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2. Juli 2005, 09:51 Uhr

Der Pate des Prunk

Seine Mode steht für den ganz großen Auftritt: Roberto Cavalli. Hausbesuch bei einem Designer, der die Frauen wirklich liebt.

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Animalisch: Tiger- und Leoparden-Prints, Glitzer und Glanz - das sind immer wiederkehrende Motive in den Kollektionen des Italieners© Luca Bruno/AP

Herr Cavalli, warum ist Ihre Mode so auffällig und bunt?

Wenn ich am Morgen mein Fenster öffne und in den blauen Himmel über Florenz blicke, dann will ich Frauen in Farben sehen. In sexy Kleidern. Zu sexy, fürchte ich manchmal. In meinen Kollektionen ist die Grenze zwischen sexy und vulgär nur hauchdünn.

Wie Jane Fonda schon sagte: "Wir geben uns derartig Mühe, sexy auszusehen, dass uns für Sex weder Zeit noch Kraft übrig bleibt."

Frau Fonda hätte ein anderes Leben führen sollen. Ich ziehe es vor, mehr Zeit für die Liebe aufzuwenden als fürs Aussehen. Wissen Sie, warum ich in den Siebzigern kein Versace oder Armani wurde, obwohl alles danach aussah? Weil ich nie süchtig nach Arbeit und Erfolg gewesen bin. Ich hatte meinen Spaß daran, drei Wochen am Stück in Saint-Tropez zu verbringen.

Sie besitzen Rennpferde, Weinberge und Ferraris, Hubschrauber und diese feudale Villa bei Florenz. Schämen Sie sich eigentlich nicht für Ihren Reichtum?

Gar nicht. Ich bin auch nicht so reich, wie man immer glaubt. Ich besitze diese Villa und ein Appartement in New York. Das hat 80 Quadratmeter. Manche meiner Kollegen besitzen zehn Hotels.

Dafür sind Sie zurzeit geschäftlich so erfolgreich wie kaum ein anderer Designer. Insbesondere in den USA.

Das liegt vielleicht daran, dass vor allem farbigen Sängerinnen Cavalli-Kleider großartig stehen. Dieser VIP-Faktor hat uns ein kräftiges Wachstum beschert. Dazu kommt meine Fähigkeit zur Darstellung. Mich an den richtigen Orten zu zeigen, mit den richtigen Leuten.

Die Achtziger waren modisch keine Cavalli-Zeit. Was haben Sie in jenen Jahren gemacht?

Fünf wunderbare Kinder aufgezogen. Ein zweites Mal geheiratet. Und rund um die Welt meine Pferde rennen lassen. In der Mode tat ich, was ich immer schon getan hatte.

Nach den Jahren von Glamour, Goldlamé und Tigerfell kommen nun die ersten Zeichen einer Rückkehr zur Nüchternheit in der Mode. Wird dem "King of Glitz" da bang?

Ach, solche Ängste verfolgen mich schon mein ganzes Designerleben. Heute reagiere ich gelassener auf solche Trends, das macht meine Erfahrung. Eine Rückkehr des Minimalismus wird es sowieso nicht geben. Der war schon bei seinem ersten Auftritt so unsexy, dass keine Frau mit Persönlichkeit ihn sich freiwillig anlegte.

Sie verfolgen Ihr kreatives Konzept also mit einer gewissen Sturheit.

Hätte ich mitmachen sollen, als die Japaner Anfang der Achtziger die Mode mit völlig neuen Formen umkrempelten? Selbst wenn ich es versucht hätte - was ein Selbstverrat gewesen wäre -, ich wäre gar nicht in der Lage dazu gewesen. Es gab Momente, da erwog ich, mit der Mode Schluss zu machen.

Was hat Sie davor bewahrt?

Meine Frau Eva. Die ist 20 Jahre jünger und eine perfektionistische Österreicherin. Ihr Schwung hat mich und meine Arbeit wiederbelebt.

Mittlerweile macht Ihre Frau sich daran, das Unternehmen zu dirigieren. Wie arbeitet es sich als Ehepaar?

Wir haben uns angewöhnt, tagsüber nicht zu streiten. Und verheiratet sind wir erst ab abends um acht. Dann wird über Arbeit nicht mehr geredet.

Sie betätigen sich neuerdings als Filmproduzent. Was reizt Sie an diesem Geschäft?

Jetzt mal alle Bescheidenheit beiseite: Ich halte mich für sehr intelligent, sonst wäre ich nicht dort, wo ich bin. Und warum sollte ich meine Intelligenz nicht auch auf anderen Gebiete verwenden? Dass ich jetzt Koproduzent des Films "The Decameron" bin, habe ich indirekt Anthony Hopkins zu verdanken. Als der vor fünf Jahren "Hannibal" in Florenz drehte, verbrachte er zwei Wochen in meinem Fitnessstudio, weil er ein paar Kilo für seine Rolle abnehmen musste. Durch ihn lernte ich den Produzenten Dino de Laurentiis kennen.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 26/2005

Steckbrief Der Unbeirrbare Wer in den Siebzigern zum europäischen Jet-Set gehörte, trug seine Kleider. Wer es in den Achtzigern noch immer tat, bewies schlechten Geschmack. Wer es in den Neunzigern wagte, zählte wiederum zur Avantgarde. Bis heute hat Cavalli mit seiner kreativen Sturheit alle Minimalismus-Trends überlebt. Vielen Kollegen gilt der 64-jährige Familienvater als ungeliebter Exzentriker. Was ihn nicht bekümmert: Sein Unternehmen gehört ihm allein, Jahresumsätze von über 350 Millionen Euro (2004), Tendenz steigend, beweisen, dass es auch ohne den Rückhalt eines großen Modekonzerns geht. Vielleicht sogar besser.

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