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6. April 2009, 15:06 Uhr

Sollte Merkel modisch abwracken?

G20-Gipfel in London, zwei Tage später Nato-Treffen in Straßburg. Und beide Male trägt Angela Merkel den gleichen Blazer. Peinlich, findet Jens Maier und fordert mehr Abwechslung. Carsten Heidböhmer ist dagegen begeistert: In der Krise müssen alle den Gürtel enger schnallen, da geht die Kanzlerin mit gutem Beispiel voran.

Angela Merkel, Mode, Michelle Obama, Carla Bruni

Angela Merkel am vergangenen Donnerstag auf dem G20-Gipfel im Buckingham Palast und zwei Tage später auf dem Nato-Gipfel in Straßburg© John Stillwell/Reuters; Piotr Snuss/Reuters

Pro: Merkel sollte abwracken
Contra: Merkel sollte recyclen
Von Jens Maier

Wer mit Angela Merkel "Ich packe meinen Koffer..." spielt, könnte schnell Langeweile bekommen. Ihre Antwort scheint - egal bei welcher Reise und zu welchem Anlass - immer die gleiche zu sein: ein Jackett, noch ein Jackett und noch mehr Jacketts. Das ist nicht nur ziemlich öde, sondern inzwischen auch peinlich. Höchste Zeit für die Forderung: Zieht der Merkel die Baumwoll-Blazer aus!

Beim Gipfel-Marathon vergangene Woche war die Bundeskanzlerin ein Chamäleon auf dem roten Teppich: Rot am Donnerstag beim G20-Treffen in London, am Freitag in Baden-Baden beim Empfang von Präsident Obama rosa, in Straßburg beim Nato-Gipfel dann Weiß und am Sonntag in Prag zum EU-USA-Gipfel lila. Der Schnitt der Jacketts war immer der gleiche, dazu trug sie schwarze Hosen und Halskette - fertig war Angela Merkels Gipfel-Uniform.

Die Kanzlerin verwendet eben jede Minute auf ihre Politik und nicht auf ihre Garderobe, mögen Liebhaber ihres Langeweiler-Stils ihr bescheinigen. Doch das Signal, das sie damit in die Welt sendet, nährt leider alle Vorurteile gegen die Deutschen als Modemuffel: Wer in weiß besockten Sandalen und mit kurzen Hosen durch Rom läuft, hat eben auch eine Kanzlerin verdient, die beim Treffen mit der Queen das gleiche Outfit trägt, wie beim Kindergartenbesuch in Wanne-Eickel.

Dabei hatte die Kanzlerin nach diversen Mode-Experimenten und Fehlgriffen ihren Jacketts das Ende von Hohn und Spott zu verdanken. Schlicht, konservativ und praktisch ist Merkels Garderobe seitdem. Doch die Outfits im Baukasten-Prinzip haben einen Haken. Sie sind nicht an 365 Tagen im Jahr einsetzbar. Schließlich ist Angela Merkel Regierungschefin und keine Flugbegleiterin. Wer heute noch immer behauptet, es käme nicht auf Äußerlichkeiten an, sondern auf die Politik, die Frau Merkel mache, der geht wahrscheinlich auch im Trainingsanzug zum Bewerbungsgespräch und wundert sich hinterher, warum es mit dem Job nicht geklappt hat.

Dass ihr Mode keinen Spaß macht, geht in Ordnung. Nicht aber, dass sie das in der Öffentlichkeit zeigt. Selbst Margaret Thatcher hatte sich modische Unterstützung ins Haus geholt - vom Schneider der Queen. Auch Angela Merkel braucht einen Stilberater. Ja, das kostet Geld und mag in Zeiten der Finanzkrise nicht en vogue sein. Doch wenn die Zeitungen in aller Welt künftig nicht nur über das Dior-Kleid von Carla Bruni oder die Garderobe von Michelle Obama schreiben, ist das eine unbezahlbare PR. Für den Designer, für Frau Merkel - und für Deutschland.
Von Carsten Heidböhmer

Lange Zeit hatte der Deutsche ein negatives Image im Ausland: zu groß, zu laut und stets unter Größenwahn leidend. Generationen von deutschen Nachkriegspolitikern haben sich bemüht, dieses Bild zu korrigieren. Angefangen beim ersten Kanzler Konrad Adenauer, der sich gerne mit volksnahem Pepitahut zeigte, bis hin zu Helmut Kohl, dessen gemütliche Strickjacke den Schrecken seiner gewaltigen Statur kaschierte. Vielleicht mit Ausnahme des im Brioni-Anzug posierenden Gernegroß' Gerhard Schröder legten alle Kanzler Wert auf bescheidenes Auftreten.

Mit ihrer uneitlen Art fügt sich Angela Merkel nahtlos in diese Reihe ein. Und das ist gut so. Denn die Welt befindet sich mitten in einer gigantischen Finanz- und Wirtschaftskrise. Wie wohltuend wirkt da eine Kanzlerin, die repräsentative Pflichten gerne dem Bundespräsidenten überlässt und sich ausschließlich aufs Regieren konzentriert. Um die richtigen Entscheidungen zum Wohle aller zu treffen.

Was das Land - und auch die Welt - in dieser Situation ganz sicher nicht braucht, sind Politiker, die mehr Wert auf Schein als auf Sein legen. Die morgens Stunden vor dem Kleiderschrank verbringen, um ein glänzendes Outfit hervorzuzaubern, anstatt sich in die aktuellen Entwicklungen der Weltlage einzuarbeiten. Ist Merkel wegen ihres monotonen Stils eine Langweilerin? Vielleicht. Aber sie ist schließlich Politikerin und kein Popstar. Glamour gehört da nicht zur ersten Bürgerpflicht.

Mögen andere Länder ihren Berlusconi haben, dem der sonnengebräunte Teint wichtiger zu sein scheint als die Lösung der drängenden wirtschaftlichen Probleme. Gönnen wir es Frankreich und den USA, dass sich alle Welt an ihren eleganten First Ladies ergötzt. Dass die neueste Garderobe von Michelle Obama und Carla Bruni mindestens so intensiv diskutiert wird wie die Politik ihrer Ehemänner.

Deutschland konzentriert sich derweil um ruhiges, sachliches Krisenmanagement. Ohne Schnickschnack und inhaltslosen Pomp. Wenn alle Bürger künftig ihre Gürtel enger schnallen müssen, sollte die Regierungschefin als "erste Bürgerin im Staate" mit gutem Beispiel vorangehen und Bescheidenheit vorleben. Und wenn die Resultate ihrer Politik stimmen, darf Angela Merkel gerne jeden Tag denselben Hosenanzug tragen. Das mögen manche Spötter dann als eine Wiedergeburt des "hässlichen Deutschen" sehen. Solange das aber auf die Garderobe beschränkt bleibt und nicht etwa auf Weltmachtstreben, können wir damit gut leben.

 
 
KOMMENTARE (10 von 27)
 
guzziman (08.04.2009, 16:11 Uhr)
Kleidung ist
zweitrangig. Viel wichtiger ist was die Person leistet die drinsteckt.
Und Merkel hat bis jetzt nichts geleistet ausser in der Weltgeschichte rumzufliegen und Steuergelder zu verschwenden. Wie kann man hier behaupten, sie hätte gute Arbeit geleistet? Hallo, aufwachen.
Leistung gleich Null, Frau Merkel. Aber ich habe den Eindruck es wird bei der diesjährigen Herbstwahl einige unverbesserliche geben, die sie wiederwählen. Vielleicht sollte man dann doch auswandern...?
Mastergirl (07.04.2009, 16:56 Uhr)
jaaa @Doshi
sehr gut erinnert: an gute alte Stern-Zeiten mit Kujau und seinem sensationellen Fund...das waren noch Zeiten! Seitdem geht es irgendwie abwärts!
Doshi (07.04.2009, 16:38 Uhr)
Immer wieder...jetzt aml der STERN und Hitlers Tagebücher...
Der STERN kramt doch seit Monaten sooo gerne in Banalitäten (Dschungelcamp) und holt immer wieder - fast täglich - alte Fotos von Frau Merkel raus...
Wie wärs mal mit einer Wiederauflage des jounalistischen Highlights:
Der STERN und Hilers Tagebücher
Wie ein Verlag billigst verarscht wurde! Dies wissen nicht mehr alle...
Ferika75 (07.04.2009, 16:15 Uhr)
diese blazer in allen farben,
die stehen ihr doch ausgezeichnet. ein superschnitt für ihre figur. sie scheint sich wohl zu fühlen darin, und das ist doch die hauptsache, nich ?
Gockeline512 (07.04.2009, 15:59 Uhr)
Bei keinem Mann würde man auf die Garderobe schauen!
Bei Frau Merkel greift man ständig was an,die Haare,der Ausschnitt,die Schuhe,die Kleider,ihr Führungstil.Die Frau ist Blitzgescheit und auf dem Diplomatischen Parkett gut.Will die Gesellschaft ein Modell oder eine Politikerin?Warum hat man bei Frau Merkel keine Tolleranz?Bei jedem Mann geht man anderst vor und schaut auf anderes,wie viele junge Frauen er gerade hat?dann ist er ein Held!Frau Merkel ist eine sparsame Frau,ist das nicht ein guter Zug in der heutigen Zeit?
Xennia (07.04.2009, 15:01 Uhr)
Ernsthaftigkeit in der Krise!
@ Clamaria
Rosa geht gar nicht! Rote Blazer wirken absolut lächerlich. Oder ziehen Sie selbst auch solche Bonbonfarben auf der Straße an? Aber eine Kanzlerin hat bitteschön Seriösität zu vermitteln. Gerade zur Zeit haben viele Menschen tiefe Sorgen wegen der Krise und man sieht unsere Kanzlerin in den albernsten Posititionen, mit den lächerlichsten Grimassen und dann noch in ihren kunterbunten Anzügen. So, als wollte sie sagen: Ihr alle dort draußen, ihr dummes Volk, ihr könnt mich alle mal, mir geht es gut!
coodo (07.04.2009, 14:17 Uhr)
einfach nur schämen...
dass wir eine kanzlerin haben, die außer abwarten nichts kann - na ja; dass wir eine wirklich häßliche frau als kanzlerin haben - was soll's; dass sich diese person aber auch noch unmöglich anzieht und damit noch häßlicher macht (stil von puttchen-brammel) - das hat deutschland eigentlich nicht verdient!
aber, wie man hier liest, selbst das merken viele nicht mehr. armes deutschland
Anemone (07.04.2009, 13:55 Uhr)
Deutsche Sprache
Politiker tragen offensichtlich häufig denselben Anzug - aber manchmal den Gleichen.
Frau Merkel trägt offensichtlich häufig den gleichen Blazer - aber manchmal denselben.
Clamaria (07.04.2009, 13:10 Uhr)
Angie und ihre Blazer
sind für mich schon längst Kult. Rosa steht ihr besonders gut. Und wenn sie zweimal den gleichen trägt - mein Gott, das macht sie nur sympathisch.
FlameDance (07.04.2009, 12:16 Uhr)
Modeterror
Kleider machen Leute - ok, kann man akzeptieren. Aber daß die Kleider jedesmal neu sein sollen, erinnert mich an den alten Witz, den Rolls Royce auszutauschen, sobald der Tank leer ist. Politik ist kein Laufsteg, mit dem Designer subventioniert werden sollten. Sooo üppig ist ein Kanzlergehalt nun auch nicht, daß zu jedem Anlaß neue Garderobe privat finanziert werden kann - also müßte entweder die Staatskasse dafür aufkommen (warum?) oder jemand sponsorn - das mag für Promis ok sein, für (hohe) Staatsdiener wäre es ein Unding, das nach Korruption röche. Kurz, Herr Maiers Forderung grenzt an groben Unfug.
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