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Gaddafis Sohn war das Vorbild für den Mädchenmörder

Im "Tatort" aus Luzern bissen sich die Ermittler an der diplomatischen Immunität die Zähne aus. Der im Hotel untergeschlüpfte "Sohn des Emirs" hat ein reales Vorbild: Hannibal al-Gaddafi.

Vorbild für den Tatort: Hannibal Gaddafi

Sein Fall war Vorbild für den "Tatort" aus Luzern: Hannibal Gaddafi

Dieser Fall löste eine internationale Krise aus und ging als "Libyen-Affäre" in die Geschichte ein: Am 15. Juli 2008 wurde Hannibal al-Gaddafi in einem Genfer Luxushotel "Président Wilson" verhaftet. Der Sohn des damals regierenden libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi war am 2. Juli mit Ehefrau und Sohn in die Schweiz gereist und hatte dabei einen Tross von zwei Leibwächtern, drei Ärzten und zwei Hausangestellten mitgebracht. Um seinen Hofstaat unterzubringen, hatte al-Gaddafi insgesamt zehn Suiten angemietet.

Am 12. Juli zeigten die beiden Hausangestellten bei der Genfer Polizei telefonisch  Hannibal al-Gaddafi und seine Ehefrau Aline an. Der Vorwurf lautete auf schwere Misshandlungen. Ein von der Polizei gerufener Arzt stellte frische Verletzungen fest, der Mann und die Frau kehrten nicht wieder ins Hotel zurück.

Als drei Tage später Polizisten Gaddafi im Hotel aufsuchen wollten, versperrten ihnen Bodyguards den Weg, schließlich rückten 20 Beamten an, stürmten die Suite und führten Hannibal in Handschellen ab.

Den "Tatort"-Ermittlern sind die Hände gebunden

So viel Rückhalt hatten die Luzerner "Tatort"-Ermittler Ritschard und Flückiger am Sonntagabend nicht. Sie bissen sich die Zähne aus bei dem Versuch, den "Sohn des Emirs" zu verhören. Der war dringend tatverdächtig, seine Freundin und Mitschülerin umgebracht zu haben - und hatte bei seinem Bruder Zuflucht genommen, dem Minister eines arabischen Landes. Genau wie im realen Vorbild hatte der Staatsmann die Suite in einem Luzerner Hotel gemietet und sie durch Bodyguards abschotten lassen.

Anders als in der wahren Geschichte 2008 hatte die Luzerner Mordkommission im "Tatort" gerade nicht die Rückendeckung der Bundespolizei - so kam der Sohn des Emirs letztlich straffrei davon. Obwohl er ein Geständnis abgeliefert hatte.

Ganz anders verlief der Fall der Gaddafis. Die mussten tatsächlich zwei Nächte im Gefängnis verbringen und wurden dann auf Kaution freigelassen. Einer Verurteilung entkamen sie dennoch, denn der Fall zog internationale Verwicklungen nach sich: Als in Libyen zwei Schweizer Geschäftsleute verhaftet wurden - auch auf diesen Fall spielt der "Tatort" an -, zogen die Hausangestellten ihre Anzeige gegen das Ehepaar Gaddafi zurück.

Für die Gaddafi-Bediensteten ging die Angelegenheit dennoch einigermaßen gut aus: Sie erhielten eine Entschädigung und auch die vorübergehende Aufenthaltserlaubnis in der Schweiz.

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