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ZDF-Show "Wetten, dass ..?": Abschiedsparty mit ungewissem Ausgang

Musik von seiner Lieblingband und jede Menge alte Bekannte auf der Couch: Thomas Gottschalk hat seine letzte reguläre "Wetten, dass ..?"-Show auch zu seiner persönlichen Abschiedsparty gemacht.

Von Björn Erichsen

Das ist sein Abend, auch wenn es anders klingt: "Das, was jetzt kommt, ist für euch - und auch ein klein wenig für mich", ruft Thomas Gottschalk. Eben hat der "Wetten, dass ..?"-Moderator seinen Vorgänger Frank Elstner angewiesen, sich um die Blumensträuße für die Damen zu kümmern, nun flüstert ihm Cindy aus Marzahn ins Ohr: "Bist 'ne coole Sau". Und schon hüpft er los durch die Stierkampfarena "Coliseo Balear", 10.000 Zuschauer, er tanzt, reißt die Arme hoch und klatscht. "Rockin' all over the World", röhren seine Kumpels von Status Quo. Jawohl, das hier ist die Abschiedsparty von "Wetten, dass ..?"-Moderator Thomas Gottschalk, kein Mann, der leise geht. Ganz im Gegenteil.

Und eigentlich geht er ja auch noch gar nicht. Es wird noch drei "Wetten, dass ..?"-Sendungen mit Gottschalk geben. Für die Verwirrung hatte er bei seiner Abschiedsrede selbst gesorgt, als er meinte, das traditionelle "Sommer-Special" aus Palma de Mallorca sei für ihn der Endpunkt. Doch in Wirklichkeit wird er erst im Dezember seine letzte Sendung moderieren, da gab es auch noch laufende Verträge. Trotzdem war klar, dass diese letzte Sendung, die der 61-Jährige aus Mallorca moderiert, ein persönliches Abschiedsfest für ihn sein soll.

Neben seiner Lieblingsband hat Gottschalk daher auch eine Reihe von alten Bekannten eingeladen: Dieter Bohlen und Heidi Klum dürfen mit auf die Couch, im Publikum Leute wie Jürgen Drews, Costa Cordalis, Marianne und Michael oder auch Frank Elstner. Für den ebenfalls nötigen Glanz und Glamour sorgen andere: Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, Kevin James, Cameron Diaz und vor allem: Jennifer Lopez, "gerade erst vom 'People-Magazine' zur schönsten Frau der Welt gewählt worden", das erzählt Gottschalk gleich ein paar Mal.

Eine der besten Shows seit Langem

Schon zu Beginn gibt es den großen Auftritt: Der Entertainer fährt an der Spitze einer Harley-Kolonne in die Stierkampfarena ein, Michelle Hunziker auf dem Sozius, getarnt als Rockerbrautatrappe mit Nietengurt und schmaler Lederweste. Gottschalks Outfit dagegen extrem leger: heller Dress, leichte Baumwolle, zwei Ketten um den Hals, dazu ein beige-farbener Umhang Marke Obi-Wan Kenobi. Trotz des zur Schau getragenen Dandytums muss man Gottschalk eines lassen: Seine persönliche Abschiedsparty ist so ganz nebenbei eine höchstunterhaltsame "Wetten, dass ..?"-Sendung, eine der besten Shows seit Langem.

Vielleicht liegt es an den milden Temperaturen, aber fast alle Beteiligten der Sendung wirken extrem entspannt, Gottschalk vorneweg. Von den sonst so unsäglichen Couch-Gesprächen bleibt sogar etwas hängen: Bohlen zum fünften Mal Vater, Gottschalk gerade Großvater geworden, und Cameron Diaz ist doch nicht wieder Single. Dafür will sie aber mit Kevin James einen Film drehen. Aus der Reihe fällt nur Jennifer Lopez: Die verlässt die Sendung nach ihrem Auftritt und einer Höflichkeitsviertelstunde auf der Couch. Was bleibt da hängen? Als American-Idol-Jurorin kennt sie zwar den Kollegen Dieter Bohlen - weiß aber nicht, wer Status Quo ist.

"Nun hört aber auf, sonst fängt Bohlen an zu singen"

Das Publikum hat trotzdem seinen Spaß: Vor allem als dem Moderator nach rund einer Stunde die Show mal kurzzeitig entgleitet. Das Publikum johlt, feiert sich selbst und schickt eine "La Ola" nach der nächsten auf die Arena-Runde. "Nun hört aber auf, sonst fängt Dieter Bohlen gleich an zu singen", ulkt Gottschalk und ist erstmal baff, als die Menge plötzlich "Dieter, Dieter" skandiert. Als Bohlen tatsächlich aufsteht, wird es ruhig. Persönliche Autorität? Oder doch eher die Furcht vor seinem Gesang? Egal: "Ich habe einen würdigen Nachfolger", berappelt sich Gottschalk wieder, "wenn es einer schafft, dann er."

Das ist natürlich nicht ernst gemeint, das pikante Thema Nachfolge spart Gottschalk am Samstagabend bewusst aus. Seine eigene Position ist ja komfortabel: Er kann sich entscheiden, ob er künftig bei ARD oder ZDF anheuert, beide hätten Angebote vorgelegt. Und natürlich genießt Gottschalk auch die Hymnen mancher Kritiker, die ihn lange Jahre bretthart attackierten und nun der Wehmut verfallen sind: "Wer außer Gottschalk könnte es?", so die große Frage. Über die Diskussion um Leute wie Hape Kerkeling oder Anke Engelke hat sich längst eine große Angst gelegt: Vielleicht macht es ja Jörg Pilawa.

Nicht weniger erschreckend die Wette von Philipe Tagogdoy. Den 42-jährigen Philippiner hatte eine Zuschauerin bei einem Urlaub auf der Insel Bohol aufgespürt. Sein Talent besteht darin, innerhalb von Sekunden eine normal harte Kokosnuss mit den Zähnen zu schälen. Stellen Sie sich am besten ein hungriges Wildschwein und eine Melone vor. Allein die entsetzten Blicke in der Arena während des Schälprozesses waren das Einschalten am Samstagabend wert. "Das ist seit 16 Jahren sein Beruf", erklärt seine Dolmetscherin. "Für die Touristen schält er gut ein Dutzend Nüsse pro Tag." Stückpreis 1,20 Euro. Leider wählen die Zuschauer nicht den armen Philipe zum Wettkönig sondern mit hauchdünnem Vorsprung einen Tanzlehrer, der im Handstand mit den Füßen Plastikeiswürfel in ein überdimensioniertes Cocktailglas schleudert.

"Deine Schnauze habe ich nie gehabt"

Eine schöne Geste kurz vor Schluss: Frank Elstner, Erfinder und erster Moderator der Show darf die letzte Wette moderieren. Und wie sich das für "Wetten, dass ..?" gehört, ist das natürlich eine Baggerwette, die beiden Baumaschinen spielen Ping Pong. Es ist wie ein Flashback in die 80er-Jahre: "Wie geht das?", "Wie lange haben sie trainiert?", "Was ist mit der Technik?" - unglaublich, was Elstner alles wissen will. Gottschalk dagegen vergisst ja auch gern mal die Namen der Kandidaten noch während der Wette. Nach Komplimenten fischen darf er trotzdem, an "seinem" Abend: "Was wäre wohl aus der Show geworden, wenn du sie modriert hättest", fragt Gottschalk ebenso scheinheilig wie rhetorisch: "Die wär' bestimmt nicht so lustig geworden, denn deine Schnauze habe ich nie gehabt", schmeichelt Elstner.

Mit "Rockin All Over The World" findet die Abschiedsparty gegen 23 Uhr schließlich ihr Ende. Die Abschiedstournee von Thomas Gottschalk wird weitergehen: Drei "Wetten, das ..?"-Sendungen stehen noch aus, in Nürnberg, Leipzig, und Friedrichshafen. Ganz normale Sendungen wohl, nur das speziell an drei Jahrzehnte Wettgeschichte erinnert wird. Gottschalk wird sich sicher noch ein wenig feiern lassen, auch zu Recht für seine Verdienste. Und würde es eigentlich irgendjemanden wundern, wenn Gottschalk Ende des Jahres doch weitermacht? Das würde er bestimmt auch für uns tun, und nur ein klein wenig für sich.