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Raabs späte Rache an "Bild" und Co.

Noch im Abgang schlägt er der von ihm verhassten Boulevardpresse ein Schnippchen: Stefan Raab verkündete sein TV-Aus am Mittwochabend. Zu spät für "Bunte" und "Gala" - und Anlass für Sonderschichten bei "Bild".

Von Jens Maier

Stefan Raab in Siegerpose

Siegerfaust: Stefan Raab in seiner Show "Schlag den Raab". Motto seines Rücktritts war eher schlag die Presse.

Über sein Privatleben spricht er nicht. Nie. Wer es auf Pressekonferenzen wagt, auch nur eine Frage in diese Richtung zu stellen, wird mit Ignoranz bestraft. Und noch schlimmer. Solche Journalisten merkt er sich - und Stefan Raab hat ein Elefantengedächtnis. Reporter, die versuchen, etwas über sein Umfeld, seine Frau, seinen Wohnort herauszufinden, kommen auf die schwarze Liste. Das ist dann ungefähr so, als habe man beim Bankett mit der Queen silberne Löffel geklaut. Die Folge: Persona non grata im Raab-Imperium - für immer. 


Stefan Raabs Rücktrittsankündigung kam am Mittwochabend um 22.11 Uhr und damit fast so beiläufig wie die Ergebnisse der Frauen-Fußball-WM. Die Knallermeldung des Tages um diese Uhrzeit? Warum so spät? "Das war für alle der richtige Zeitpunkt", sagte der stellvertretende ProSieben-Geschäftsführer Christof Körfer dem stern lapidar. Doch der Zeitpunkt scheint von Raab und seinen Truppen mit Bedacht gewählt worden zu sein. Es war offenbar seine späte Rache an den von ihm verhassten Boulevardmedien.

"Bild"-Ausgabe vom Donnerstag

Ohne Raab: eine "Bild"-Ausgabe vom Donnerstag. In später gedruckten Versionen ist die Nachricht vom Rücktritt des Moderators der Titel.

Für "Bunte" und "Gala", die beide am Donnerstag erscheinen, kam die Meldung ohnehin zu spät, um sie noch aufgreifen zu können. Für viele Tageszeitungen ebenfalls. Auch die "Bild"-Zeitung, erklärter Intimfeind Raabs, kam in Bedrängnis. Die Donnerstagsausgabe war eigentlich schon fertig. "Falsche Lehrerin kassierte 221.000 Euro ab" die große Schlagzeile auf dem Titel. Und dann kam - völlig unerwartet - Raab.

Raabs Fehde mit "Bild" beginnt 2004

"Ich habe nichts gegen Boulevardjournalismus, ich sehe das sportlich. Aber Sportlichkeit ist nur so lange vertretbar, wie keiner foult oder unanständig wird, und das ist hier leider der Fall", sagte Stefan Raab 2004. Es war der Beginn seiner Fehde mit "Bild". Damals kürte Raab Sänger Max Mutzke in seiner "TV Total"-Show zum deutschen Teilnehmer für den Eurovision Song Contest. Wochenlang hatte das Boulevardblatt seinen Schützling ignoriert, um dann eine hanebüchene Geschichte aufzutischen:  "Grand-Prix-Max als Zechpreller überführt". Zu viel für Raab. Und das Ende jedweder Zusammenarbeit mit "Bild". 


Und noch mehr. Stefan Raabs Verhältnis zu Presse und Medien darf fortan wohl als gestört bezeichnet werden. "Von welchem Medium sind Sie?", war stets die erste Gegenfrage an Journalisten. Von ihm verhassten Blättern sagte er meist gar nichts. Doch sein Misstrauen galt auch den sogenannten Qualitätsmedien, wie 2011 in einem legendären Wut-Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" deutlich wurde. "Da sehen Sie, wie groß der Unterschied zwischen der veröffentlichten und der öffentlichen Meinung ist", antwortete er auf die Kritik an seiner Sendung "Unser Song für Deutschland". Ein vernichtendes Urteil. 

Mit Lisa Loch nicht zimperlich, mit sich selbst schon


Sein Dogma, nichts über sein Privatleben preiszugeben, wurde von den meisten Journalisten akzeptiert. Recht passen wollte es nie. Ausgerechnet er, der in seiner Sendung "TV Total" wildfremde Menschen wie Lisa Loch durch den Kakao zog, zeigte sich bei Details aus seinem eigenen Umfeld als empfindlich und sensibel, sogar nachtragend. Paradox. Aber so tickt er eben, der medienscheue Stefan Raab. 

Auch im Rücktritt stellt er seine Abneigung gegenüber "Bild" noch einmal unter Beweis. Als um 22.11 Uhr bei ProSieben in München jemand auf den Knopf drückte, um die Pressemitteilung herauszugeben, muss Raab in Köln schallend gelacht haben. Bei "Bild" mussten sie den Redaktionsschluss nach hinten schieben, um die Story in der Donnerstagsausgabe noch mitzunehmen. In vielen Ausgaben taucht das Thema des Tages heute gar nicht auf. Ein Schlitzohr, dieser Herr Raab.

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