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8. Mai 2011, 21:45 Uhr

Der Stille und die Schrille

Starker Einstand für das neue Frankfurter "Tatort"-Team: Die Qualität der Fälle lässt sich zwar noch steigern, doch Joachim Król und Nina Kunzendorf machen als ungleiches Duo Lust auf weitere Folgen. Von Carsten Heidböhmer

Tatort, Nina Kunzendorf, Joachim Krol, Frankfurt,

Ein starkes Team: Die Kriminalhauptkommissare Frank Steier (Joachim Król) und Conny Mey (Nina Kunzendorf) ermitteln in Frankfurt© HR/Johannes Krieg

Gleich mit ihrem ersten Auftritt lässt die neue "Tatort"-Ermittlerin Conny Mey (Nina Kunzendorf) keinen Zweifel aufkommen, dass sie im neuen Frankfurter Team den Ton angibt. Laut, schrill, tough, groß und sehr sexy: Diese Frau ist in jeder Hinsicht ein bisschen too much. Wenn sie mit ihren Stiefeln über die Büroflure stolziert, hört man sie von weitem anrauschen. Mit dem Polizeipsychologen hat sie - vor den Kollegen kaum verborgen - eine Affäre am Arbeitsplatz. Ihr Ausschnitt ist eindeutig zu tief, das Top zu eng für eine Kommissarin. Sie erinnert in ihrer Erscheinung an Julia Roberts als couragierte Anwältin Erin Brockovich.

Ganz anders ihr Kollege Frank Steier (Joachim Król). Er steht in seiner ersten Szene im Dunkeln, als Kollegin Mey in sein Zimmer platzt. Das wird im weiteren Verlauf so bleiben, denn neben der Lichtgestalt Conny Mey steht jeder im Schatten. Bei Steier kommt noch hinzu, dass er als ausgesprochen schwierig und eigenbrötlerisch gilt: "Er war wirklich einer der besten. Aber jetzt ist er nicht mehr teamfähig", sagt der Polizeipsychologe über ihn. Kein Wunder, dass er immer wieder mit seiner Kollegin aneinander gerät. "Sie gehen mir mit ihrer Gutmenschenkacke und ihrem Helfer-Syndrom sowas von auf den Sack", wirft er Mey an den Kopf. "Wenn Sie den Leuten wirklich helfen wollen, dann machen Sie doch ein Nagelstudio auf. Davon verstehen Sie wenigstens was."

Unnötig dramatisches Finale

Eher widerwillig schlittern die beiden in ihren ersten gemeinsamen Fall. Der offensichtlich paranoide Sven Döring (Justus von Dohnányi) bezichtigt die Briefträgerin Miriam Sert (Vicky Krieps), seinen Sohn Stefan (Frederick Lau) ins Koma befördert zu haben. Das hatte er schon vor einem Jahr behauptet, die Ermittlungen wurden damals eingestellt. Jetzt erhebt der verzweifelte Vater die ungeheuerliche Behauptung, der damals verantwortliche Kommissar Seidel (Peter Kurth) habe eine Affäre mit Miriam gehabt.

Döring wirkt gefährlich, und so wühlen die beiden in dem alten Fall herum. Dabei finden Mey und Steier heraus, dass ihr Kollege Seidel damals tatsächlich mit der Beschuldigten Sex hatte. Doch das größte Problem ist der in seinem Wahn nicht mehr zu stoppende Sven Döring, der die Briefträgerin bedroht und ihr nachstellt. Lange plätschert die Folge (Buch und Regie: Lars Kraume) vor sich hin, ein Mord liegt nicht vor, und so gibt es auch keinen Fall. Im Finale wird es dann unnötig dramatisch. Döring taucht plötzlich mit einem Messer auf dem Polizeirevier auf und sticht auf Steier ein.

Am Schluss steht Conny Mey am Krankenbett ihres Kollegen, der toughen Frau laufen Tränen die Wangen herunter. Ihr Herz trägt sie also auf dem rechten Fleck. "Ich hoffe, dass Sie bald wieder gesund werden und wir wieder miteinander arbeiten können", gibt sie dem knorrigen Kommissar mit auf den Weg. Der Zuschauer schließt sich diesen Wünschen gerne an. Selten hat man ein neues Gespann so schnell ins Herz geschlossen.

Von Carsten Heidböhmer
 
 
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