Die Konfetti-Kanonen feuern um kurz vor Mitternacht volles Rohr im Studio 53 in Köln-Ossendorf. Menowin Fröhlich lässt sich auf den mit Goldblättchen bedeckten Boden fallen und liegt Juryboss Dieter Bohlen weinend in den Armen: 16 Jahre nach seiner traumatischen Final-Niederlage gewinnt der Sänger endlich die RTL‑Show „Deutschland sucht den Superstar“ und findet einen tröstlichen Abschluss.
„Ich wollte dieses Kapitel einfach nur abschließen. Und es hat sich ausgezahlt“, sagt ein völlig in sich ruhender Sieger eine halbe Stunde nach dem Ende der Show der Deutschen Presse-Agentur. Die Mitarbeiter machen den Studioboden besenrein, die restlichen Kandidaten sind schon auf der After-Show-Party. Da erinnert sich Fröhlich noch einmal an seine DSDS‑Teilnahme 2010 – nach 2005 schon die zweite. Vor 21 Jahren schaffte er es in die Top 20 der Castingshow, musste dann aber aussteigen, weil er mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Wegen Körperverletzung und Betrugs wurde Fröhlich zu zwei Jahren Haft verurteilt.
2010 stand Menowin Fröhlich schon einmal im DSDS-Finale – und verlor
Im Jahr 2010 geht er als klarer Favorit ins Finale, gewinnt zuvor alle Liveshows, reißt bei der Verkündung schon die Arme in die Höhe – und verliert dann doch vollkommen überraschend gegen Mehrzad Marashi. Überschattet werden seine grandiosen Auftritte damals von Drogenskandalen und Gefängnisaufenthalten, die in den Medien immer wieder thematisiert werden. Das kostet ihn den Sieg.
„Es hat mir wehgetan“, sagt Fröhlich 16 Jahre später. „Ich habe mir oft die alten Videos angeguckt und gesehen, wie ich mit Menschen umgegangen bin, wie ich geredet und wie vielen Leuten ich vor den Kopf gestoßen habe. Ich hätte das damals auch schon gewinnen können, denke ich. Nur, dann wäre ich heute nicht mehr am Leben.“
Heute wirkt der 38-Jährige, der bald zum neunten Mal Vater wird, mit sich im Reinen. Er arbeite nach wie vor an seinen Macken und gehe zur Therapie. Und er will anderen Menschen zeigen, dass man nach Niederlagen wieder aufstehen kann. „Die Chance, die ich bekommen habe, habe ich wahrgenommen und ich muss niemandem mehr etwas beweisen – will ich auch nicht.“
Die über dreieinhalbstündige Liveshow, bei der auch Star-Geiger David Garrett, DSDS-Dauerkandidat Menderes und Dieter Bohlen höchstpersönlich mit „You’re My Heart, You're My Soul“ auftreten, hat natürlich noch mehr Geschichten zu bieten als die Wiederauferstehung Fröhlichs.
Die zweitplatzierte Constance Dizendorf aus dem Kreis Böblingen (Baden-Württemberg) mausert sich im Laufe der Staffel von einer schüchternen Teenagerin zu einem Billie-Eilish-Verschnitt und verzaubert mit ihrer Stimme nicht nur Rapper Bushido in der Jury.
Der Dritte Tyrell Hagedorn aus Oranienburg (Brandenburg) – für Bohlen das „Überraschungsei bei DSDS“ – singt sich als Sonnyboy mit Zahnpasta-Lächeln in die Herzen vieler Frauen (und auch Männer) und macht nebenbei noch sein Abitur. Auf den weiteren Plätzen landen Paco Simic aus Österreich und der in Koblenz lebende Abii Faizan.
Zum Casting kam Menowin Fröhlich mit seiner Tochter
Doch am Ende ist es vor allem die spannende Frage, ob Fröhlich nach 16 Jahren endlich sein TV-Trauma überwinden kann, das die Show bestimmt – vielleicht sogar die ganze Staffel. Schon beim Casting, bei dem der 38-Jährige eigentlich nur seine Tochter begleitet und am Ende selbst (angeblich spontan) vor dem Jury-Pult um die nächste Runde singt, bemerkt Bohlen: „Da haben wir natürlich einen absoluten Aufreger: Menowin is back.“
In sozialen Medien sprechen viele von einer Inszenierung und einem Regelbruch. Wer einmal in einer Liveshow gestanden habe, dürfe nicht erneut antreten. RTL bestreitet solch eine Regel.
Fröhlich bringt der Sieg einen Plattenvertrag und 100.000 Euro. Im Finale singt er Michael Jacksons „Billie Jean“ (wie schon 2010) und seinen eigenen Titel „Mercy On Me“. Dabei merkt man ihm den Spaß, den Willen und die Erfahrung deutlich an.
DSDS geht im kommenden Jahr mit der 23. Staffel weiter. In der Jury sitzen dann erneut Urgestein Bohlen, Ballermann-Sängerin Isi Glück und Bushido. Der Tochter von Menowin Fröhlich hat Dieter Bohlen bereits eine Wildcard angeboten. Die 17-Jährige konnte in dieser Staffel bei den Castings nicht überzeugen. Ihr Vater hingegen kam weiter – und ging nun als Sieger aus der Show hervor.
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