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3. Februar 2012, 14:39 Uhr

OZillierend!

Ob er das Hamburger Stadtbild verschandelt oder bereichert, liegt wohl im Auge des Betrachters, sicher ist: Er prägt es. Rund 120.000 gesprühte Hinterlassenschaften sollen auf das Konto von Oz gehen. Der Mann kann nicht anders: Die Farbe muss raus! Heute steht der Sprayer erneut vor Gericht. Von Susanne Baller

Oz, Walter Josef F., Walter, Graffiti, Sprayer, Hamburg

Freispruch für Oz?© Bodo Marks/DPA

Rund acht Jahre hat Walter bereits im Gefängnis verbracht, er ist ein Wiederholungstäter. Man kennt ihn unter einem anderen Namen, zumindest in der Graffitiszene: Walter ist Oz, ein Sprayer, dessen Kürzel in Hamburg tausendfach zu sehen ist. Verkehrsschilder, Stromverteilerkästen, Brücken, Mauern, Häuserwände, vor Oz ist nichts sicher. Vor einem Jahr stand Walter F. vor Gericht. Der Vorwurf gegen den 61-jährigen Mann lautete Sachbeschädigung in 19 Fällen. Am 3. Februar geht es nun am sechsten Prozesstag im Hamburger Landgericht um das Berufungsurteil, im Juli 2011 war er zu einer 14-monatigen Strafe ohne Bewährung verurteilt worden.

Am selben Tag findet in Hamburg eine Vernissage statt: In der OZM Gallery im Hamburger Schanzenviertel eröffnet die Ausstellung "wOZu?". Die Galerie hat aus diesem Grund vor drei Tagen ein Video auf Youtube hochgeladen, in dem Walter ein bisschen aus seinem Leben erzählt. Zum Beispiel erklärt er dort, wie er zu seinem Tag kam: "Zardoz, der Name hört sich irgendwie gut an." Also hat er die letzten beiden Buchstaben zu seinem Sprayer-Kürzel gemacht. "Und wenn man in das Z noch einen Punkt reinmacht, hat das einen besseren Effekt." Wenn Walter erzählt, spürt man einen Schaffensdruck, der ihn antreibt. Woher und warum kann er nicht erklären, er kann nur einfach nicht anders. "Sprühen war nicht meine Absicht", sagt er in dem Video, "aber beim Sprühen weiß ich, wo ich dran bin."

Oz, Walter Josef F., Walter, Graffiti, Sprayer, Hamburg

Sommer 2011: Die Haltung der Prozessbesucher ist klar© Bodo Marks/DPA

Die Leinwand als Ausnahme

Für die Ausstellung, die bis zum 25. Februar zu sehen ist, hat Oz auf Leinwand gemalt, auch wenn er es eigentlich lieber mag, wenn seine Kunst draußen zu sehen ist. Die Ausnahme dient nur einem Zweck: "Damit der Anwalt zu seinem Geld kommt, sonst hätte ich da keinen Bock drauf." Man kann Oz einiges vorwerfen, aber nicht, dass er ein Geschäftsmann ist. Auch den Kult um seine Person mag Walter nicht. Er wäre wohl manchmal überfordert, wenn er sich um alles selbst kümmern müsste. Seine Freunde fühlen sich daher berufen, Öffentlichkeit für ihn herzustellen: Online-Petitionen aufzusetzen, eine Facebook-Gruppe zu betreuen, Soli-Shirts zu drucken.

Sein Anwalt plädiert auf Freispruch, die Chancen stehen nicht gut. Zu hoch schätzt die Stadt den Schaden ein, der entstanden sein soll. Mensch, Hamburg, nimm dir das Plakat zu Herzen, auf dem es letzten Sommer hieß: "Hamburg ohne OZ ... ist München!"

Von Susanne Baller
 
 
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