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In einem Fall freigesprochen Kevin Spacey: Machtmissbrauch, Belästigung, Pornos – die lange Liste an Vorwürfen

Kevin Spacey
Kevin Spacey kann sich über einen Sieg vor Gericht in New York freuen
© Yuki IWAMURA / AFP
Eine US-Jury hat den Hollywood-Star Kevin Spacey in einem Zivilprozess von Vorwürfen sexueller Übergriffe freigesprochen. Diese Anschuldigungen werden sonst noch gegen den Schauspieler erhoben. 

Vor Gericht in New York hat Kevin Spacey einen Erfolg erzielt. Eine US-Jury hat den Hollywood-Star in einem Zivilprozess von den Vorwürfen sexueller Übergriffe freigesprochen. Spacey habe den Schauspieler Anthony Rapp 1986 nicht sexuell belästigt, entschieden die Geschworenen am Donnerstag nach Angaben des Gerichts in New York.

Kevin Spacey: Auch in Großbritannien gibt es Gerichtsfälle

Rapps Vorwürfe traten vor einigen Jahren eine Welle von Anschuldigungen gegen den "House of Cards"-Star los. Ein Überblick.

Nachdem Rapp 2017 zum ersten Mal über Spacey sprach, wies dieser die Vorwürfe etwas schwammig zurück und gab gleichzeitig bekannt, homosexuell zu sein. "Wenn ich mich damals so verhalten habe, wie er es beschreibt, schulde ich ihm die aufrichtigste Entschuldigung für ein zutiefst unangemessenes Verhalten im betrunkenen Zustand, und es tut mir leid für die Gefühle, die er all die Jahre mit sich herumgetragen hat", sagte er. Wenig später wurde er von verschiedenen Engagements gefeuert. 

Spaceys Rechtsstreit in New York wurde nun in seinem Sinne entschieden. In Großbritannien läuft derweil noch ein weiteres Verfahren. Im Sommer erschien Spacey dort mehrfach vor Gericht und bestritt Vorwürfe sexualisierter Gewalt. Drei Männer werfen ihm sexuelle Belästigung vor, ein weiterer beschuldigt den Schauspieler, ihn zu "penetrierenden sexuellen Aktivitäten" gezwungen zu haben. Bei den mutmaßlichen Taten geht es um Vorfälle aus den Jahren 2005, 2008 und 2013. 

Weitere Vorwürfe

Im Zuge der "MeToo"-Debatte kamen weitere Anschuldigungen ans Licht. Mehrere Männer erzählten von ihren Erfahrungen und berichteten von mutmaßlichen Fehltritten des Hollywoodstars. Viele von ihnen blieben anonym. Einer der Männer verriet dem Magazin "Vulture", er habe mit Spacey eine Beziehung geführt als er 14 und Spacey 24 Jahre alt war. Das Verhältnis sei erst einvernehmlich gewesen, am Ende habe Spacey ihn jedoch versucht, zu vergewaltigen. Spaceys Anwalt dementiert die Vorwürfe. Der Mann wurde im vergangenen Jahr aus dem New Yorker Prozess gestrichen, weil er weiterhin anonym bleiben wollte.

Im Gespräch mit der BBC erzählte ein weiterer Mann, der ebenfalls anonym bleiben will, er habe Spacey in einem Theater kennengelernt, als er 17 und der Star 20 war. Spacey habe unerwünschte Avancen gemacht, als der Mann bei ihm zu Gast in New York war. Nachdem er sich entschloss, auf dem Sofa zu schlafen, sei er aufgewacht und habe gemerkt, dass Spacey "in seiner Unterwäsche" auf ihm lag. Anschließend sei Spacey zurückgewichen. 

Auch eine Frau wirft dem Schauspieler Fehlverhalten vor. Die britische Schauspiellehrerin Kate Edwards erzählte ebenfalls der BBC, Spacey habe sie zum Sex gedrängt und sei kühl geworden, nachdem sie sich gewehrt hatte. 

Justin Dawes berichtete "Buzzfeed", er habe Spacey als High-School-Schüler kennengelernt und sei interessiert daran gewesen, ebenfalls in die Schauspielerei zu gehen. Er sei 16, Spacey 29 gewesen, als er den Schauspieler gemeinsam mit einem Freund besucht hatte. Spacey habe für die beiden Jungs Schwulen-Pornos gespielt. Er habe sich manipuliert gefühlt, sagte Dawes "Buzzfeed". Auch er hat im Zuge des New Yorker Falles ausgesagt.

In Los Angeles wurden 2018 Ermittlungen aufgenommen, nachdem ein Mann – anonym – aussagte, Spacey sei ihm gegenüber sexuell übergriffig gewesen. Eine Klage wurde nicht erhoben, weil der mutmaßliche Vorfall bereits zu weit in der Vergangenheit liege. 

Mutmaßlicher Missbrauch und Belästigung

Ebenfalls anonym blieb ein Filmemacher, der Spacey am Set von "Albino Alligator" 1995 kennenlernte. Er sei damals 22 Jahre alt gewesen und Spacey habe Regie geführt. Der BBC erzählte er, Spacey habe ihn am letzten Drehtag unsittlich am Oberschenkel berührt. Seine Hand sei immer weiter Richtung Innenschenkel gewandert. "Ich bekam die Aufmerksamkeit der mächtigsten Person am Filmset, und ich wollte in Hollywood arbeiten. Aber es war ein Interesse, das mich völlig verunsichert, unbehaglich und verwirrt hat ... Ich fühlte mich belästigt, sexuell belästigt", erklärte er dem britischen Sender. 

Als Mark Ebenhoch beratend für einen Spacey-Film arbeitete, lernte er, dass Spacey die männlichen Assistenten offenbar seinen "Harem" nannte. Auch Ebenhoch sei zu einem "sexuellen Akt" mit Spacey gebeten worden, habe aber abgelehnt. "Buzzfeed" berichtete. 

"Buzzfeed" sprach außerdem mit einem britischen Journalisten, der behauptet, Spacey habe ihm an die Genitalien gefasst. Als er das Weite gesucht habe, soll Spacey ihn angeschrien haben. "Er sagte tatsächlich, dass ich es gewollt habe und dass ich ein Feigling sei. Das war eine Taktik. Es war unglaublich", so der Journalist. Im Herbst 2018 behauptete ein Masseur, Spacey habe ihn zweimal an die Genitalien gefasst. Er klagte gegen den Schauspieler, starb jedoch im September 2019, sodass der Fall nie weiter untersucht wurde. 

Ähnliche Vorwürfe erhob auch Ari Behn, der mittlerweile verstorbene Ex-Mann von Prinzessin Märtha Louise. Auch er sagte, Spacey habe ihn bei einer Veranstaltung unter dem Tisch an die Weichteile gefasst. Der Schauspieler Harry Dreyfuss nannte Spacey gegenüber "Buzzfeed" einen "Sexualstraftäter". Spacey habe ihn bei einer Probe unsittlich berührt, als er gerade mal 18 Jahre alt war. "Was mich an Kevin abstößt, ist, wie sicher er sich fühlte", sagte er. "Er wusste, dass er mich in einem Raum mit meinem Vater befummeln konnte und dass ich kein Wort sagen würde. Er wusste, dass ich nicht den Mut dazu gehabt hätte. Und das habe ich nicht."

Ein anonymes mutmaßliches Opfer sagte 2017 laut "The Sun" aus, er habe mit Spacey gekifft, schließlich seien die beiden eingeschlafen. Als er aufwachte, soll der sehr viel ältere Schauspieler mit ihm Oralsex gehabt haben. "The Sun" druckte außerdem die Anschuldigungen eines britischen Kellners, der aussagte, Spacey habe ihm vor einer Bar seinen Penis gezeigt und gesagt "Er ist groß, oder?". Anschließend habe der Hollywoodstar ihm seine Uhr geschenkt. 

"Toxisches Verhalten" am Set von "House of Cards"

Zahlreiche der Vorwürfe gegen Kevin Spacey beziehen sich auf die Zeit des Schauspielers am Londoner "Old Vic Theater". 2017 schrieb Schauspieler Robert Cavazos laut "Mashable" auf Facebook: "Es gibt viele von uns, die eine 'Kevin Spacey Geschichte' haben. Es scheint, als müsste man nur ein Mann unter 30 sein, damit er sich frei fühlt, uns zu berühren." Mindestens 20 Männer erhoben in diesem Zuge Vorwürfe, das "Old Vic Theater" entschuldigte sich öffentlich und engagierte eine Kanzlei, die ermittelte. 

Heather Unruh, eine amerikanische Moderatorin, behauptete ebenfalls 2017, Spacey habe ihren damals 18-jährigen Sohn sexuell belästigt, nachdem er ihm vorher einen Drink nach dem anderen spendiert haben soll. Spacey Anwälte bezeichnete die Interaktion als "einvernehmliches Flirten". Der Sohn der Moderatorin ließ seine Klage fallen. 

Im Zentrum der Berichterstattung über Spacey stand auch sein mutmaßliches Verhalten am Set der Erfolgsserie "House of Cards". Gleich acht Mitarbeiter berichteten CNN 2017 von Spaceys mutmaßlichem Fehlverhalten. "Er war ein Mann in einer sehr mächtigen Position bei der Serie und ich war jemand, der ganz unten am Totempfahl und in der Nahrungskette stand", berichtete ein Set-Assistent. "Es war ein toxisches Umfeld für junge Männer, die mit ihm zu tun hatten, in der Crew, der Besetzung, den Hintergrunddarstellern." Ein Streitschlichter hatte der zuständigen Produktionsfirma MRC im Jahr 2020 31 Millionen Dollar zugesprochen. MRC hatte Spacey nach dem Bekanntwerden von Vorwürfen sexueller Übergriffe gefeuert und daraufhin die sechste Staffel von "House of Cards" komplett umschreiben müssen. 

Kevin Spacey weist die Anschuldigungen gegen sich zurück. 

Verwendete Quellen: "Vulture" / "Buzzfeed" / "Buzzfeed" / BBC / BBC / "The Sun" / "The Sun" / "Mashable" / "Boston Globe" / AFP

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