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Fast jeder zwölfte Erwachsene als Kind missbraucht

Es ist eine besorgniserregende Studie: Etwa 8,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland wurden im Kindesalter missbraucht. Weil viele Betroffene schweigen, sei von einer "immensen" Dunkelziffer auszugehen.

Ein junges Mädchen hält sich die Hände vor das Gesicht

Frauen berichteten laut Studienergebniss mit 11,5 Prozent deutlich häufiger von Missbrauch im Kindesalter als Männer (Symbolbild)

Schätzungsweise 8,5 Prozent der jungen Erwachsenen in Deutschland sind einer Studie zufolge als Kinder missbraucht worden. Das ist ein Ergebnis des Forschungsprojekts "MiKADO" der Universität Regensburg, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Bei ihrer ersten Missbrauchserfahrung waren die Betroffenen im Durchschnitt demnach 9,5 Jahre alt. Frauen berichteten mit 11,5 Prozent deutlich häufiger von Missbrauch im Kindesalter als Männer (5,1 Prozent). Das Dunkelfeld sei aber "immens", berichten die Forscher.

Denn in den meisten Fällen verschweigen die Kinder und Betroffenen den Missbrauch, meist aus Scham. Nur jede dritte Missbrauchserfahrung wurde jemand anderem mitgeteilt. Gerade einmal ein Prozent der Fälle wird der Studie zufolge den Ermittlungsbehörden oder Jugendämtern bekannt.

An den Studien nahmen insgesamt 28.000 Erwachsene und mehr als 2000 Kinder und Jugendliche teil. An dem umfassenden Projekt beteiligten sich in den vergangenen dreieinhalb Jahren neben der Uni Regensburg auch Mediziner und Psychologen in Hamburg, Bonn, Dresden, Ulm und Finnland sowie verschiedene Opferschutzvereine.

Erfasste Betroffene zeigen deutliche Belastungssymptome

Demnach berichteten zusätzlich sechs Prozent der befragten Mädchen und zwei Prozent der Jungen, im vergangenen Jahr mindestens eine belastende sexuelle Online-Erfahrung gemacht zu haben. Dazu gehören Gespräche über sexuelle Themen, Online-Sex vor der Kamera, der Erhalt pornografischer Abbildungen und das Verschicken eigener sexueller Fotos.

Nur wenige Jugendliche brachen den Onlinekontakt ab, als ein sexuelles Thema aufkam oder eine sexuelle Handlung gefordert wurde (14 Prozent). Knapp ein Viertel traf sich mit den Onlinebekanntschaften. Von diesen erlebten zwei Prozent das Treffen als belastend, 2,5 Prozent berichteten über sexuelle Handlungen bei den Treffen. Jüngere und weniger gebildete Mädchen hatten im Vergleich zu Jungen ein höheres Risiko für belastende sexuelle Onlineerfahrungen, vor allem mit älteren Männern.

Betroffene Kinder und Jugendliche, die vom Hilfesystem erfasst wurden, zeigten demnach deutliche Belastungssymptome. 60 Prozent erfüllten die Kriterien einer psychischen Störung, vor allem Störungen des Sozialverhaltens, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen, Posttraumatische Belastungsstörungen und Depressionen. Aus Scham offenbarten sich viele, wenn überhaupt, frühestens nach einem Jahr. Viele Betroffene nahmen aber keine therapeutische Hilfe in Anspruch. 

4,4 Prozent der Männer haben sexuelle Fantasien mit Kindern

Die Forscher haben auch untersucht, wie häufig sexuelles Interesse an Kindern in der Bevölkerung vorkommt. 4,4 Prozent der Männer berichteten demnach von sexuellen Fantasien mit Kindern. 1,4 Prozent gaben an, ein Kind unter zwölf Jahren missbraucht zu haben. Das Dunkelfeld der Kindesmissbraucher sei aber "groß", heißt es weiter. Der Studie zufolge erfüllen wahrscheinlich weniger als einer unter 1000 Männern die diagnostischen Kriterien einer Pädophilie.

Das über dreieinhalb Jahre laufende Projekt wurde vom Bund mit rund 2,5 Millionen Euro finanziert. Die Ergebnisse könnten nach Angaben der Forscher auch Ansätze zur Entwicklung von konkreten Maßnahmen liefern, um Kinder und Jugendliche besser vor sexueller Gewalt zu schützen.


mod/AFP
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