Heike Makatsch spielt Dr. Hope Bridges Adams Lehmann, eine Ärztin im Deutschland des 19. Jahrhunderts, die sich gegen die Herren des Gewerbes behaupten muss. Das ist starker Stoff. Das ZDF macht eine Schmonzette draus. Von Lutz Happel

Reformistischer Drang: Dr. Hope (Heike Makatsch) und ihr Liebhaber Carl Lehmann (Martin Feifel)© Ursula Düren/DPA
Warum ist noch niemand früher darauf gekommen? Das Leben der ersten offiziell zugelassenen deutschen Ärztin Hope Bridges Adams Lehmann schreit geradezu danach, verfilmt zu werden. Eine berufstätige Mutter, geschieden und wiederverheiratet, eine überzeugte Sozialdemokratin, die sich vom Patriarchat Ende des 19. Jahrhunderts nicht einschüchtern ließ. Ihr Leben ein einziger Kampf, hartnäckig geführt für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung, für medizinische und menschliche Vernunft. Die historische Hope Bridges Adams Lehmann wirkt wie eine sehr moderne Frau, die versehentlich in die Kaiserzeit zurückgebeamt worden ist.
Das ZDF widmet dieser fast vergessenen Visionärin einen Zweiteiler (Erstausstrahlung: Freitag, 19. März, 20.15 und 21.45 Uhr auf Arte) und Regisseur Martin Enlen engagierte eine Hauptdarstellerin, die sich bestens auskennt mit historischen Stoffen. Heike Makatsch spielte bereits die Teddybär-Fabrikantin Margarete Steiff sowie die einzigartige Künstlerin Hildegard Knef.
"Ich gehe an Hope heran wie an eine fiktive Figur", sagt Heike Makatsch zu stern.de*. Der schauspielerischen Sache hat das keinen Abbruch getan: Makatsch überzeugt als kraftstrotzende Reformerin, die für ihre kompromisslose Radikalität im Kampf um Frauenrechte einen hohen persönlichen Preis zahlen muss. Der reformistische Drang wird ihr allmählich zur Sucht. Ihre erste Ehe zerbricht, ihr Kind wird ihr fremd, später verlässt sie die beiden, um mit ihrem zweiten Mann Carl Lehmann eine Praxis in München aufzubauen.
Doch so treffend Makatsch auch die Entwicklung ihrer Figur darstellt, so geschichtslos bleibt das Werk. Und das liegt vor allem am Plot. Zu stark vertrauen Drehbuch und Regisseur Enlen auf die üblichen Ingredienzien aus blütenweißen Kitteln (Arztserie), herausgeputztem Kleiderinventar (Volkstheater) und melodramatischem Bergpanorama (Heimatfilm).
Der Film legt den Akzent auf das Gefühlige. So ist Hope einerseits hin- und hergerissen zwischen zwei Männern, andererseits zwischen ihrem Kind und ihrem reformatorischen Anspruch. Das ist ein klassisches Drama, schön herzerwärmend, doch zu viel Herzenswärme lässt eine Geschichte schnell zu Genrebildchen verkommen.
Spannenden, zeitgeschichtlichen Stoff bietet das Leben von Hope Bridges Adams Lehmann eigentlich reichlich: Sie war gut mit der Sozialistin und Feministin Clara Zetkin befreundet, sie kannte den Ur-Sozialdemokraten August Bebel und sogar Lenin persönlich. Hope und Carl Lehmann waren ein ausgesprochen politisches Paar. Sie schrieb Ratgeber über Sexualität, Hygiene, Erziehung und plante in München einen zweisprachigen Kindergarten. All das geschieht vor dem Hintergrund der Bismarck-Zeit bis zum Ersten Weltkrieg. Der Reichtum dieser Biografie wird im Film jedoch aus inszenatorischen Gründen zurechtgebogen: So muss Clara Zetkin im Film ebenfalls Medizin studieren, Hopes zweites Kind wird einfach unterschlagen.