König Alltag

15. Oktober 2007, 09:16 Uhr

Das war's mit der täglichen halben Stunde Alltags-Comedy. Eine der beliebtesten US-Serienimporte geht zu Ende. Die letzte Folge "King of Queens" flimmert über den deutschen Bildschirm. Doch was macht den Reiz der Sitcom über einen Dicken mit miesem Job aus? Von Pia Röder

Jerry Stiller als Arthur Spooner, Kevin James als Doug Heffernan und Leah Remini als Carrie Heffernan (von links)©

Er ist nicht sonderlich schön, zu dick ist er auch. Es gibt einige die klüger sind als er und viel Geld verdient er mit seinem Paketdienst-Job auch nicht. Trotzdem liebt ihn seine Carrie. Die Schöne mit dem losen Mundwerk. Und nicht nur die. Doug Heffernan (gespielt von Kevin James, der zurzeit an der Seite von Adam Sandler in "Chuck und Larry" im Kino zu sehen ist) ist der Star der US-Sitcom "King of Queens" und Publikumsliebling seit am 26. März 2001 die erste Folge in Deutschland über den Bildschirm flimmerte.

Täglich schalten in Deutschland im Schnitt 1,3 Millionen Zuschauer ein und schauen zu wie Doug und seine Frau Carrie sich lieben, um das Kinoprogramm streiten, sich wegen Lappalien belügen und über Kollegen lästern. Ganz normaler Mittelstands-Wahnsinn. Kabel 1 sendet nun die letzte Folge der Kultserie. Nach sechs Jahren im Deutschen Fernsehen ist Schluss, trotz hervorragender Quote.

Doch was macht den Reiz der Serie aus? Was lockt Millionen Fernsehzuschauer am Vorabend - und seit neuestem auch zur Primetime - vor den Schirm? Seit zwei Wochen werden montags um 20.15 die Folgen der neunten, letzten Staffel ausgestrahlt. Bereits seit 1998 läuft das Format in den USA und erreichte Spitzeneinschaltquoten. Die 200. Folge sahen dort 13,4 Millionen Zuschauer. Irgendwas muss dran sein an dem Dicken und seiner Frau.

Der ganz normale Alltags-Wahnsinn

Die Geschichte ist genial simpel. Doug Heffernan ist das, was man wohl als den Prototypen des Normalos bezeichnen kann. Mit seiner treudoofen Art, seiner Leidenschaft für Burger und tendenzieller Fernsehsucht verkörpert er den Durchschnitts-Amerikaner im Mittelklasse-Wohnviertel Queens. Er fährt für den Lieferservice IPS täglich from nine to five Pakete aus und stoppt auf seiner Route nur zu gern an diversen Burger-Buden. Zu Hause schaut er entweder Football, isst, oder zankt sich mit seiner recht dominanten Frau Carrie.

Seit gut zwölf Jahren ist er mit ihr verheiratet. Eine bildhübsche Frau, die nicht auf den Mund gefallen und sich für keinen derben Spruch zu schade ist. Sie ist wie viele Frauen der Textilsucht verfallen, zwingt ihren Doug zu Diäten und kann es nicht leiden, wenn seine Kumpels die dreckigen Füße auf den Tisch legen.

Im Keller des ganz normalen Ehepaares haust Schwiegervater Arthur, verkörpert von Jerry Stiller, der Vater des US-Schauspielers Ben Stiller. Mit fast kindlicher Mentalität hält Arthur das Leben der beiden auf Trab und ist nicht mehr nur der heimliche Liebling der Fangemeinde. Um sich ein wenig Entspannung von dem eigensinnigen Alten zu schaffen, engagiert das Paar sogar eine Hundesitterin für ihn, die ihn wöchentlich "Gassi" führt. Der ganz normale Alltags-Wahnsinn eben.

Sendung über den banalen Alltag

Dr. Frank Hillebrandt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universität Münster erklärt im stern.de-Gespräch die große Beliebtheit der Serie so: "Das eigene Leben wird von jedem eigentlich als belanglos erachtet. Keiner würdigt die alltäglichen Prüfungen, die wir alle meistern. Da kommt uns eine Sendung gerade recht, die gerade das banale Tagesgeschäft mit allen Sorgen, Problemen und Fehlern zum Thema macht." Sich selbst wiederzufinden ist also das, was den Menschen vor den Fernseher lockt. Es ist scheinbar das Normale, der Alltag verpackt in irrwitzige Situationen, wie sie jeder auch selbst tagtäglich erleben kann.

"Kulturelle Repräsentation" nennt es der Experte. Man schaut Schauspielern zu wie sie sich mit denselben Situationen herumquälen wie wir. Sehen, dass sie Fehler machen und scheitern. "Man steht mit seiner Unvollkommenheit nicht alleine da. Das tut gut", so der Soziologe. Natürlich ist in der Serie alles überspitzt dargestellt. Selbst bei einer Katastrophe wie der 10.000 Euro teuren Sanierung des Hauses, jagt ein Gag den nächsten, während Handwerker mit Wodka bestochen werden.

Dem Alltag gehen die Gags aus

Doch kulturelle Repräsentation hin oder her. Warum lieben die Fans den King of Queens? Benjamin Bettels von www.kingofqueensworld.de, der größten Online-Fangemeinde im deutschsprachigen Raum, beschreibt es so: "Die Gags sind super und man kann sich einfach mit dem Dicken identifizieren. Ist eben wie das normale Leben." So sehen das auch die anderen Fans. "Irre komische" und "passend zu jeder Lebenssituation", sagen andere über ihre Lieblingsserie.

Und warum ist jetzt Schluss, wenn die Sendung das Format ist, das so gut zu den Bedürfnissen der Zuschauer passt? "King of Queens"-Hauptdarsteller Kevin James sagt: "Wir hatten einfach das Gefühl, dass jetzt die richtige Zeit ist, mit der Serie aufzuhören. Ab einem gewissen Zeitpunkt wiederholen sich die Geschichten." Läuft sich das Normale also müde? Ist der Alltag tatsächlich so eintönig, dass es irgendwann langweilig wird? Nein, meint Hillebrandt. "Der Alltag eröffnet ständig Neues. Spannender als jedes Fernsehprogramm. Aber die banalen Situationen komödiantisch auszuschöpfen, hat irgendwo seine Grenzen."

Das Finale Am 15. Oktober sendet Kabel 1 ab 20.15 Uhr ein "King of Queens"-Special und anschließend das Serienfinale. Die Wiederholungen kommen weiterhin montags bis freitags ab 18.15 Uhr als Doppelfolge.

KOMMENTARE (8 von 8)
 
crommer (17.10.2007, 23:18 Uhr)
@ nichtvergessen
Strunzdummer Kommentar. Verfolgen Sie zunächst zehn bis zwanzig Jahre Fernsehen. Dann urteilen. Das hier genannte Programm ist ziemlich weit unten angesiedelt. weit entfernt von Klasse. Aus der Sicht der RTLII Zuschauer natürlich großartig.
Viel Spaß mit richtigem Trash!
nichtvergessen (15.10.2007, 14:47 Uhr)
@crommer
Unterschichten Unterhaltung ? Nur weil man sowas von keine Ahnung hat, heisst dass nicht das man gleich frech werden muss.
crommer (15.10.2007, 14:12 Uhr)
Keine Spitzenklasse
King of Queens ist ganz nett gemacht, aber keine Spitzenklasse. Weit entfernt von der Klasse von z. B. "Frasier". Eher Unterschichten-Unterhaltung. Etwas krawallig und plump.
schoolar (15.10.2007, 12:52 Uhr)
Wenn schon
denn schon: Nicht nur der Arbeitgeber ist falsch benannt, auch ist Doug kein ausgewiesener Donut-, sondern Burger- und FastFood-Experte. Das mit den Donuts war die gelbe, dicke Zeichentrickfigur namens Homer Simpson...! ;-)
ganzbaf (15.10.2007, 12:27 Uhr)
Hillebrand hat keine Ahnung.
Das sind einfach "nur" saugute und intelligente Gags und saugute und intelligente Schauspieler.
+
Thats all
Bauzeichner (15.10.2007, 12:19 Uhr)
IPS!
Mensch, Stern. Man findet in euren Artikeln ständig mehr Rechtschreibfehler, Buchstabendreher und vor allem Ungenauigkeiten. Muss das sein? Bei Spiegel Online geht es ja auch.
Zurück zum Thema: IPS nennt sich Dougs Arbeitgeber.
Aenea (15.10.2007, 12:04 Uhr)
Dougs Arbeitgeber...
...ist nicht UPS sondern IPS. Immer diese Ungenauigkeiten...
nichtvergessen (15.10.2007, 11:52 Uhr)
Wenn es am schoensten ist
soll man aufhoeren. KOQ ist die Beste Sitcom ueberhaupt. Ein Jammer dass vor 7 Monaten die letzte Folge gedreht wurde. Anderseits geniest Kevin James jetzt seinen Kinoerfolg, wer wills Ihm verdenken ?
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