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Netflix-Doku "Untold: Breaking Point" Mardy Fish spielte gegen Federer und Nadal – doch seine Dämonen wurden zu den wahren Gegnern

Mardy Fish
Mardy Fish erzählt in der Netflix-Doku "Untold: Breaking Point" seine Geschichte
© Courtesy of / Netflix
Die Netflix-Doku "Untold: Breaking Point" erzählt die Geschichte von Mardy Fish, einem ehemaligen Tennisspieler, der gegen die Größten des Sports spielte, bis seine Gesundheit die Karriere beendete.

"Kein Jammern, kein Klagen, keine Fluchtwege" – so heißt es in dem Trainingsvideo, das am Anfang der Netflix-Doku "Untold: Breaking Point" zu sehen ist und das jungen, aufstrebenden Tennistalenten in den USA gezeigt wurde.

Mit diesem Mantra sollte sichergestellt werden, dass die USA den Tennissport Anfang der Nullerjahre wieder dominieren würden. Andre Agassi, Pete Sampras oder auch John McEnroe hatten ihre größten Triumphe fast hinter sich, die nächste Generation musste her.

"Untold: Breaking Point": Doku über Mardy Fish bei Netflix

Ein Talent unter vielen war Mardy Fish, der zur gleichen Zeit wie Grand-Slam-Sieger Andy Roddick seine Karriere begann. Anders als bei Roddick war Fishs Trainern nicht direkt klar, wie talentiert ihr Schützling ist. Er war außerordentlich gut, aber eben kein Wunderkind wie Roddick. Doch die beiden Jungen freundeten sich an, waren einander so eng wie Brüder und in ihrem Sport jahrelang die erbittertsten Konkurrenten. Der überlegene Roddick gewann einmal die US Open, Fish schaffte es unter die Top Ten der besten Spieler der Welt – bis er zusammenbrach. 

Fishs Geschichte steht symbolisch dafür, was im Profisport schiefgehen kann, wenn jungen Menschen eingebläut wird, Klagen sei etwas für Verlierer. Der größte Wendepunkt in seinem Leben waren die US Open 2012, als er auf dem Weg ins Arthur Ashe Stadium entschied, nicht zu spielen. Sein Gegner wäre der beste Tennisspieler aller Zeiten gewesen: Roger Federer. Doch es war vermutlich gleich, wer auf der anderen Seite des Netzes gestanden hätte. Es waren die Dämonen in Fishs Kopf, wie er es selbst beschreibt, gegen die er nicht mehr ankommen konnte. 

Mentale Gesundheit im Fokus

Seine Ärzte diagnostizierten den Sportler mit einer schweren Angststörung und Depressionen. Rund ein Jahr lang verließ der Amerikaner sein Haus nicht mehr. Ob er ohne Medikamente und ohne Therapie noch am Leben wäre, weiß Fish heute nicht mehr. 

Netflix-Doku "Untold: Breaking Point": Mardy Fish spielte gegen Federer und Nadal – doch seine Dämonen wurden zu den wahren Gegnern

Die Dokumentation kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt. Denn mehr und mehr steht das Thema mentale Gesundheit im Fokus, auch im Profisport. Und doch scheinen noch nicht alle Experten und Fans verstanden zu haben, wie wichtig es ist. Als Naomi Osaka im Frühjahr die Pressekonferenzen bei den French Open boykottierte, gab es Stimmen, die ihr vorwarfen, nicht Profi genug zu sein. Der Tennissport ist hart, der Erfolg fordert seinen Tribut, der krankmachen kann. Denn wer an die Spitze will, darf an nichts anderes denken als den Sieg.

Ein einsamer Sport

Ein Zustand, der besonders im Tennis zu Einsamkeit führen kann. Die Spieler und Spielerinnen stehen alleine auf dem Platz, haben keine Mannschaft, sind das ganze Jahr auf Reisen. Während die Erfolgreichsten unter ihnen es sich leisten können, mit der Familie von Turnier zu Turnier zu fliegen, können das nicht alle finanzieren. Kurze Zeit, nachdem Osaka die Gemüter mancher Experten erregt hatte, offenbarte die junge Japanerin, unter depressiven Phasen zu leiden.

Mardy Fish gibt offen zu, dass es ihm enorm geholfen habe, nach seinem US-Open-Abbruch über seine Gefühlslage zu sprechen. Während seiner aktiven Karriere wäre das aller Wahrscheinlichkeit nach undenkbar gewesen. Umso wichtiger sind sein Beispiel und seine Offenheit heute. Ergänzt werden Fishs Erzählungen von Einblicken seines Freundes und Ex-Kollegen Andy Roddick. "Untold: Breaking Point" ist eine spannende Doku, berührend und fesselnd zugleich. Sie gibt einen unvergleichlichen Einblick in den Alltag eines Profitennisspielers.

Sie haben das Gefühl, Sie oder eine nahestehende Person könnten an einer Depression erkrankt sein? Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet dafür einen Selbsttest an. Den Link dazu finden Sie hier

Die Deutsche Depressionshilfe bietet außerdem Informationsmaterial, Anlaufstellen und Rat an.


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