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An dieser Küste werden immer wieder abgetrennte Füße angespült - warum?

Es ist eine Geschichte, die einen erschaudern lässt: Seit Jahren werden in der Provinz British Columbia in Kanada Laufschuhe angeschwemmt. Das Makabre: Die Füße stecken noch drin. Jetzt gibt es einen neuen Fall. Die Bewohner der Region rätseln.

Blick auf Botanical Beach auf Vancouver Island in Kanada

Botanical Beach auf Vancouver Island: Hier wurden Anfang Februar nach Jahren erstmals wieder Laufschuhe angeschwemmt, in denen noch abgetrennte menschliche Füße steckten

Rund vier Jahre war Ruhe. Doch dann, Anfang dieses Monats, ist es plötzlich wieder passiert. An einer Küste in der kanadischen Provinz British Columbia wurden im Abstand von fünf Tagen zwei Laufschuhe angeschwemmt - und die abgetrennten Füße der Läufer steckten noch drin. Schon seit neun Jahren, so berichtet die britische Zeitung "The Guardian", beunruhigt dieses rätselhafte Phänomen die Bewohner der Provinz an der Pazifik-Küste Kanadas. Und auf die quälenden Fragen gibt es bisher keine wirklich befriedigende Antwort.

Kein Wunder, dass geredet wird und Spekulationen ins Kraut schießen, - nicht nur bei den Bewohnern der Provinz, sondern auch bei der Polizei und den Behörden. Naheliegend scheint, an einen Serienmörder zu glauben. Doch nichts weist auf eine grausige Mordserie hin. Stammen die Leichenteile von Selbstmördern oder Menschenhändler-Opfern? Wenn es so ist, warum werden dann immer nur Füße angeschwemmt? Zuletzt, so heißt es im "Toronto Star" verfielen die Behörden gar auf die Theorie, es könnte sich um angeschwemmte Leichenteile von Opfern des Tsunamis im Indischen Ozean 2004 handeln. Das würde zumindest erklären, wieso es so unregelmäßig und über eine so lange Zeit zu den mysteriösen Funden kommt.

Kanada rätselt: Nur acht Füße identifiziert

Inklusive der beiden jüngsten Funde am Botanical Beach auf Vancouver Island sind nun insgesamt zwölf Sportschuhe mit Füßen angeschwemmt worden. Acht der Füße konnten den Berichten zufolge bisher identifiziert werden; darunter sind laut Gerichtsmedizinern zwei Paare - darunter auch die beiden jüngst entdeckten. Die restlichen einzelnen Füßen gehören allesamt zu männlichen Leichen.

Trotz aller mysteriöser Umstände glaubt die Forensikerin Barb McLintock, die mit mehreren der Fälle zu tun hatte, nicht daran, dass es sich um Mordfälle handelt. Dafür hat sie einen guten Grund: Bei keinem der von ihr untersuchten Füße habe es Hinweise darauf gegeben, dass sie gewaltsam von den Beinen abgetrennt wurden. Vielmehr hätten sich die Füße auf natürlichem Wege gelöst - als Teil des Verwesungsprozesses. Dieser verlaufe im Wasser deutlich schneller als an Land. Und so könne das Gewicht der Schuhe irgendwann tatsächlich die Füße von den Beinen trennen. Laut "Guardian" ist McLintock überzeugt davon, dass die Gliedmaßen von Menschen stammen, die entweder Selbstmord verübt haben oder beispielsweise bei einem Sturm in Küstennähe ums Leben kamen.

Eine Folge der Schuhtechnologie?

Doch warum hat es die grausigen Funde dann nicht schon vor 2007 gegeben? Und warum geschieht es gerade hier? Für den Zeitpunkt machen die Ermittler tatsächlich die moderne Schuhtechnologie veratwortlich. Ob leichtes Schaummaterial oder mit Luft befüllte Sohlen - verschiedene Eigenschaften machten die Schuhe so leicht, dass sie an der Wasseroberfläche treiben und schließlich ans Ufer gespült werden könnten.

Aufgrund besonderer Gezeiten-Muster sei die Küste von British Columbia besonders prädestiniert für das Anschwemmen solchen Treibguts. Dadurch gebe es in der Gegend vergleichsweise viele der bizarren Funde. Doch laut McLintock wurden auch weiter nördlich, im US-Bundesstaat Washington, schon Sportschuhe angeschwemmt. "Wahrscheinlich treibt eine ganze Reihe von Laufschuhen da draußen", zitiert der "Guardian" die Gerichtsmedizinerin, "die niemals jemand finden wird."

dho
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