Die große Blonde in den neuen Schuhen

4. Juli 2010, 12:12 Uhr

Vielleicht ist CDU-Mann Christian Wulff nicht der charismatischste Bundespräsident. Seine Frau Bettina ist jedoch definitiv eine erstklassige First Lady. Von Sophie Albers

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First Lady Bettina Wulff: Startschuss für ein neues Frauenbild?©

Neun Stunden und 34 Minuten. Solange hat es gedauert, bis Christian Wulff zum neuen Bundespräsidenten gewählt wurde. Mit ihm zitterten Annalena, seine Tochter aus erster Ehe, und seine zweite Gattin Bettina. Die 36-Jährige ist nicht nur die neue, sondern auch die bislang jüngste First Lady der Bundesrepublik.

Großburgwedel, ein milder Abend im frühen Juni. Auf einem Klassentreffen in einem Restaurant, keine 200 Meter entfernt vom Haus des niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff, wird wild diskutiert. Thema ist Wulffs Gattin Bettina, die in diesem idyllischen Ort groß geworden ist und die vor zwei Jahren nach Studium, ersten Jobs und mit Christian Wulff im Schlepptau in die 10.000-Seelen-Gemeinde zurückkehrte. Die Diskutanten: Bettinas ehemalige Mitschüler.

"Sie war damals schon ein steiler Zahn", sagt einer, der im Ort geblieben ist, nostalgisch über die 1,80 Meter große Blondine. "Aber sie ist auch durch die Clubs gegangen... Ist die nicht sogar tätowiert?", fragt er pikiert, es gehe doch schließlich um die mögliche First Lady. "Das ist ja wohl völlig egal", so die wütende Replik aus der Ecke der Fortgezogenen. "Sie ist eine moderne Frau, in der man sich endlich mal wieder erkennt. Nicht so was... Altes." Das Verhältnis zwischen zustimmendem Nicken und zweifelnden Stirnfalten hält sich in etwa die Waage.

Auch wenn die Unterhaltung bald in Pilsener und Spitznamen-Dropping untergeht - von "Betty" bis "Brigitte Nielsen", wen es interessiert -, macht sie doch eines deutlich: Ausgerechnet der konservative Kandidat verspricht, eine unkonventionelle, moderne Frau ins Schloss Bellevue zu bringen. Auch wenn Christian Wulff nicht unbedingt der beste der möglichen Köhler-Nachfolger zu sein scheint, seine Frau hat das Zeug zu einer First Lady, die das Frauenbild in diesem Lande endlich den Realitäten anpassen könnte.

"Sie grüßt immer"

36 Jahre jung ist Bettina Wulff, tatsächlich tätowiert (sogar zwei Mal), und mit einem Selbstbewusstsein und einem Pragmatismus ausgestattet, die eine Frau braucht, die sich als Alleinerziehende durchs Leben schlägt. Das war sie nämlich, bevor die PR-Referentin 2006 mit Christian Wulff zusammenkam, den sie im März 2008, hochschwanger, heiratete.

Zielstrebig und ehrgeizig war sie schon immer. Mit 18 machte Bettina Körner, wie sie damals noch hieß, Abitur, zog zuhause aus und studierte Medienwissenschaften in Hannover. Kurz ging es auch nach München. "So ein Dorf muss man dann auch mal verlassen", sagte sie im Interview mit stern.de. Aber sie liebe eben die Idylle, und so kam sie wieder zurück. "Manche Leute beängstigt das ja, wenn sie permanent mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden. Aber ich mag das sehr gern."

Abgesehen vom Streit, ob eine First Lady nun tätowiert sein darf oder nicht, sind sich die Burgwedler ziemlich einig über ihre "Betty", die viele von Kindesbeinen an kennen und weiterhin duzen: immer fröhlich, immer freundlich, immer offen und "völlig ohne Allüren". Das bestätigt ihr sogar Burgwedels Bürgermeister Hendrik Hoppenstedt. "Und wenn man sie beim Einkaufen trifft, grüßt sie immer", sagen die Einwohner. Bettina Wulff ist viel mit dem Fahrrad unterwegs. Bringt die Kinder zur Schule und fährt zur Arbeit, die sie nach ihrer Rückkehr aus München in der Presseabteilung des Drogeriekonzerns Rossmann gefunden hat. Ein Halbtagsjob.

Die Normalität der Patchworkfamilie

Denn auch das ist "Betty": eine Frau, die Karriere und Familie vereint. "Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich mein Leben selbst gestalte, und so mache ich das bis heute. Ich habe nie auf jemanden gewartet, der mein Leben in die Hand nimmt oder es mir abnimmt", sagt Bettina Wulff. "Wenn man Abitur macht, studiert und den Job anfängt, in dem man immer arbeiten wollte, sind das alles Entscheidungen, die man selbst trifft. Diese Selbständigkeit möchte ich mir so weit wie möglich bewahren." Sie sei gern zuhause geblieben, als die Kinder klein waren, "aber dann kribbelte es einfach auch, weil ich wieder arbeiten wollte".

Im Haushalt Wulff leben zwei Kinder. Der sechsjährige Leander stammt aus einer früheren Beziehung der First Lady. Linus, zwei, ist der gemeinsame Sohn mit Christian Wulff. Die 16-jährige Tochter Annalena aus Wulffs erster Ehe lebt bei der Mutter in Osnabrück. Patchwork-Familie nennt man das. Eine Realität in Deutschland, die bisher nicht ins konservative Weltbild passte. Bis "Betty" kam. Scheidung, Neuorientierung. Gebrochene Biografien nun auch im höchsten Amt.

Nun kommt es darauf an, was Bettina Wulff daraus macht. Eine Jobbeschreibung für die First Lady gibt es nicht. Aber vielleicht macht sie neben den üblichen Charity-Pflichtübungen auch als First Lady ihr eigenes Ding. Sie hat ja selbst gesagt: "Ich werde meine Rolle finden."

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KOMMENTARE (10 von 17)
 
Administrator (01.07.2010, 14:08 Uhr)
Liebe User,
da eine sachliche und themenbezogene Diskussion an dieser Stelle offenbar nicht möglich ist, schließen wir die Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre stern.de-Admins
fromage_bleu (01.07.2010, 13:44 Uhr)
...
"Betty: eine Frau, die Karriere und Familie vereint." Wahnsinn, bei Rossmann kann man auch als Halbtagskraft Karriere machen? Muß ich mich unbedingt bewerben.
Kippi (01.07.2010, 13:24 Uhr)
Die große Blonde....
welch ein Hass, welche Mißgunst und Niedertracht sprudeln aus den Kommentaren...
Armes Deutschland, wo bleiben Ethik,
Anstand und Ehre , wo der Respekt vor dem höchsten Staatsamt ?
facility (01.07.2010, 13:01 Uhr)
Nichts für ungut Frau Albers
Aber ich glaube niemand, der den Stern/sternde gerne liest, möchte so einen Artikel als Head-Schlagzeile sehen.
Weiter unten (vielleicht) okay, aber an dieser Stelle... man man man. Bitte irgendwo in den Boulevard-Bereich.
sternchensbild (01.07.2010, 12:45 Uhr)
hart aber unfair....
konnte gestern bei hart aber fair den chefredakteur mal bewundern. wer so hochmütig auftritt, muss sich nicht über die verklärte berichterstattung gegen gauck und für wulff die letzten wochen wundern.
es war offensichtlich, dass mit allen mitteln wulff in den himmel gelobt werden sollte und gauk eben nicht. da stellt sich mir nur die frage...warum???
stand der stern nicht immer für eine relativ objektive berichterstattung mit tendenzen zur spd?
wieso ist dieses ehemalige lesenswerte blatt nun zum cdu organ mutiert?
ich verstehe jetzt auch die aufregung um dieses artikel um frau wulff nicht. es war nur logisch, dass der stern weiterhin an der mehrheit der deutschen weiterschreibt, nur weil ein paar chefredakteure im sinne der cdu denken. also nicht weiter verwundernswert.
mein medium ist der stern seit 15 jahren treue jedenfalls nicht mehr!
FloraMacDonald (01.07.2010, 12:43 Uhr)
@tri.star
"Das moderne Leben ist anders und viele Paare passen dann einfach mal nicht zusammen. Da ist es doch besser wenn man sich trennt. Selbst die Katholiken lassen sich fleißig scheiden, das ist eben das 21. Jahrhundert und nicht mehr die Inquisition."

Mag ja alels sein - nur kann ich beim besten Willen nicht erkennen, warum das alles nun plötzlich als QUALIFIKATION (s. mein Beitrag weiter unten) gelten soll...
susi_sonicht (01.07.2010, 12:43 Uhr)
Add tri.star
Es ist mir egal wer sich wann wie oft scheiden lässt. Es ist nur merkwürdig dass die Partnerinnen der Politiker immer jünger werden - auch das ist mir egal aber es muss erlaubt sein sich dazu seine Meinung zu bilden. Im übrigen können die Herrschaften sich die Scheidungen nur leisten weil sie genug verdienen. Einen kleinen Klempner würde im Normalfall schon eine Scheidung praktisch ruinieren. Aber wenn eine Redakteurin eine solche Eloge hält dann ist es mein Recht darauf zu antworten. Ansonsten können wir die Kommentarfunktion abschalten. Das ist mir Inquisition ist natürlich Quatsch da ich niemand auf den Scheiterhaufen schicken würde der sich scheiden lässt. Dies jedoch als Attribut einer modernen und zeitgemässen Beziehung zu betrachten - das halte ich für falsch. Ich wiederhole es gerne - der Wulff ist wie ein Karnickel aus dem Hut der Merkel gezogen worden seine Ehefrau wird jetzt als "First-Lady" hochstilisiert. Was soll dieser Unsinn.
tri.star (01.07.2010, 12:34 Uhr)
liebe susi_sonicht,
auch ich bin schon über 30 Jahre mit einer Hausfrau verheiratet, aber ich maße mir nicht an, das als Maßstab zu sehen.

Das moderne Leben ist anders und viele Paare passen dann einfach mal nicht zusammen. Da ist es doch besser wenn man sich trennt. Selbst die Katholiken lassen sich fleißig scheiden, das ist eben das 21. Jahrhundert und nicht mehr die Inquisition.

bedenken Sie bitte, wer von uns ohne fehl ist, der werfe den ersten Stein - nur bin ich dummerweise das falsche Ziel.
1valentino (01.07.2010, 12:27 Uhr)
Gähn!
Sie ist genauso aalglatt wie ihr Mann. Selbst die First Lady wäre vom Volk anders gewählt worden. Sie kann ihr Tattoo auch auf der Stirn tragen - das ändert trotzdem nichts an ihrer Persönlichkeit. BUH!
susi_sonicht (01.07.2010, 12:25 Uhr)
Schwachsinn
wen interessieren die Familienverhältnisse eines - gegen den Willen der Mehrheit des Volkes übrigens - hmmm, Repräsentanten ...

Meiner ist er nicht und sie schon lange nicht ... ich will auch keine First Lady. Die hat Obama schon, müssen wir eigentlich jeden Mist mitmachen?
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