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Papst Benedikt entließ 400 pädophile Priester

Papst Benedikt XVI. fuhr während seiner Amtszeit eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Priestern, die Kinder missbrauchten. Welche Folgen das hatte, zeigen nun vom Vatikan veröffentlichte Zahlen.

Keine Gnade mit Pädophilen: Papst Benedikt XVI. entließ Priester, die pädophil waren

Keine Gnade mit Pädophilen: Papst Benedikt XVI. entließ Priester, die pädophil waren

Der Vatikan hat in den beiden letzten Jahren unter dem zurückgetretenen Papst Benedikt XVI. rund 400 Priester wegen Kindesmissbrauchs entlassen. "2012 waren es etwa 100, 2011 etwa 300", sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Die Veröffentlichung der Zahlen ist unüblich. Hintergrund ist, dass eine Vatikan-Delegation in dieser Woche erstmals vor dem UN Kinderrechtsausschuss in Genf zum Missbrauch Minderjähriger in der katholischen Kirche aussagen musste.

Nach ersten Enthüllungen über Missbrauchsfälle in Irland und den USA vor mehr als einem Jahrzehnt hat sich der Skandal innerhalb der katholische Kirche ausgeweitet. Dabei stehen auch Bischöfe in der Kritik, sexuelle Gewalt gegenüber Kindern vertuscht zu haben. Benedikt, der von 2005 bis zum Frühjahr 2013 Oberhaupt der katholischen Kirche war, hatte eine Null-Toleranz Politik gegenüber den Tätern ausgerufen.

Missbrauchsopfer fordern härtere Konsequenzen

Die Entlassung pädophiler Priester allein reicht nach Überzeugung des Netzwerks von Missbrauchsopfern (SNAP) aber nicht aus. Benedikts Nachfolge im Amt, Franziskus, müsse auch mit der Entlassung der Amtsträger beginnen, die Missbrauch vertuschten. "Bis das geschieht, wird sich wenig ändern", erklärte die Organisation am Samstag. Die Kirche müsse überdies sicherstellen, dass Geistliche, die Kinder sexuell belästigten, strafrechtlich verfolgt würden.

Papst Franziskus hatte am Donnerstag die zahlreichen Skandale der vergangenen Jahre als "Schande der Kirche" gegeißelt. Die verantwortlichen Priester, Bischöfe und Laien hätten "keine Verbindung zu Gott" gehabt, sondern ihre Positionen in der Kirche ausgenutzt.

In Genf berät seit dieser Woche der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes über das schwierige Thema. Im Dezember hatte es der Vatikan abgelehnt, einen umfassenden Fragebogen des Ausschusses zu Fällen von Kindesmissbrauch zu beantworten. Die gleichen Fragen wurden nun am Donnerstag bei einer öffentlich übertragenen Sitzung an eine Delegation aus Rom gestellt. Dabei wurde deutliche Kritik an der Informationspolitik des Vatikan laut.

tkr/AFP/AFP
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