Bekenntnisse des Kremlfliegers

8. Mai 2012, 11:00 Uhr

Über ihn sprach die Welt: Mitten im Kalten Krieg flog Mathias Rust mit seiner Cessna nach Moskau. Der stern besuchte mit ihm den Roten Platz, das Ziel seiner waghalsigen Mission.

Kremlflieger Mathias Rust hält seine spektakuläre Landung in Moskau vor 25 Jahren im Rückblick für unverantwortlich. "Damals, mit 19 Jahren, mit meinem Elan und meiner politischen Überzeugung, war es für mich das einzig Richtige, was ich tun konnte", sagte Rust dem stern in einem Interview, für das er auf den Roten Platz zurückkehrte. "Aus heutiger Perspektive schätze ich das natürlich anders ein. Ich würde es sicherlich nicht mehr tun und meine Pläne nicht mehr für realistisch halten... Aus heutiger Sicht war das unverantwortlich." 1987, noch zu Zeiten des Kalten Kriegs, war der junge Deutsche unbemerkt von der Luftabwehr mit einem einmotorigen Sportflugzeug bis ins Zentrum der Sowjetmacht vorgedrungen. Der heute 44-jährige Mathias Rust besuchte mit dem stern nicht nur den Roten Platz, wo er am 28. Mai 1987 seine Cessna vor der Basilius-Kathedrale abstellte, sondern auch das Lefortowo-Gefängnis, wo er 14 Monate in Haft saß.

Er sei über den gescheiterten Abrüstungs-Gipfel von US-Präsident Ronald Reagan und Sowjet-Chef Michail Gorbatschow 1986 auf Island so enttäuscht gewesen, dass er beschlossen habe, mit einem "Friedensflug" über alle Grenzen hinweg ein Zeichen zu setzen, sagte Rust. Im Interview mit dem stern spricht er nicht nur über den abenteuerlichen Flug, sondern stellt sich auch der Kritik über sein Verhalten in der Zeit danach, als er in einem Hamburger Krankenhaus eine Schwesternschülerin niederstach, die ihn offenbar zurückgewiesen hatte. "Ich hatte einen Blackout", so Rust zum stern. "Ich bin ja sonst ein friedliebender Mensch, ich bin nicht gewalttätig. Ich habe bis heute keine Erklärung dafür gefunden, warum das geschehen ist."

Heute arbeite er für einen befreundeten Investmentbanker in Zürich, so Rust in dem Interview, und lasse sich außerdem zum Yogalehrer ausbilden, um in den nächsten Jahren in Hamburg eine eigene Yogaschule zu eröffnen.

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