Mutter soll Schadenersatz in Millionenhöhe zahlen

25. Mai 2013, 15:00 Uhr

Vier Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden ist die Mutter von Tim K. ins Visier der Kläger geraten. Weil sie womöglich ihre Aufsichtspflicht verletzt hat, soll sie Millionen zahlen.

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Der Amokläufer von Winnenden tötete vor vier Jahren 15 Menschen - und zuletzt sich selbst©

Die Mutter des Amokläufers von Winnenden soll nach dem Willen der Stadt und der Hinterbliebenen für Schadenersatz- und Schmerzensgeldforderungen in Millionenhöhe aufkommen. Die Kläger werfen der Frau vor, ihre Aufsichtspflicht verletzt zu haben, erklärte ihr Anwalt Erik Silcher. "Das halte ich bei einem 17-Jährigen aber für sehr abwegig", sagte der Anwalt. Die Forderungen seien daher unberechtigt.

Lange Zeit hatten sich die Forderungen lediglich gegen den Vater von Tim K. gerichtet, weil er die Tatwaffe unverschlossen im Schlafzimmerschrank aufbewahrt hatte. Sein Sohn hatte damit am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen erschossen und 14 weitere verletzt. Zum Schluss tötete sich Tim K. selbst. Das Stuttgarter Landgericht hatte den Vater im Februar diesen Jahres in einem wieder aufgerollten Strafprozess unter anderem wegen fahrlässiger Tötung zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Stadt gibt Mutter Mitschuld

Nach früheren Schätzungen des Rechtsanwalts Jens Rabe, der die Stadt und 35 Einzelkläger vertritt, summieren sich allein die zivilrechtlichen Forderungen der Kommune auf rund 9,4 Millionen Euro. Die Stadt hatte die Albertville-Realschule, in der der Amoklauf begann, nach der Tat wiederherrichten und umbauen lassen. Hinzu kommen mehr als 1,5 Millionen vonseiten der Einzelkläger. Weder die Stadt noch Rabe waren am Samstag zunächst für Nachfragen zu erreichen.

Vor einigen Monaten habe die Stadt dieselben Forderungen auch gegen die Mutter erhoben, um auf diesem Weg an Geld zu kommen, sagte Silcher. Da bis dahin nur der Vater im Visier der Kläger gestanden habe, hätte auch nur er den Angaben nach zahlen müssen. Über die Zivilklagen laufen außergerichtliche Gespräche.

Der "Stuttgarter Zeitung" zufolge hat sich die Unfallkasse Baden-Württemberg den Forderungen gegen beide Elternteile angeschlossen. Stadt und Unfallkasse gingen davon aus, dass auch die Mutter eine Mitschuld an der Bluttat trage und vermuteten, dass die Frau vermögend sei. "Ihr Mann soll seinen gut laufenden Betrieb im Kreis Ludwigsburg nach dem Amoklauf an seine Frau überschrieben und diese das Unternehmen später für eine hohe Summe verkauft haben", schreibt die Zeitung.

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