Bei "Deutschland sucht den Superstar" hat er Finalsieger Mark Medlock kritisiert und sich deswegen mit Dieter Bohlen angelegt. Im Gespräch mit stern.de erzählt Heinz Henn, weshalb er trotzdem bei der nächsten Staffel dabei sein will und warum er Zweifel hat, dass Medlock der große Durchbruch gelingen wird.

Heinz Henn, Musikmanager und "DSDS"-Juror© RTL
Das stimmt nicht ganz. Ich habe ihn ein- oder zweimal kritisiert, als seine Auftritte meiner Meinung nach nicht so gut waren, wie man das von einem Kandidaten erwarten konnte, der so weit kommt - aber er hat das Finale sicher zurecht für sich entschieden. Ich war nur überrascht über das deutliche Ergebnis, dass 78 Prozent für ihn angerufen haben.
Ich glaube, sein Album muss besser werden als der Siegertitel "Now Or Never", der mir überhaupt nicht gefallen hat. "I Can Reach Heaven From Here" von Martin Stosch ist für mich der bessere Song: eine klassische Popnummer. Mag sein, dass "Now Or Never" funktioniert, weil Dieter Bohlen sich sehr dafür einsetzt. Man darf aber eines nicht vergessen: Mark hat während er ganzen Staffel vor allem Soul gesungen. Ich will ihm nichts wegnehmen, er ist ein guter Sänger. Aber inwieweit Marks Stimme zu dem Pop passt, den Dieter produziert, wird sich zeigen müssen.
Ich habe mir schon Chancen für Max Buskohl und Lisa Bund ausgerechnet – obwohl ich geahnt habe, dass Max lieber mit seiner eigenen Band spielen wollte. Zwischendurch dachte ich: Vielleicht würde er das doch solo machen. Aber dann hat er ja die Notbremse gezogen.
Nein, denn dann wären ja die Quoten runter gegangen. Es war aber vielleicht ein deutliches Zeichen für alle Bewerber, die lieber mit ihrer Band Musik machen wollen, dass "DSDS" nichts für sie ist. Es steht von vornherein fest, dass wir einen Solokünstler suchen. Wer dazu nicht bereit ist, kann sich die Mühe sparen.
Ich habe gesagt, dass er unheimlich stolz darauf sein kann, so weit gekommen zu sein und sich in den Mottoshows immer weiter entwickelt zu haben. Und ich habe ihm gesagt, dass sein Song ein Hit ist. Ich hoffe, die Plattenfirma veröffentlicht den Titel mit ihm.
Mir geht das ja genauso: Nach der Show fällt man in ein riesiges Loch. Die ganze Arbeit, die ganze Spannung verursacht einen Adrenalinstoß. Wenn das vorbei ist, bricht man erst einmal zusammen. Und ich kann mir vorstellen, dass das bei den Kandidaten noch viel schlimmer ist. Vermutlich fällt es Martin, der ja trotz seines jungen Alters einen kühlen Kopf bewahren kann, leichter als Lisa, die damit ein größeres Problem hat. Sie hat gekämpft wie ein Löwe. Man konnte aber in ihrem Gesicht sehen, wie sehr sie das tatsächlich enttäuscht hat, als sie gehen musste.
Sicher, wir sind ja Wochen lang zusammen. Ab dem Recall fängt man an, sich stärker mit den Menschen zu beschäftigen, man lernt sie besser kennen und entwickelt Sympathien. Das geht ja nicht einfach so an einem vorbei. Als Laura Martin in der ersten Mottoshow gehen musste, hat mir das fast das Herz gebrochen. Genauso war das bei Francisca Urio.
Zur Person Heinz Henn, 52 Jahre, hat seine Karriere als Musikmanager bei der Plattenfirma EMI begonnen, für die er in den Niederlanden, Los Angeles und London gearbeitet hat. Anfang der 90er Jahre ging Henn zu BMG nach New York. Bis 1998 war er dort Senior Vice President. Inzwischen arbeitet er mit seiner Firma Henn Entertainment selbstständig. Bei "Deutschland sucht den Superstar" war er Jurymitglied in der dritten und vierten Staffel. Ist er auch bei der nächsten dabei, wäre das ein Rekord: länger hat es keiner neben Dieter Bohlen ausgehalten. Henn lebt mit seiner Familie in New York.