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Bettina Wulff bei Sarah Kuttner: Die Glamour-Lady entpuppt sich als normale Frau

Vor fünf Jahren galt sie als die schillerndste und glamouröseste First Lady, die das Land je hatte. Bettina Wulff war nun zu Gast bei Sarah Kuttner - und entpuppte sich als ganz normale Frau.

Von Carsten Heidböhmer

Bettina Wulff war zu Gast in der neuen Talksendung "Kuttner plus Zwei" auf ZDFneo

Bettina Wulff war zu Gast in der neuen Talksendung "Kuttner plus Zwei" auf ZDFneo

Es ist noch gar nicht lange her, da versetzte eine First Lady das halbe Land in Schnappatmung. Bettina Wulff zog ins Schloss Bellevue - und hatte den Ruf, die ultimative Glamourfrau zu sein. 2010 war das, als ein uneheliches Kind und ein Tattoo schon als Ausweis absoluter Hipness und Unkonventionalität galten. Die große Frage, die sich damals viele stellten: Wie passt so ein heißer Feger zu dem "Langweiler" Christian Wulff - und was hält diesen steilen Zahn in dem biederen Klinkerbau in Großburgwedel?

Rund fünf bewegte Jahre später saß die einstige Präsidentengattin in Sarah Kuttners Wohnung, wo sie zusammen mit dem Schauspieler Antoine Monot jr. ("Absolute Giganten", "Ein Fall für Zwei") in der neuen Sendung "Kuttner plus Zwei" gastierte. Ein lockeres, ungezwungenes Talkformat, bei dem die Gastgeberin mit ihren Gästen am Abendbrottisch sitzt und in entspannter Atmosphäre plaudert.

Monot entpuppte sich dabei als echte Rampensau - der Schauspieler ist eben schon lange im Showgeschäft und weiß sich zu präsentieren. Für Bettina Wulff sind solche Auftritte dagegen eine absolute Rarität, die ehemalige First Lady lebt in Hannover und führt dort eine eigene PR-Agentur, die große Bühne meidet sie, seit ihre Autobiografie "Jenseits des Protokolls" von den meisten Medien gnadenlos verrissen und ihr "Selbstdemontage" ("Nürnberger Nachrichten") attestiert wurde.

Das Gegenteil von glamourös

Die große Überraschung des Abends war: Keines der über sie kursierenden Klischees hat sich bestätigt. Bettina Wulff ist das gegenteil von glamourös - sie ist auf eine geradezu erschütternde Weise normal. Eine sympathische, gewöhnliche, ein wenig langweilige Mutter, die mit ihren Kindern vor den Mahlzeiten betet, zur Entspannung gerne in den Garten geht und Samstags unbedingt die "Sportschau" guckt. Wie Millionen Deutsche es auch tun. Die harmoniesüchtig ist und sich noch immer über alte Loriot-Gags beömmeln kann.

Kurzum: Eine Frau, mit der man gerne ein Glas Wein trinken würde, die aber gar nichts von dem flippigen Party-Girl hat, das mit Veronika Ferres und Carsten Maschmeyer wilde Partys feiert und sich aufstrebende Landespolitiker angelt.

Sollte sie mit ihrem Auftritt eine Image-Korrektur bezweckt habe, so scheint das Kalkül für Bettina Wulff aufzugehen. Ohnehin kann man die Aufregung um die damalige First Lady im Rückblick kaum nachvollziehen. Denn der aktuelle Bundespräsident treibt's noch viel schlimmer: Er lebt mit seiner Partnerin in, oh Schreck: wilder Ehe. Und außer ein paar konservativen CDU-Politikern hat sich daran wirklich niemand gestört. Nehmen wir also gelassen zur Kenntnis, dass Bettina Wulff eine würdige First Lady gewesen ist.