Kevin Spacey prangert Zustand des Fernsehens an

27. August 2013, 18:45 Uhr

Vor Branchenvertretern kritisierte Kevin Spacey den Zustand des Fernsehens und hielt ein flammendes Plädoyer für Kreativität und Qualität. Für die heftige Kritik erhielt er sogar Applaus.

Kevin Spacey, Fernsehen, Serie, House of Cards

Ein vehementer Streiter für Qualität: Schauspieler Kevin Spacey©

Beeindruckender Auftritt von Kevin Spacey: Der Schauspieler hielt eine Rede im Rahmen des Edinburgh International Television Festivals - und las den versammelten Fernsehleuten gehörig die Leviten. Mehr als 40 Minuten lang sprach er über den Zustand des Fernsehens. Und der ist in seinen Augen alles andere als erfreulich.

Spacey schilderte zunächst seine eigenen Fernseherfahrungen aus früheren Zeiten: "Ich habe mich damals gefragt, wer eigentlich all diese Anzugträger sind, die rund um die Kamera stehen und ständig fragen, warum meine Haare denn so aussehen würden wie sie aussehen (...). Das waren nicht die Regisseure oder Autoren - das waren Menschen vom Sender. Sie wollen bei allen kreativen Entscheidungen ihre Finger im Spiel haben und haben grundsätzlich eine Meinung zu allem." Das sei für ihn zu viel gewesen: "Obwohl ich gerade erst mit Fernsehen angefangen hatte, war mir sofort klar, dass ich diese Erfahrung nicht bei der täglichen Arbeit ertragen würde."

Die Sender mit ihren Markforschungen sieht er als Bedenkenträger und Kreativitätsbremsen. Die Könige des Fernsehens seien die Kreativen: "Unsere Herausforderung ist, diese Flamme der Kreativität am Brennen zu halten."

Damit Fernsehen eine Zukunft habe, müsse man sich an den Bedürfnissen des Publikums orientieren: "Gebt den Menschen, was sie wollen, wann sie es wollen, in der Form in der sie es wollen - zu einem vernünftigen Preis. Und sie werden eher bereit sein dafür zu zahlen als es zu stehlen." Immer wieder zog er Beispiele aus der für neun Emmys nominierten Serie "House of Cards" heran, die der Streaming-Dienst Netflix produziert hat und bei der Spacey die Hauptrolle spielt.

Schließlich widerlegte Spacey noch die Mär von der immer geringer werdenden Aufmerksamkeitsspanne und brach eine Lanze fürs Binge-Watching: "Aber wenn jemand eine ganze Serien-Staffel an einem Tag schaut, ist das nicht eine unglaubliche Aufmerksamkeitsspanne? Wenn die Geschichte stimmt, dann schauen die Leute auch etwas, was dreimal so lang ist wie eine Oper."

Für die Schelte erhielt Spacey stehende Ovationen. Und auch außerhalb der Branche kam die Rede gut an: Ein fünfminütiger Zusammenschnitt wurde auf Youtube sahen rund 700.000 Menschen. Und die vollständige, 46 Minuten lange Version wurde immerhin schon 17.000 Mal angeklickt. Die Menschen mögen ganz offensichtlich Klartext.

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