"Ist die Antwort 'Schinken'?"

12. Dezember 2012, 18:44 Uhr

Spirituell und weise auf 140 Zeichen? Der Papst versucht's in seiner ersten offiziellen Twitter-Session. Er redete, wie üblich, an den Fragen der Weltgemeinschaft vorbei. Von Elias Schneider

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Ein ungewöhnlicher Anblick: Papst Benedikt XVI. vor seinem Tablet-PC©

Noch bevor der Papst den ersten Tweet abgesetzt hatte, hatten sie sich alle versammelt: Gläubige, Kritiker, Spötter. Letztere formulierten schon mal hundsgemeine Fragen vor. Zum Beispiel: "Lieber @Pontifex, tat es weh, als Darth Vader Sie den Schacht hinunterwarf?" Niemand hatte erwartet, dass Benedikt XVI darauf antworten würde. Aber was würde er überhaupt sagen?

Gongschlang 11.28 Uhr, am 12.12.12., war es soweit. Der erste päpstliche Tweet erblickte das Licht der digitalen Welt. "Liebe Freunde! Gerne verbinde ich mich mit euch über Twitter. Danke für die netten Antworten. Von Herzen segne ich euch". Kritiker fanden das enttäuschend - die Fans leiteten den Post innerhalb kürzester Zeit 30.000 Mal weiter. Obwohl der Tweet, so User TomSutcliffe, "noch nicht mal eine Katze in einem Hut oder Irgendetwas" enthielt - eine Anspielung auf den oft sinnfreien, aber umso erfolgreicheren Humor im Netz.

Kalendersprüche mit 100-jähriger Gültigkeit

Die erste richtige Frage eines Nutzers twitterte Benedikt (oder waren es seine Assistenten?) kurz darauf selbst: "Wie können wir das Jahr des Glaubens in unserem Alltag besser leben?". Eine Frage, die spontan diverse Reflexe auslöste. Der britische Comedian Ricky Gervais schlug vor, der Papst könnte doch zum Beispiel seine Haltung zu Kondomen ändern und damit viele AIDS-Todesfälle in Afrika verhindern. Der User Andre fragte dadaistisch-knapp zurück: "Ist die Antwort 'Schinken'?"

Die "richtige" Antwort lieferte @pontifex höchstselbst: "Sprich mit Jesus im Gebet. Hör Jesus zu, der im Evangelium zu dir spricht. Finde Jesus in den Notleidenden." Aha. Ein Kalenderspruch, der wohl auch noch in 100 Jahren Gültigkeit haben wird. Offenbar will sich der Papst auf Twitter gar nicht den drängenden Fragen seiner Schäfchen und seiner Kritiker stellen. Sondern einfach nur biblische Losungen in die Welt senden.

Das Twitter-Imperium des Papstes umfasst insgesamt acht verschiedene Accounts, die die gleichen Botschaften in verschiedenen Sprachen verbreiten - allein der englische hat mittlerweile mehr als 800.000 Follower. Und jeder Pontifex-Account folgt, Achtung: den sieben andern. Im Klartext: Der Papst folgt nur sich selbst. Vielleicht auch die bessere Wahl, wenn man unfehlbar ist - so kann nichts schiefgehen. "Habt ihr gesehen, wem er folgt? Ich würde das ein wenig egozentrisch nennen", schreibt eine Userin.

Die Wege des Herrn sind unergründlich

In Sachen Geschwindigkeit kann (und will) Benedikt mit seinen Mitbewerbern auf Twitter nicht mithalten. Der Plan war, am Mittwoch drei Fragen von Gläubigen zu beantworten. Drei Fragen. Selbst Netz-Dinosaurier Peer Steinbrück, der an diesem Mittwoch ebenfalls twitterte, hätte dafür nur etwa vier Minuten gebraucht - sein Antworttempo lag bei 80 Sekunden pro Frage. Nicht so bei Benedikt XVI.: Zwischen seinen Posts liegen mindestens zwei Stunden. Auf dem schnellsten Medium der Welt, das die direktesten Feedback-Möglichkeiten bietet, bleibt der Papst, zumindest fürs Erste, eine Art Anti-Twitterer. Vom Vatikan veröffentlichte Bilder zeigen das Oberhaupt der katholischen Kirche freudig vor einem Ipad sitzend. Ob die langen Intervalle an Bedienungsschwierigkeiten oder dem Suchen nach einer passenden Frage lagen, ist nicht festzustellen.

Da er sich der Debatte indes sowieso entzieht, bleibt die Frage: Was will der Papst auf Twitter? Nähe suggerieren? Modernität? Einfach Grußbotschaften versenden? Die Wege des Herrn sind unergründlich. Bislang jedenfalls.

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