Darum trotzt Anna Loos dem Shitstorm

4. März 2013, 16:44 Uhr

"Arrogante Schlampe aus dem Osten": Anna Loos ist Opfer eines Shitstorms. Statt ihr Facebook-Profil zu löschen, setzt sich die Sängerin zur Wehr. stern.de erklärt sie, warum. Von Jens Maier

Anna Loos, Shitstorm, Facebook

Eine Kämpfernatur: Anna Loos©

Am Montagmittag sieht ihre Facebook-Seite aus wie immer: ein Hinweis auf einen Auftritt der Band Silly in Hamburg, ein Link zum neuen Video. Von Beschimpfungen wie "arrogante Schlampe aus dem Osten" oder "abgehobener Superstar", die über Anna Loos hereingebrochen sind, ist auf den ersten Blick in den Kommentaren und User-Postings nichts zu sehen. Doch das liegt nicht daran, dass es diese Beleidigungen nicht gegeben hat - und weiter gibt. Die Schauspielerin und Musikerin hat sie gelöscht. Und damit den Kampf gegen die unbekannten Hetzer aufgenommen.

Loos ist Opfer eines Shitstorms. Seit einigen Tagen wird sie auf ihrem Facebook-Profil mit Beleidigungen und Schmähungen überzogen. Die Beiträge stammen von sogenannten Fake-Profilen, also Nutzern, die sich unter falschem Namen bei Facebook angemeldet haben. Die Täter bleiben somit anonym. Die 42-Jährige will sich das nicht gefallen lassen. "An alle Mitmenschen, die hier auf meiner Seite Ihre Langeweile bekämpfen und Ihren Frust ablassen wollen: Ich werde Euch löschen und ignorieren!", kündigt sie an. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Pöbeleien im Minutentakt

Die Pöbeleien gehen im Minutentakt ein. Auch am Montagnachmittag. Ein User namens "Du bist so dumm wie fünf Kilo Hackfleisch" postet unaufhörlich "Poop". Selbst wenn sie wollte, könnte Anna Loos die unliebsamen Kommentare gar nicht so schnell löschen, wie sie eintreffen. Um den Account sauber zu halten, müsste eine Armada von Mitarbeitern die Kommentare rund um die Uhr kontrollieren. Doch Loos verwaltet ihr Profil selbst. Am einfachsten wäre es, die Kommentare vorübergehend zu sperren. Stattdessen löscht die Sängerin der Band Silly jede Beleidigung einzeln. Warum tut sie sich das an?

"Ich wusste bis vergangene Woche nicht mal, was ein Shitstorm ist", sagt Loos zu stern.de. Alles habe mit einem Silly-Auftritt in der "NDR-Talkshow" begonnen. "Danach haben mir Freunde gemailt, dass ein Troll (eine Hetzkampagne im Internet, Anm. d. Red.) gegen mich unterwegs sei, ich solle mein Facebook-Profil sperren. Ich habe das erst gar nicht verstanden und war völlig überfordert", erklärt Loos. Doch da sei es schon zu spät gewesen. Warum es gerade sie getroffen hat, kann Loos sich nicht erklären. "Ich glaube, das ist vollkommen willkürlich." Trotzdem hätten die wüsten Beschimpfungen sie teilweise sehr mitgenommen. "Das fiese daran ist ja, dass die Täter sich hinter ihrer Anonymität verstecken. Das ist asozial und feige", sagt die Sängerin. Genau deshalb habe sie sich dazu entschlossen, nicht klein bei zu geben und ihr Facebook-Profil nicht zu sperren oder sich abzumelden.

"Ich bin eine Kämpfernatur"

"Ich mag Facebook. Ich benutze es gerne, um mich auszutauschen. Ich mag es auch, kritisiert zu werden, wenn die Kritik konstruktiv ist", sagt Loos. "Deshalb habe ich in dem Moment gedacht: wehre dich! Mach dich stark gegen diejenigen, die Facebook für so einen Mist missbrauchen." Ihr sei völlig klar, dass sie sich nicht 24 Stunden vor ihren Computer setzen könne, um die Kommentare zu kontrollieren. "Aber ich bin eine Kämpfernatur mit starkem Gerechtigkeitsempfinden und ich sage: Diesen Leuten muss das Handwerk gelegt werden." Enttäuscht ist Loos von der Reaktion von Facebook. "Ich habe jeden Fake-Account dort gemeldet und eine Sperrung beantragt", erklärt sie. Doch bislang sei nichts passiert. "Ich habe nicht mal eine Benachrichtigung erhalten." Trotzdem will Loos durchhalten. "Es gibt auch unglaublich viel positives Feedback in den Kommentaren. Das macht mir Mut."

Verlieren die Täter durch das permanente Löschen irgendwann die Lust an den Pöbeleien oder werden sie gerade dadurch weiter angespornt? Ob Anna Loos mit ihrer Taktik Erfolg haben wird, ist unklar. Doch ihr Kampf verdient Respekt. Denn Sätze wie "alte Schlampe aus dem Osten" muss sich niemand gefallen lassen. Auch nicht im Internet.

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