15. Mai 2012, 16:46 Uhr

Islamisten verhindern Lady-Gaga-Konzert

Gewagte Outfits, schräge Bühnenshows - für konservative Muslime in Indonesien ist Lady Gaga schlimmer als der Teufel. Nach lautstarken Protesten hat die Polizei jetzt ein Konzert des Popstars untersagt. Sie fürchtet einen schlechten Einfluss auf die Jugend.

Lady Gaga, Konzertverbot, Jakarta, Indonesien,

"Schütze mich vor der Versuchung durch Teufelin Lady Gaga": Radikalislamische Aktivisten haben erfolgreich gegen ein Konzert der US-Sängerin in Jakarta protestiert©

Nach Protesten von Islamisten hat die Polizei in Indonesien ein Konzert von US-Star Lady Gaga untersagt. "Wir werden keine Genehmigung für den Auftritt am 3. Juni erteilen", sagte Polizeisprecher Boy Rafli Amar am Dienstag. Nach dessen Angaben hatte der Nationale Rat der islamischen Rechtsgelehrten höchstpersönlich gegen den "erotisch aufgeheizten" Auftritt der exzentrischen Sängerin und Homosexuellen-Aktivistin interveniert.

Gegen das Konzert hatte vor allem die radikalislamische Organisation "Verteidigerfront des Islam" (FPI) mobil gemacht. In der vergangenen Woche hatte sie damit gedroht, die 26-Jährige auf dem Flughafen abzufangen, ihr Konzert platzen zu lassen und damit zu verhindern, dass sie "ihren satanischen Glauben" in Indonesien weiterverbreiten werde. Lady Gaga fördere die Satansanbetung und die Homosexualität, begründete die Gruppe ihre Haltung.

Die FPI vereinigt halbkriminelle Gangs, die unter dem Vorwand, Moral und Anstand hochzuhalten, immer wieder Bars angreifen und Popkonzerte stören. In vielen Fällen geht es schlicht um Schutzgelderpressung. Die muslimischen Aktivisten haben auch den Bau von christlichen Gotteshäusern verhindert.

Politik nimmt Entscheidung gespalten auf

Nova Riyanti Yusuf, Rechtsexperte der eher konservativen Demokratischen Partei des Kampfes Indonesiens (PDI-P), kritisierte die Entscheidung der Behörden in der indonesischen Zeitung "The Jakarta Globe": "Ob jemand in den Himmel oder die Hölle kommt, hat nichts damit zu tun, ob er ein Konzert besucht hat oder nicht." Sein Amtskollege von der islamistischen Gerechtigkeits- und Wohlfahrtspartei (PKS) sieht das anders. Der Kleidungsstil und der Tanzstil Gagas sei "obszön" und zu "erotisch", wird er von der "Jakarta Globe" zitiert. Damit verstoße die Tänzerin klar gegen das Pornografie-Gesetz des Landes.

Lady Gagas "kleine Monster" - wie sie ihre Fans auch nennt - waren jedenfalls verärgert. "Wenn es stimmt, dass das Konzert abgesagt worden ist, dann ist Indonesien weder eine Demokratie noch ein Rechtsstaat", schimpfte ein enttäuschter Fan via Twitter. Das Konzert in Jakarta wäre ihr erstes in Indonesien, hieß es in den Berichten.

Ob der Auftritt nach der Entscheidung der Polizei definitiv abgesagt ist, war zunächst unklar. Die Sängerin sollte am 3. Juni im Gelora-Bung-Karno-Stadion in der Hauptstadt Jakarta auftreten. Nach Polizeiangaben könnte das Konzert jedoch an einen anderen Ort verlegt werden, sollte die dortige Polizei nichts einzuwenden haben. Konzert-Organisator Big Daddy Productions äußerte sich zunächst nicht. Er soll bereits mehr als 50.000 Karten für das Konzert verkauft haben (andere Quellen sprechen von 30.000 verkauften Karten).

Indonesien - eigentlich ein Land religiöser Toleranz

Religiöse Toleranz hat eine lange Geschichte in dem weltlichen Land. Zuletzt scheint sie aber zu bröckeln. In keinem anderen Staat der Welt leben mehr Muslime als in Indonesien. Etwa 88 Prozent der rund 240 Millionen Einwohner sind Muslime. Zuletzt hat die blühende Wirtschaft und eine wachsende Mittelschicht immer mehr internationale Stars nach Indonesien gelockt. Im vergangenen Jahr sind dort unter anderem Katy Perry, Justin Bieber und Kylie Minogue aufgetreten.

Die mehrfache Grammy-Gewinnerin Lady Gaga hatte ihre Welttournee "The Born This Way Ball" Ende April in Südkorea begonnen. Auch in Deutschland wird sie erwartet: Konzerte in Köln (4./5.9), Berlin (20.9) und Hannover (24.9) sind geplant.

Die aus einer italienisch-katholischen Familie stammende New Yorkerin, die eigentlich Stefani Germanotta heißt, provoziert immer wieder mit extravaganten Outfits und Bühnenshows. Sie setzt sich unter anderem im Kampf gegen Aids und für Schwulenrechte ein.

jwi/AFP/DPA
 
 
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