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21. Juni 2010, 16:10 Uhr

Bombenleger von Viernheim muss zwölf Jahre hinter Gitter

Seine Auftraggeber wollten ihm nicht den vollen Lohn zahlen - da rastete Handwerker Jürgen K. aus und drohte damit, Bomben hochgehen zu lassen. Das Landgericht Darmstadt fällte nun das Urteil gegen den Bombenleger, der im August 2009 Viernheim und Weinheim in Atem hielt: Zwölf Jahre muss der 45-Jährige ins Gefängnis.

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Der Bombenleger von Viernheim auf dem Weg in den Gerichtssaal: Das Landgericht Darmstadt verurteilte zu zwölf Jahren Haft© Thomas Lohnes/DDP

Das Landgericht Darmstadt hat den Bombenleger von Viernheim am Montag zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Der 45 Jahre alte Handwerker hatte im August vergangenen Jahres Anschläge auf zwei Wohnhäuser begangen, in denen er früher Aufträge als Gas- und Wasserinstallateur ausgeführt hatte. Auslöser war nach Angaben des Vorsitzenden Richters Volker Wagner, dass die Auftraggeber ihre Rechnungen wegen Beanstandungen teilweise schuldig geblieben waren. Aber sein eigentliches Motiv sei gewesen, der Welt einmal seine Macht zu demonstrieren.

Die Staatsanwaltschaft hatte 13 Jahre Haft wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion in zwei Fällen sowie des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz gefordert. Sie hatte den ursprünglichen Anklagevorwurf des versuchten Mordes fallengelassen. Die Strafkammer stellte fest, dass der Angeklagte bei seinen Anschlägen nicht töten wollte.

Angeklagter gesteht Tat

Zum Auftakt des Prozesses am 27. April hatte der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Der geschiedene und allein lebende Handwerker Jürgen K. war am 19. August 2009 mit Tarnkleidung und Gasmaske ausgerüstet mit dem Auto nach Weinheim (Baden-Württemberg) gefahren. Dort ließ er gegen 5 Uhr auf einem Balkon eines Mehrfamilienhauses eine Handgranate explodieren und zündete eine Reizgas-Granate. Er versuchte vergeblich, auch noch ein Kilogramm Sprengstoff TNT zur Explosion zu bringen. Die Bewohner waren nicht zu Hause.

Kurz nach 6 Uhr verübte Jürgen K. Anschläge auf ein Einfamilienhaus in seiner Nachbarschaft in Viernheim, während die vierköpfige Familie zu Hause war. Dabei setzte er laut Polizei 400 bis 500 Gramm hochwirksamen Sprengstoff ein und zündete eine Reizgas-Granate; außerdem schoss er mit einer automatischen Waffe unter anderem auf das Auto der Familie.

Bei der Flucht aus dem Haus schlug der 32-jährige Familienvater eine Fensterscheibe ein und erlitt Schnittwunden an der Hand. Die Frau sowie die Kinder im Alter von sieben und neun Jahren erlitten einen Schock. Der Schaden am Haus betrug mehrere Zehntausend Euro.

Nervenkrieg dauerte 27 Stunden

Um 6.53 Uhr rief der inzwischen ermittelte Täter aus seiner Wohnung die Polizei in Darmstadt an und forderte, dass sich die Einsatzkräfte der Polizei aus seinem Sichtbereich zurückziehen. Er habe in seiner Wohnung erhebliche Mengen Sprengstoff deponiert und sei bereit, diesen auch hochgehen zu lassen. Die Polizei evakuierte die Umgebung. Die Bewohner und Geschäftsleute konnten erst zwei Tage später zurückkehren.

Nach einem 27-stündigen Nervenkrieg gab der Bombenleger auf. Am 20. August gegen 10 Uhr stellte er sich mit erhobenen Händen der Polizei. In seiner Wohnung hatte er Sprengfallen installiert und große Mengen Sprengstoff, Waffen und Munition angesammelt, darunter Kriegswaffen und Handgranaten, außerdem mindestens sieben aus Gasflaschen hergestellte Spreng- und Brandvorrichtungen. Das brisante Material befand sich nicht nur in der Wohnung, sondern auch im Keller des Hauses und in einem Erdbunker im Garten. Der Vorsitzende Richter sprach von einem "unfassbaren" Fall.

Der 45-Jährige war früher Wachmann eines US-Munitionslagers in Viernheim. Der geschiedene, allein lebende Handwerker war bereits zwei Mal - 1987 und 1991 - wegen Straftaten gegen das Sprengstoffgesetz verurteilt worden.

ukl/APN/DPA
 
 
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