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22. Januar 2009, 16:29 Uhr

Farblos und langweilig

Zustände wie vor einem halben Jahrhundert: Die Männermode bei den Mailänder Schauen kommt im tristen Grau und Schwarz daher. Ist die Finanzkrise jetzt in der Fashion-Branche angekommen? Über Mode wurde jedenfalls kaum gesprochen. Von Dirk van Versendaal, Mailand

Mailänder Modewoche, Männermode, Armani, Dolce & Gabbana, Ferré

Grau und Schwarz gaben bei der Mailänder Männer-Modewoche den Ton an© Damien Meyer/AFP

Die Diskussion darüber, ob Zeiten angespannter Wirtschaftslage dauerhafte Entwürfe mit rationalem Design oder eher außergewöhnliche Ideen und Kreationen verlangen, war bei den Männer-Schauen für Herbst/Winter 2009/2010 schnell beendet. Auf den Laufstegen herrschten Langeweile und Farblosigkeit wie in der Männermode zuletzt vor über einem halben Jahrhundert: Wer sich also einen schwarzgrauen Anzug zulegt, ist im nächsten Winter bestens ausgerüstet.

Angst schweißt zusammen, und deshalb sind sich Kreative und Geschäftsführer in dieser Saison einmal einig. "Wir müssen unsere Entwürfe mit den Wünschen der Kunden in Einklang bringen", sagt etwa Robert Polet, Vorstandschef von Gucci. Bottega Venetas deutscher Kreativdirektor Tomas Maier nimmt die Worte elegant auf: "Es sind außergewöhnliche Zeiten, und wir haben sehr gründlich darüber nachgedacht, was unsere Kunden jetzt brauchen und wollen." Zum Beispiel einen wärmenden Cardigan. Einer der sich die Kopfzerbrechen seines Finanzvorstands entweder zu sehr zu Herzen nahm - oder sich aber über sie amüsierte? -, war Christopher Bailey: Er ließ sich für seine Burberry-Kollektion vom Fotografen Bill Brandt und dessen Bildern von den elenden Lebensbedingungen im England der Weltwirtschaftskrise inspirieren.

Sparen in Zeiten der Krise

Aus Mangel an Spektakulärem wurde in Mailand diesmal also weniger auf den Laufsteg geschaut als über Zahlen und Hintergründe geredet. Darüber, dass das Luxuskaufhaus Saks Fifth Avenue 1100 Angestellte entlassen hat, Neiman Marcus Inc. in Zukunft mit 375 Mitarbeitern weniger auskommen wird müssen. Darüber, dass die amerikanischen Einkäufer mit im Schnitt bis zu dreißig Prozent gekürzten Budgets, viele der Japaner gar nicht erst, und die Russen nur mit halbvollen Portemonnaies nach Mailand gekommen sind.

Darüber, dass die Umsätze der italienischen Mode- und Textilbranche bereits 2008 um vier Prozent gesunken sind, 2009 mit einem noch größeren Minus gerechnet wird. Darüber, dass etliche der Modefirmen noch immer auf das Geld der Einkäufer warten - bis zu vierzig Prozent von ihnen haben alte Rechnungen noch nicht beglichen und werden dies womöglich auch nicht mehr tun. Um so viel Elend und Leid nicht alleine ertragen zu müssen, verschleppen viele Modefirmen übrigens die Bezahlung bereits geschalteter Modeanzeigen an die Modemagazine. Was die wiederum machen werden, steht noch in den Sternen.

Von Dirk van Versendaal, Mailand
 
 
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