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3. Januar 2009, 20:50 Uhr

Der coolste Hund

Dank ihm darf ein Mann wieder ein Mann sein. Sexy, knackig, kantig: Der Brite hat aus dem Geheimagenten Ihrer Majestät einen modernen Actionhelden gemacht - und einen altmodischen Kerl zugleich. Von Christine Kruttschnitt

Daniel Craig, James Bond, Ein Quantum Trost, Sexsymbol

Sexsymbol? "Damit kann ich überhaupt nichts anfangen"© Matt Sayles/AP

"Alles in der Kunst und im Leben hat mit Sex zu tun", spricht Daniel Craig gelassen. Und auch wenn diese Erkenntnis nicht gerade neu ist, so wird sie doch belegt durch die unaufhaltsame Wirkung einer babyblauen Badehose. In jener entstieg der Mann aus Liverpool vor zwei Jahren den Fluten der Karibik, und seitdem ist nichts mehr, wie es einmal war. Seine Karriere nicht. Sein Leben nicht. Selbst die Kunstwelt jenes Kinohelden nicht, den Daniel Craig kürzlich das zweite Mal verkörperte.

James Bond, seit 46 Jahren bewährte Männerfantasie, zog plötzlich mehr Frauen in die Kinos als sämtliche Inkarnationen vor Craig, inklusive Sean Connerys haariger Schottenbrust und Pierce Brosnans gepflegter Föhnwelle. Dank jenem babyblauen Höschen aus dem Haus La Perla - und der babyblauen Augensterne seines Trägers - wurde Bond mit "Casino Royale" selbst zum ultimativen Bond-Babe: sexy wie Pussy Galore, knackig wie Holly Goodhead, scharf wie Xenia Onatopp. Brachte Craig einerseits eine barsche Männlichkeit in den Geheimdienst Ihrer Majestät zurück, so bot er mit ähnlicher Entschlossenheit dem weiblichen Publikum die Kehle dar - und lieferte sich aus als Sexobjekt. Und sein Appeal beschränkt sich nicht nur auf die Badehose.

Craig und die wahre Männlichkeit

In "Ein Quantum Trost" beschläft er nicht mal einen Bruchteil der weiblichen Belegschaft - Sean Connery hätte kopfschüttelnd die Dreharbeiten abgebrochen - und wird doch von Frauenzeitschriften als "männlichster aller Männer" gefeiert. Liebevoll beschreiben Reporterinnen Craigs Gladiatorenschädel, und verzückt nehmen Zuschauerinnen hin, dass der einst so geschmeidige Superagent neuerdings wortkarg und uncharmant ist, bullig, ein wundes Raubtier, das einen Martini nicht von einem Loch im Boden unterscheiden kann. Craig hat Bond in einen modernen Actionhelden verwandelt. Und zugleich in einen altmodischen Kerl.

Daniel Craig, James Bond, Ein Quantum Trost, Sexsymbol

Craig mit Lebensgefährtin Satsuki Mitchell. Er ist seit drei Jahren mit der 29-Jährigen liiert© Stephen Lovekin/Getty Images

An dieser Stelle brauchen männliche Leser ein Quantum Trost: Jahrelang haben ihre Frauen auf sie eingeredet, sie sollen gefälligst weniger "kerlig" sein und dafür kuschelig, sollen sich fürs Kochen und Müllrausbringen interessieren statt für Autos und Waffen, sollen reden und zuhören, sich um die Kinder kümmern und auch mal zur Fußpflege. "Während wir daran gearbeitet haben, die Welt frauenfreundlicher zu machen", schreibt die Journalistin Kathleen Parker in ihrem Aufruf "Save the Males", Rettet die Männer, "haben wir eine Kultur geschaffen, die feindlich gegenüber Männern ist und alles Maskuline verachtet." Auftritt Daniel Craig. Beinahe im Alleingang hat er die Diskussion um wahre Männlichkeit wieder angeheizt - ein Sexsymbol, das längst nicht so gefällig ist wie George Clooney oder Brad Pitt; ein britischer "bloke", ein Allerweltstyp, der über seinen Alkoholkonsum Witze reißt und es zutiefst bedauert, dass er nicht mehr unerkannt in der Eckkneipe ein Bierchen zischen kann. Kollegen beschreiben ihn als umgänglich, warmherzig, unkompliziert.

Sein Ehrgeiz ist enorm

Selbst im Tom-Ford-Dinnerjacket - Bond hat den Schneider gewechselt, statt weichen italienischen Brioni-Designs trägt er jetzt scharf auf Taille geschnitten - sehe Craig "gewalttätig" aus, schrieb mit unübersehbarer Bewunderung die amerikanische "Men's Vogue". Auf seinen Status als Sexsymbol angesprochen, grinst Craig breit - "Damit kann ich überhaupt nichts anfangen". Der 40-jährige Sohn einer Kunstlehrerin und eines Pub-Betreibers ist kein schöner Mann. Aber, wie seine Fans seufzen würden: ein richtiger. Fans, das ist etwas relativ Neues für Daniel Craig. Vor "Casino Royale" war er kein hoch bezahlter Star; für seinen dritten Bond-Film, den er im neuen Jahr zu drehen beginnt, wird er wohl 15 Millionen Dollar Gage bekommen. Er kam vom Theater, nennt sich "arrogant genug, niemals etwas anderes werden zu wollen als Schauspieler". Er ergatterte nach seinem Debüt im Jahre 1992 eine kleine, fiese Rolle im Historiendrama "Elizabeth", trat auf als Rivale und ziemlich fieser Geliebter von Angelina Jolie in "Lara Croft: Tomb Raider", spielte Paul Newmans fiesen Sohn im Gangsterdrama "Road to Perdition". An Einzelheiten kann man sich kaum erinnern, nur an diese blauen Augen. Und an die Spannung, die von dem Blonden ausging. Als bränne da etwas in ihm. Als bränne es gleich durch die Leinwand.

Sein Ehrgeiz als Schauspieler ist enorm, niemand soll ihn festnageln können. Was nach dem Erfolg seines jüngsten 007- Abenteuers, das weltweit eine halbe Milliarde Dollar eingespielt hat, eine irgendwie niedliche Vorstellung ist. Aber er probiert’s. Im Drama „Defiance", das US-Zuschauer noch zum Jahreswechsel sehen werden, spielt er einen polnischen Widerstandskämpfer, der mit seinen Brüdern in der Wildnis einen geheimen Mini-Judenstaat errichtet. Es ist eine wahre Geschichte, über tausend jüdische Flüchtlinge wurden von den Bielski-Brüdern im "Dritten Reich" vor den Nazis gerettet. Das Drehbuch habe ihn zutiefst bewegt, sagt Craig. Meilenweit entfernt von der letztlich schwerelosen Welt des Ian Fleming. Er sieht ausgezehrt aus im Film, aber das liege am Wetter, "es war saukalt, du nimmst schon ab, wenn du nur vor die Tür trittst". Eine Nachrichtenagentur fing an, von der Oscar-Nominierung zu träumen.

Er lächelt und schweigt

"Zurückhaltend und bescheiden" nennt "Quantum Trost"-Regisseur Marc Forster seinen Helden. Craig spricht nicht gern über sich, das wird ihm zuweilen auch als patzig ausgelegt. "Du erzählst den Leuten, wie toll deine Frau ist und wie toll deine Kinder sind und wie toll dein Haus ist und so weiter, und dann kommt etwas dazwischen, und sie sagen, na, so toll ist es ja wohl nicht mehr", sagte er jetzt sarkastisch in einem Interview. Sein tolles Haus, er hat es erst kürzlich gekauft für vier Millionen Pfund, in London. Seine tolle Frau, das war einmal eine schottische Schauspielkollegin. Sein tolles Kind, das ist die heute 16-jährige gemeinsame Tochter Ella. Die Ehe ist geschieden, und Craig schweigt eisern über das Mädchen. Einige Jahre lebte er mit der deutschen Schauspielerin Heike Makatsch zusammen, es folgten Affären mit dem Model Kate Moss und dem britischen Starlet Sienna Miller. Seit drei Jahren ist er liiert mit einer US-Filmproduzentin. Wenn sie auf dem roten Teppich mit ihm auftaucht, wird er gefragt, wann sie heiraten. Er zeigt dann sein eisblaues Lächeln und wendet sich ab, als wäre ihm eingefallen, dass er ja noch den Müll rausbringen muss.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 01/2009

Von Christine Kruttschnitt
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Staudenmaier007 (05.01.2009, 12:45 Uhr)
@Balaban
Was gibt es da nicht zu verstehen ?
Craig darf als Bond endlich das sein
was alle anderen Cocktail schlürfenden
senilen Frauenbeglücker nicht durften.
Gnadenlos und autentisch, eben so wie
ein Mensch so einen Job ausfühen wird
der durch so eine Arbeit so geworden ist.
Für "Gerüttelt statt gerührt" ist da kein Platz mehr.
jewast (04.01.2009, 12:48 Uhr)
Besser als die Fönfrisur vor ihm
Brosnan war ja alles, nur kein Geheimagent. Eklige Type.
Craig ist cool, wortkarg, knallhart. Erinnert schon eher an einen Geheimagent.
Und zu der Geschichte mit der Rettungsweste: Die musste er anziehen, so was nennt sich Vorschrift beim Militär. Wenn man das Bild mal genauer anschaut, dann sieht man, dass auch die Soldaten, die das Ding bedienen auch ne Weste tragen.
AttaTroll (04.01.2009, 10:43 Uhr)
Peinlich
Ich bin jedesmal eher geschüttelt als gerührt, wenn ich im TV versehentlich in einen James-Bond-Film zappe. Für mich ist Daniel Craig als James Bond genauso gut und genauso überflüssig wie die vielen Bond-Darsteller vor ihm.
Allerdings: Wenn man jetzt versucht, Craig als harten Hund zu verkaufen so erinnere ich mich grinsend daran, dass er zur Präsentation seines ersten Bond großkotzig in einem Schnellboot angefahren kam und dabei eine Rettungsweste trug. Oberpeinlich und für einen Möchtegern-Bond ein absolutes No No.
Aber was soll's: Soll sich Craig ruhig dumm und dämlich verdienen an seiner Rolle - es sei ihm von Herzen gegönnt.
Ernst1 (04.01.2009, 08:30 Uhr)
Er mag cool sein
Er ist aber nicht mehr james Bond. Und den nächsten Bond schaue ich mir nicht mehr an. Zitat: "Geschüttelt oder gerührt? Sehe ich aus, als ob mich das interessieren würde?"
Balaban (04.01.2009, 00:00 Uhr)
ich verstehe den Hype nicht.
Schon bei Brosman hab ich es nie verstanden, der bei einigen Sogar als Bester Bond gillt. Jetzt ist es bei Craig der Fall. Es wird nicht mehr lange dauern und man wird behaupten er sei der beste Bond. Der erste Film von Craig war für sich genommen gut. Nur hab ich nie kapiert wieso Bond mit Autos und Handys der neusten Bauart unterwegs war, immerhin soll es doch den Beginn seiner laufbahn darstellen. Da hat man einfach die Ganze Bond History über board geworfen und es krampftheit in die jetzige Zeit gezwängt. Nicht so trotz ein Guter Film.
Der akuelle Bond hat aber keine Sehle mehr. Die Actionparts im Film sind grandios in Szene gesetzt. Da geht Craig in hochform auf, seine Coole und Harte Art kommt da voll zum tragen. Im rest des Films wirkt Craig aber irgendwie so Hart und Cool einfach zu gespielt. Aber das liegt weniger an Craig sondern am Plot der Craig hier einfach nicht mehr zulässt
Ich war anfangs im Bezug auf Craig sehr skeptisch. Heute bin ich überzeugt das er alles mitbringt was ein Bond braucht. Er braucht einfach einen Besseren Plot und einen Besseren Regisseur. Anders kann ich mir Ein Quantum Trost nicht erklären. Das wen man von den Actionszenen absieht der schlechteste Bond Film war seid Lizenz zum Töten.
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