19. Mai 2010, 12:21 Uhr

Kann die First Lady Modedesigner zum Star machen?

Weder Gucci noch Prada - Michelle Obama ist bekannt dafür, dass sie Kreationen von unbekannten Designern trägt. Die werden dann über Nacht berühmt. Doch kann man von diesem Ruhm leben? Von Ulrike von Bülow, New York

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Zum "White House Correspondents' Dinner" trug Michelle Obama eine signalrote Robe von Prabal Gurung©

Als sein Name berühmt wurde, saß Prabal Gurung in einem New Yorker Taxi. Es war Samstagabend und er war mit Freunden auf dem Weg zu einer Party, doch dann landete eine Glückwunschnachricht auf seinem Handy - und fortan stand sein Telefon nicht mehr still: Gurung, ein junger Designer mit dunkler Haartolle, kam kaum zum Feiern, denn auf einmal meldete sich Gott und die Modewelt bei ihm: Wahnsinn, Prabal, hast Du schon gehört? Michelle Obama trägt ein Kleid von Dir!

Die First Lady war an jenem Abend zum "White House Correspondents' Dinner" in Washington D.C. erschienen - in einer signalroten Robe, rund ausgeschnitten und hübsch ärmellos. Sie hatte noch nicht Platz genommen, da verschickten die anwesenden Journalisten schon E-Mails oder Twitter-Nachrichten, in denen stand, dass Michelle Obama ganz "fabelhaft" aussehe, "atemberaubend" auch - und das in einer Kreation von Prabal Gurung. So machte sein Name die elektronische Runde, kommentierten die Mode-Blogger umgehend seinen Entwurf. Am nächsten Tag schossen die Besucherzahlen auf seiner Website nach oben, und dann riefen auch schon die Geschäfte an, Edel-Kaufhäuser, die bisher nichts von Prabal Gurung gewollt hatten, plötzlich aber sehr an seinen Kollektionen interessiert waren.

Umsatzzuwächse über Nacht

Das alles ist inzwischen fast drei Wochen her, doch es erscheine ihm noch immer "unglaublich, welch' Ehre" ihm da widerfahren sei, sagte Prabal Gurung nun der "New York Times", die sich fragte, ob mit Gurung ein neuer "Stern am Modehimmel" aufgegangen sei - oder eine weitere Fashion-Eintagsfliege umher schwirre? Es bringt Designern ja mächtig viel PR, wenn Michelle Obama in ihren Kreationen auftritt, aber treibt das auch automatisch ihre Umsätze in die Höhe, spielen sie langfristig und ernsthaft eine Rolle? Es gibt da verschiedene Beispiele, Gewinner, aber auch Verlierer.

Was immer die First Lady trägt, wird natürlich inspiziert, jeder Modemacher, den sie auswählt, in die Medien gehievt. Gern sind es Namen, die Fachleuten bekannt sind, der breiten Masse aber erst durch Michelle Obama ein Begriff werden. Wie Jason Wu, der für das puschelige weiße Ballkleid verantwortlich war, das die Präsidenten-Gattin am Abend der Amtseinführung ihres Mannes trug. Heute ist es im "National Museum of American History" in Washington zu sehen. Nun waren die Kollektionen des Jason Wu schon in den New Yorker Luxus-Häusern von "Bergdorf Goodman" oder "Saks Fifth Avenue" zu haben, bevor Michelle Obama die Scheinwerfer auf ihn lenkte - nach jenem Abend im Januar 2009 aber, als die ganze Welt nach Washington schaute, konnte Wu einen Umsatzzuwachs von 40 Prozent verzeichnen. Und das trotz Rezession.

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