28. November 2012, 11:16 Uhr

Groenewold bricht sein Schweigen in der Wulff-Affäre

Er gilt als Schlüsselfigur im Skandal um den Ex-Präsidenten. Im stern äußert sich der Filmunternehmer zu seinem Verhältnis zu Wulff - und klagt über einen "Anstrich der Korruption". Von Matthias Schmidt und Jan Rosenkranz

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Er finanzierte Urlaube der Familie Wulff vor: Filmproduzent David Groenewold©

Er hat mit Millionen jongliert, Erfolgsfilme produziert wie "Der Wixxer" oder "Die Welle". Doch in den Medien tauchte der Filmproduzent David Groenewold in letzter Zeit vor allem in einem anderen Kontext auf: dem unrühmlichen Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff.

Kennengelernt hatten sich der umtriebige Berliner und der Politiker, damals noch Ministerpräsident von Niedersachsen, 2003 bei den Dreharbeiten für "Das Wunder von Lengede". Von Groenewold vorfinanzierte Urlaube, beispielsweise auf Sylt, ein privat überlassenes Handy oder eine Bürgschaft des Landes Niedersachsen für eine von Groenewolds Firmen warfen Fragen auf. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Aufhebung von Wulffs Immunität, der trat daraufhin am 17. Februar dieses Jahres zurück.

"Das ist traurig und keine gute Entwicklung"

Nun brach Groenwold sein Schweigen. In einem Gespräch mit dem stern äußerte sich der 39-Jährige zum Stand der Freundschaft mit Wulff und sein Erleben der Affäre um den früheren Herrn von Schloss Bellevue. Er habe gelernt, dass "auch enge Freundschaften je nach Stellung der Freunde in unserer Gesellschaft ebenso leicht wie unberechtigt mit einem Anstrich der Korruption versehen werden", sagte der Filmproduzent. "Das ist traurig und keine gute Entwicklung in unserer Gesellschaft."

Das, was er und Wulff in der Zeit rund um den Rücktritt des damaligen Bundespräsidenten mitmachten, hätte nach Meinung Groenewolds jedem in Deutschland passieren können. "Wir haben im freundschaftlichen Miteinander über diese Dinge damals einfach nicht nachdenken müssen. Weil es nicht zu dem passte, was wir füreinander empfanden."

Am Ende aber war es nicht der umstrittene Privatkredit für sein Haus in Großburgwedel, über den Wulff stürzte, sondern er fiel über seine Beziehungen zu Groenewold. Denn Hintergrund für die in der deutschen Geschichte einmaligen Ermittlungen gegen ein ehemaliges Staatsoberhaupt sind eben jene drei Hotelaufenthalte in den Jahren 2007 und 2008, die Wulff in seiner Amtszeit als niedersächsischer Ministerpräsident von dem Filmproduzenten angenommen haben soll. Wulff betont, alle Kosten selbst getragen zu haben. Die Ermittlungen laufen.

Groenwold sagt schlicht zu seinem Kontakt zu Wulff: "Unsere Anwälte tauschen sich aus. Wir haben Respekt vor dem Rechtsstaat." Liefert die Affäre nicht einen exzellenten Filmstoff? Groenewold verneint dies: "Ich glaube, die Leute sind wahnsinnig gelangweilt von dem Thema."

Nun kommt "Adolf, die Nazisau"

Aktuell arbeitet Groenewold an dem satirischen Animationsfilm "Adolf, die Nazisau", angelehnt an die populären Comics von Walter Moers. Warum braucht die Welt eine weitere Hitler-Persiflage? "Moers meint dazu: Weil er alle anderen nicht lustig findet. Das geht mir genauso", sagt Groenewold. Ob der Film nicht das Böse banalisiere? "Sich über Nazis lustig zu machen, ist zumindest ein Weg, zu zeigen, die sind uncool."

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