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Busfahrer will Nikab-Trägerin nicht mitnehmen – trotz Ticket

Mit der Ausrede, sie könne eine Verbrecherin sein, verwies ein Dresdener Busfahrer eine Nikab-Trägerin. Mittlerweile entschuldigte sich der Regionalverkehr Dresden bei der Frau. 

Zwei Nikab-Trägerin auf der Straße.

Mit einer Nikab wird man in Europa komisch angeguckt. Eine Trägerin durfte jetzt in Dresden sogar nicht in den Bus einsteigen. (Symbolfoto)

"Kunst Lokal – Kunst Global" – mit diesem Slogan hatte der 34. Deutsche Kunsthistorikertag an der TU Dresden geworben. Viele Besucher kamen extra für die Veranstaltung in die sächsische Hauptstadt. Eine von ihnen war auch die 28-jährige Studentin Annabel Ruckdeschel. Extra aus Frankfurt war sie dafür angereist.

Schon im Vorfeld ihres Besuches hatte sie viel Negatives über die Stadt gehört: "Dass sich dies dann so bestätigt, ist schlimm", sagte sie der "Sächsischen Zeitung". Damit meint sie nicht den Kunsthistorikertag, sondern das rassistische Verhalten einiger Dresdener, das so sehr im Kontrast zu diesem weltoffenen Slogan steht.


Muslima dürfen nicht in Bus einsteigen

Die Frankfurterin wollte am Samstagabend den Bus der Linie 360 vom Hauptbahnhof zum Hörsaal der TU Dresden nehmen. Als sie an der Haltestelle ankam, stand der Bus zwar abfahrbereit da, fuhr aber nicht los.

Der Grund waren drei muslimische Frauen, die vor dem Bus standen. Zwei Muslima trugen Kopftücher, eine die sogenannte Nikab, die vollkommen verschleiert. Nur durch einen kleinen Schlitz konnte Annabel ihre Augen erkennen. "Der Busfahrer hat die drei einfach nicht einsteigen lassen", erzählte sie der "SZ" und ergänzte: "Immer wieder haben sie gesagt, dass sie ein Ticket haben."

"Es war ein fremdenfeindliches Klima"

Dem Fahrer war es egal, also mischte sich die 28-Jährige ein und versuchte, ihn zu überreden. Doch der flüchtete sich in die Ausrede, dass er nur Fahrgäste mitnehmen könne, die auch erkennbar seien. Denn falls diese Personen eine Straftat begehen sollten, würde er nicht wissen, wie die Täter aussähen.  

Daraufhin animierte Ruckdeschel die 20 Passagiere: "Ich habe gefragt, ob die anderen wollen, dass die Frauen mitfahren", sagte die Studentin. Doch helfen wollte kaum einer: "Es war ein fremdenfeindliches Klima", berichtete Annabel fassungslos.

Nachdem sich der Fahrer bei der Zentrale erkundigt hatte, öffnete er doch die Tür und der Bus fuhr mit den drei Frauen und Annabel los.

Pressesprecher nimmt Busfahrer in Schutz

Den Vorfall bestätigte jetzt der Sprecher des Regionalverkehrs Dresden (RVD) und entschuldigte sich bei den Frauen. Im Interview mit den "Dresdener Neuen Nachrichten" sagte der Sprecher: "Natürlich war das für die Frau sehr unangenehm. Das tut uns sehr leid."

Allerdings habe es so einen Fall noch nie gegeben, in dem eine Nikab-Trägerin mit einem RVD-Bus fahren wollte. Trotzdem gelte eine Regel: "Jeder kann sich im öffentlichen Raum und in unseren Bussen bewegen, wie er will. Das haben wir dem Fahrer im Nachhinein noch einmal erläutert."

Dresden: Buslinie 360 ist bekannt

Es ist nicht das erste Mal, dass die Linie 360 für Aufsehen sorgt. Erst vor zwei Jahren hatten zwei Marokkaner in einem Bus der Linie Jugendliche belästigt und geschlagen. Daraufhin hatten Asylgegner die "Bürgerwehr FTL/360" gegründet.  


rpw
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