millionen vor den Bildschirmen, als RTL am Samstagabend zur ersten Mottoshow von "DSDS" lud. Etwas überraschend wurde Laura Martin von den Zuschauern aus der Show gewählt - nur einer hat es natürlich schon vorher gewusst. Von Björn Erichsen

"Laura fliegt heute raus": Für Dieter Bohlen war schon vor der Motto-Show klar, wer gehen muss© DDP

Er hatte es vorausgesagt. "Laura fliegt heute raus", orakelte Dieter Bohlen bereits in der Samstagsausgabe von BILD über den Ausgang der ersten Mottoshow von "Deutschland sucht den Superstar". "Sie ist 25 Minuten im Show-Business und denkt es seien 25 Jahre. Sie überschätzt sich total." Harte Worte des Propheten aus Tötensen, die sich aber tatsächlich bewahrheiten sollten. Ob es nun Vorsehung, Zufall oder nur blinde Gefolgschaft sämtlicher Bohlen-Jünger war, die ein Telefon bedienen können - Fakt ist, gegen 23.30 Uhr am Samstagabend war es für Laura Martin bei DSDS vorbei.

Solide Vorstellung

Dabei war der Auftritt der 27-jährigen mit den spanischen Wurzeln gar nicht einmal so schlecht. Als ihren "Greatest Hit" gab die Neu-Isenburgerin Gloria Estefans "Don't wanna lose you" fehlerfrei zum besten und präsentierte ihre langen Beine gekonnt in kurzem Zebra-Kleidchen und hohen Stiefeln. Doch auch ein gehauchtes "Ich liebe euch" in Richtung ihres Spanienfahnen schwenkenden Fan-Clubs, konnten ihr ebenso wenig helfen, wie die warmem Worte der Mit-Juroren Anja Lukaseder und Heinz Henn. Bohlen hatte sich festgelegt und bedachte sie mit dem schlimmsten Urteil, dass man über einen ambitioniertes Supersternchen treffen kann: "Mit dir verkauft man keine Platten."

Was die Jury so sagt, ist bei den Mottoshows allerdings nicht mehr wirklich wichtig - stimmt doch hier das Publikum für 50 Cent pro Anruf über Wohl und Wehe der Kandidaten ab. Darüber sollte man nicht traurig sein: Vor allem Henn entpuppt sich mehr und mehr als eine Light-Version von Rainer Calmund und gutmenschelt sich mit breitem, rheinischen Zungenschlag durch seine Empfehlungen. Seine Sätze beginnen meist fundamental ("Musik im allgemeinen..."), nur um kurz darauf nach einem wortgewaltigen Sinkflug geistige Bruchlandung zu nehmen ("...braucht Leute, die ihr Ding durchziehen"). Daneben wirkt Lukaseder mit ihren ewigen Anglizismen geradezu geistreich.

Die Favoriten der Jury

Dass die Juroren ihre festen Favoriten haben, zeigte der Auftritt von Lauren Talbot. Die 16 jährige aus Winsen erwischte einen denkbar schlechten Tag und interpretierte "I'm like a bird" von Nelly Furtado mit derart dünnen Stimmchen, dass es ihr beim Singen sogar selbst auffiel. Als wäre dies nie passiert, fabulierte Henn anschließend von einem "ungeschliffenen Diamanten" der sein von Gott gegebenes Geschenk nicht verschwenden solle, Lukaseder wollte ihr gar stundenlang zuhören. In diesem Moment konnte man Bohlen tatsächlich einmal dankbar sein. Er beendete die "Märchenstunde" und verwies darauf, dass in ihrem pinken Kleidchen zwar "süß wie Schneewittchen" sei, aber doch nur wenige Töne wirklich getroffen habe. Dafür brauchte Bohlen sicher keine Glaskugel, vielleicht hatte er sich nur als einziger der Jury-Mitglieder die Ohren gewaschen.

Einig war sich die Jury indes beim Auftritt von Jonathan Enns. Der unscheinbare Kölner hatte sich an dem Song "Angel" versucht und musste später selbst einsehen, dass ihn von Robin Williams doch mehr unterscheidet, als die tägliche Ration an Zigaretten und Espressi. Vielen galt der jüngere Bruder von Mit-Kandidat Thomas Enns ohnehin als Favorit für ein schnelles Ausscheiden. Schon in der Top-20-Show hatte es Wirbel um ihn gegeben, als er mit einem mauen Auftritt weiter kam, und nicht der deutlich professionellere Dennis Haberlach. BILD witterte sogar Schiebung, RTL habe ihn vielleicht durchrutschen lassen, um für den Spannungsbogen die Bruder-Konstellation aufrecht erhalten zu können

Die Entscheidung

Da es auch einige richtig gute Auftritte gab - etwa von Francisca Uri oder Mark Medlock - musste folgerichtig Jonathan Enns, als die Entscheidung anstand, gemeinsam mit Laura, sowie Julia Falke und Martin Stosch in den Showdown. Übrigens genau die vier Kandidaten, die der hellsichtige Bohlen in seiner Kritik besonders hart angefasst hatte. Als Moderator Marco Schreyl, sichtlich um Spannung bemüht nach unzähligen Atempausen Lauras Abschied verkündete, trug die es mit Fassung: "Ich bin glücklich, dabei gewesen zu sein und habe unheimlich viel mitgenommen aus der DSDS-Zeit."

Geld kann sie damit nicht meinen. Wie der Kölner Express in dieser Woche erfuhr, sollen die die zehn Finalisten gerade einmal 1600 Euro Aufwandsentschädigung von den millionenschweren DSDS-Umsätzen erhalten. Es ist das gewohnt harte Vertragswerk: Die Kandidaten müssen alle Gegenstände, die mit der Produktion zusammenhängen - also etwa Bilder, Fotos und schriftliche Aufzeichnungen - an die Produktionsfirma Grundy Light Entertainment abtreten und sich außerdem für drei Jahre an einen Pflicht-Manager binden. Bei RTL betont man, dass dieser Vertrag fair sein, da die Bedingungen schließlich vorher bekannt seien.

Erste CD Mitte März

Bekannt wurde jetzt auch, dass die erste gemeinsame Platte der Kandidaten bereits ab Mitte März - rund zwei Monate vor dem Finale - in die Läden kommen soll. Man muss kein Prophet sein, um den Erfolg des Tonträgers vorauszusagen - sechs Millionen Zuschauer vor dem Fernseher und ein Marktanteil von über 30 Prozent bei den 14 bis 49-Jährigen geben so eine Ahnung. Spannend bleibt natürlich dennoch, wer bei der nächsten Mottoshow sein Superstar-Leben aushauchen wird. Bohlen hat sich schon festgelegt: Es trifft Jonathan Enns. Und wer wollte schon an seinen Worten zweifeln?

Von Björn Erichsen
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
corehead (26.02.2007, 01:39 Uhr)
Singt Robin Williams wieder?
Oder meint der Autor den englischen Robbie Williams? Falls mal wieder eine Stelle als Online-Lektor bei stern.de frei wird, hätte ich den Job gerne. Genug Arbeit hätte ich.
Kathrein (25.02.2007, 22:56 Uhr)
RTL und DSDS
Und wieder einmal saßen Millionen vor den Bildschirmen und noch mehr Millionen saßen nicht davor, zwecks besserer Beschäftigung, oder weil sie weitaus interessantere Sendungen vorgezogen haben. Sollte in absehbarer Zeit eine Gebührenerhöhung anstehen, werde ich mir überlegen, mich bei der GEZ abzumelden und nur noch die Rundfunkgebühren für einen internetfährigen PC bezahlen.
dalefrur (25.02.2007, 22:14 Uhr)
DSDS: Dieters Statements dürften stimmen...
Er hat doch jede Menge Erfahrung und eben sehr oft recht! Also, man kann sich aufregen, man kann es aber auch sein lassen!
Und stimmt es etwa nicht, daß "Nett" die kleine Schwester von "Scheiße" ist?
Es gibt zwei Gründe, diese Show zu sehen: Neue gute SängerInnen zu hören und eben: "Bohlen haut wieder rein!"
havit (25.02.2007, 22:06 Uhr)
Gibt's noch was dümmeres
als DSDS. Kann nur Bohlen sein. Seit dem Überfall in Tötensen ist doch alles nur dümmer geworden bei ihm. Seine Sprüche, wenn es die nicht gäbe, was wäre dann Bohlen. Etwas intelligenter. Ist aber schon zu lange bei DSDS. Eigentlich schade, war früher gut, der Dieter.
michaalb (25.02.2007, 19:40 Uhr)
Nun mal s-achte!
Hallo Roland, als Passivkonsument von DSDS befürchte ich keine großen Gesundheitsschäden für mich. Ich lese ausschließlich die Pressemeldungen und lach' mich kringelig. Na ja - und totlachen werde ich mich trotz des größten Clowns Deutschlands, dem dummen Dieter, schon nicht. Zu Risiken des Aktivkonsums von DSDS kann ich keine Aussage treffen - gut möglich, dass ich mich da vorm Fernseher zu Tode langweilen würde.
Grüße
Micha
wurststurm (25.02.2007, 19:29 Uhr)
Bach runter
DSDS hatte früher doch stets um die 10-12 Millionen Zuschauer. Jetzt sind es höchstens noch die Hälfte, Tendenz abwärts. Und das mit der dicksten Reklame aus allen RTL und stern Rohren.
Trotzdem immer wieder nett zu lesen, wie stern und RTL das Ding hochschreiben wollen.
S-achte (25.02.2007, 17:36 Uhr)
Tötensen?
Prophet aus Tötensen? Wann tötensen?
Und wann gibt es endlich einen EU-Beschluß zur Verdammung der geistigen Vakuumgleiter vom Bildschirm! Ist weitaus gesundheitsschädlicher als Passivrauchen! Ehrlich!
Gruß
Roland
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